pff.... hat wieder gedauert... also hier gehts weiter, wenigstens ein langer teil^^
ich hoffe, dieses mal sind die Sies und das zeug richtig L
-----------------------------------------------------------------
Während der Zeit, die ich auf Secrets Rückkehr wartete, sah ich mich noch ein wenig im Raum um. Dieser war aber ansonsten nur sehr spärlich einrichtet, am Fenster befand sich noch ein Tisch, welcher an die gekrümmte Form der Wand angepasst war, und ein kleiner, einfacher Schrank - beides aus hellem Holz, wie auch der Fußboden des Zimmers. Außerdem gab es abgesehen von der Tür, durch welche wir den Raum betreten hatten, noch eine zweite, die hinaus in die Eingangshalle des Gebäudes führte.
Ich setzte mich wenig später an den Tisch und warf noch ein paar Blicke auf die Gemälde, welche sich von dort allesamt sehr gut erkennen ließen. Es dauerte jedoch gar nicht lang, bis Secret schon wieder zurück war und hastig zur Tür hereingestürmt kam.
“Oh, habe ich Sie erschreckt? - Entschuldigung!”, sagte sie verlegen lächelnd und kam zu mir hin.
“Wirklich nicht die Rede wert!”, antwortete ich. “Ich habe mir unterdessen erlaubt, mich ein wenig zu setzen.”
“Nur zu!”, meinte sie. “Und hier habe ich das Bild, bitte!”
“Danke”, antwortete ich und besah mir sogleich das Blatt Papier, da die Ungeduld dem Mädchen förmlich ins Gesicht geschrieben stand und ich sie natürlich keinesfalls noch länger wollte warten lassen.
So gut es geht werde ich nun versuchen, Ihnen das Bild zu beschreiben, etwas was mir sicherlich nicht ganz leicht fallen wird, da der Stil, in dem es gemalt war, durchaus einen sehr ausgefallenen Charakter hatte - oder um genauer zu sein - mir sogar völlig unbekannt war. Erst nahm ich an, Secret hätte einfach ‘drauf los’ gemalt, dafür jedoch schien alles viel zu durchdacht.
Kurz zusammengefasst zeigte die Darstellung einen eigentlich recht dunklen, märchenhaft anmutenden Wald, der aber großenteils in helles Sonnenlicht getaucht wurde, welches durch eine Lücke im Blätterdach hereinbrach. Die Darstellung von Büschen, Gräsern und Bäumen war ziemlich fantasievoll, überall grünte und blühte es und die die Blätter erweckten fast den Anschein als seien sie kunstvollst gefertigte Ornamente - gleiches galt auch für das tiefe, dunkle Wasser eines kleinen Sees und den sich ineinander verwebenden, weiß-grauen Wolken. Ja sogar die zahlreichen Tiere (es gab da viele Vögel und Hasen, einen gewieft dreinblickenden Fuchs und noch einige mehr) fügten sich so in die Landschaft ein, dass sie kaum mehr von ihr zu unterscheiden waren. Der Hintergrund des Bildes jedoch war sehr viel einfacher dargestellt; schemenhaft, die Bäume wie von dünnem Nebel verschleiert - fast unwirklich wirkend, so wie in einem Traume.
Bevorzugte Farben schienen abgesehen vom allgegenwärtigen Grün vor allem auch Braun und Gelb zu sein, des weiteren hatte Secret erstaunlich viel Schwarz verwendet, welches in erster Linie bei den zahlreichen Schatten Verwendung fand. Alle Töne waren jedoch recht dezent und blass gehalten, fast hätte ich glauben können, vor mir läge ein altes Gemälde; von der Sonne gebleicht und vom Staube getrübt.
Was den Stil ansonsten noch betrifft reichte die Darstellung zwar in die Tiefe, hatte aber dennoch einen stark zweidimensionalen Charakter. Außerdem war markant, dass trotz der scharfen, klaren Wiedergabe alles wie aus einem Stück war und eine jede Sache in die andere überzugehen vermochte. Dabei schien es dem Bild geschickt zu gelingen, die Augen des Betrachters von einem ganz bestimmten Punkt fernzuhalten - und das obwohl sich gerade dieser deutlich vom Rest der Darstellung abhob. Es handelte sich um eine junge Frau mit langem goldenen Haar, welche an einem schattigen Baum nahe dem See lehnte und verträumt ins Wasser blickte.
“Sind Sie das?”, fragte ich Secret.
“Ja...”, meinte die Künstlerin ein wenig verlegen.
Ich nickte. “Wirklich sehr schön getroffen.”
“Danke... Und sonst?”, fragte sie mit freudigem Blick, doch ohne jenes Funkeln in den Augen, welches man nun bei den meisten anderen Leuten hätte sehen können.
“Es sieht sehr schön aus, definitiv! Der Stil in dem Sie zu malen pflegen ist äußerst interessant.”
“Dann bedanke ich mich recht herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben! Aber dürfte ich Ihnen noch eine Frage stellen?”
“Nur zu!”
“Wie lang haben Sie denn vor, noch hier im Ort zu bleiben?”
“Wissen Sie... vorhin habe ich selbst gerade erst darüber nachgedacht, es ist so schön hier - nach meinem Empfinden sehr viel schöner als in all den tristen Städten. Ja, fast schon kam mir der Gedanke, dauerhaft hierher zu gehen. Wie gesagt, nur ein Gedanke, doch bleiben werde ich in jedem Fall noch eine Weile.”
Secret sah auf den Tisch und griff nach dem Bild. Sie warf einen Blick darauf, dann sah sie mir in die Augen. “Hier, ich möchte, dass Sie es haben!”
Ich war sehr überrascht. “Sie möchten es mir schenken? - Das kann ich doch nicht annehmen!”, drückte ich mich sehr deutlich aus.
“Ja, ein Geschenk. Bitte nehmen Sie es!”
Ich seufzte: “Fräulein Spencer...”
“Wenn Sie es so nicht nehmen möchten, dann doch zumindest im Tausch mit einem Ihrer Bilder, nur ein kleines, unbedeutendes - das reicht mir. Was halten Sie davon?”
“Nun, da ich es Ihnen offenbar nicht abschlagen kann, einer so hübschen Dame widerspricht man sowieso nicht...”
“Danke!”, fiel sie mir ins Wort und lachte ein wenig, wurde bald darauf aber ernst: “Ich möchte Sie nur bitten, niemanden etwas davon zu sagen!”
Ich zuckte mit den Schultern, denn einen Grund dafür konnte ich nicht einmal erahnen. “Wie Sie wünschen!”, sprach ich dennoch und nahm das Bild, mich nochmals bedankend, entgegen.