ich lass jetzt mal die erklärung, warum es so lang gedauert hat...., sondern mache lieber gleich weiter^^
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“Secret, hast du Shadow irgendwo gesehen?”, fragte er anschließend.
“Nein. Ich glaube sogar, sie ist noch nicht einmal aufgewacht.”
“Sie schläft noch immer?” Spencer seufzte. “Es tut mir leid”, sagte er dann zu mir, “aber offenbar werden sie ihre Bekanntschaft jetzt doch nicht mehr machen können.”
“Das ist zwar schade”, dies der wahre Teil meiner Antwort darauf, nachfolgend der gelogene, “allerdings wirklich nicht schlimm. Machen sie sich meinetwegen bitte keine Umstände!”
Spencer nickte bejahend. “Doch auch meine vierte Tochter werde ich ihnen nicht vorstellen können”, fuhr er fort. “Sie ist nämlich momentan auf Reisen.”
“Verstehe...”, sagte ich ein wenig enttäuscht, sollte ich an jenem Morgen doch scheinbar weder Snow noch Shadow begegnen können. Die einzige Sache, welche diese Enttäuschung in wirklich großem Maße linderte, war ganz einfach die, dass ich sowohl Silence, als auch Secret erneut getroffen hatte und Letztere sogar noch bei mir war. Und zwar sollte sie das auch weiterhin bleiben, denn kurz darauf sagte Sir Spencer: “Secret?”
“Ja?”, fragte sie.
“Warum führst du den Herrn nicht ein wenig herum, währenddessen ich mich mit Maximilian unterhalte? Sicherlich interessiert er sich auch für meine Gemäldesammlung. - Oder wie denken Sie, Herr Mann?”
“Mit Vergnügen!”, antwortete ich.
“Wenn das so ist...”, begann Secret, “Kommen sie doch bitte mit!”
Sie führte mich nun durch den vom Eingang des Anwesens aus links neben dem Hauptgebäude liegenden Teil des Grundstücks und dann weiter bis hinter das Haus, wo sich das Anwesen noch bis weit in die Ferne fortsetzte, genauer erst nach einigen hundert Metern von einem Wald begrenzt wurde. Doch auch dieser, oder wohl viel eher Teile davon, schienen noch zum Grundstück zu gehören, denn irgendeine Begrenzung war nirgends zu entdecken und die schon angesprochene, hohe Hecke die sonst den Garten umzäunte verlor sich irgendwo im Wald. Ansonsten war der Bereich zwischen dem Haus und dem Wald geprägt von großen Feldern, welche abgesehen von ein paar wenigen Bauwerken, zum Beispiel einem wunderschönen Brunnen, fast vollständig leer waren. Nur wenige Bäume säumten die Landschaft, ausgenommen ein kleines Wäldchen, welches sich ungefähr in der Mitte dieses Bereiches befand und allem Anschein nach künstlich angelegt worden war.
“So treffen wir uns also wieder”, sagte ich nach einer Weile.
Secret lächelte. “Ja, damals glaubte ich noch, sie seien nur auf der Durchreise.”
“Mitnichten. Ich habe durchaus vor, noch einige Wochen lang zu bleiben.”
In Wahrheit wäre ich am liebsten nie wieder gegangen, wollte gern ewig bei dem Mädchen bleiben, welches nun erstmals so dicht neben mir lief. Selbst dann wenn die Zeit still stehen würde, dann wenn Hundert und wieder Hundert Jahre vergehen würden, würde ich ihrer Anmut und ihrer Pracht wohl nie müde werden. Immer wieder wollte ich das reizende Blinzeln ihrer Augen bewundern und eben sooft ihre Lippen, all die Worte, die sie sagte zu einem Klange formend, der lieblicher war als jeder anderer Ton, den ich auf dieser ehemals großen, doch nun in meinem Geiste auf das Mädchen reduziert zusammengeschrumpften, Welt zuvor gehört. Schon damals, als ich sie überhaupt erst wenige Minuten lang gesehen, konnte und wollte ich mir kein Leben mehr vorstellen, ohne den Anblick ihrer blassen, sommersprossigen Wangen und ohne den Momenten in denen sie einfach nur mit der feuchten Zunge über ihre Lippen strich.
Viele Menschen hatte ich mit meinen dreiundzwanzig Lebensjahren schon auf dieser Welt gesehen, doch niemand von ihnen war wie Secret. Zweimal schon glaubte ich, wirklich und über alles in jemanden verliebt zu sein, zweimal glaubte ich, dass ich für jemanden alles tun würde. Wie oft dankte ich Gott dafür, dass er mir besagtes möglich gemacht...? - Und das obwohl beide Liebschaften letztendlich unglücklich verliefen. Wie gesagt, ich hatte gedacht, ich wäre verliebt und ich würde Gefühle hegen, die nicht noch mehr zu steigern waren, - doch was waren diese längst vergangenen Gefühle verglichen mit denen, die ich nun für Secret empfand?
Nichts.
Und deshalb stand zu jenem Zeitpunkt bereits fest, dass ich auf jeden Fall noch sehr viel länger in diesem Ort zu bleiben gedachte.
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