Sorry, dass es so lange gedauert hat, aber dafür ist dieser Teil auch richtig schön lang.
Ich hab es einfach nicht geschafft, was anständiges zusammen zu kriegen, aber mittlerweile "flutscht" es wieder
Also ein neuer Tag, ein neues Ereignis, viel Spaß damit und danke für die Comments. ^^
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Am nächsten Morgen lachten sie über Miroukes immer noch hochrote Wange. Hotaru war wieder topfit und die Welt schien wieder völlig in Ordnung zu sein. Mazaru hatte sich, bevor alle anderen wach geworden waren, aus Hotarus Griff entwunden und hatte Brötchen und, was Totoru als Geschenk Gottes bezeichnete, billige Zahnbürsten für all seine Gäste gekauft. Nach dem ausgiebigem Frühstück, war auch die Zeit des Abschieds gekommen.
“Bist du dir auch sicher, dass wir dir nicht bei der Küche helfen sollen?”, fragte Kathlyn, nachdem sie sich fertig gemacht hatten.
“Das ist noch gar nichts. Bei mir zu Hause sah es normalerweise schlimmer aus.”
“OK, wenn du das sagst. Wir sehen uns Montag, ja?”
“Klar. Als dann.” Mazaru umarmte die Mädchen und schüttelte Totoru und Mirouke die Hand.
Die Wege der Freunde trennten sich an der U-Bahnstation. “Tja, Jungs. Wir sehen uns. Bis dann.”
Die große Abschiedsparade begann. Rinoa war sehr erstaunt, dass auch Hotaru sich von ihr verabschiedete. “Ich hab heute noch etwas vor. Tut mir leid, aber das ist mir erst vorhin eingefallen.”
“Wo willst du denn hin?”
“Ich muss jemanden besuchen.”
“Aber... Ich wollte doch noch wissen, was heute Nacht zwischen dir und Mazaru passiert ist.”
Hotaru lächelte und umarmte sie noch einmal, bevor sie auf dem Absatz kehrt machte und die Station verließ. Hotaru wusste, dass Amy nicht allzu weit von Mazaru entfernt wohnte. Sie kramte in ihrer Handtasche und fand ihr Handy. Sie wählte die Nummer der angehenden Medizinerin.
“Ja?”, fragte sie verschlafen.
“Guten Morgen, Amy. Entschuldige, dass ich dich geweckt habe.”
“Schon OK. Was gibt es denn?”, fragte sie mit einem herzhaften Gähnen.
“Ich muss dringend mit dir reden. Mit dir allein, keine der Anderen darf es erfahren.”
“Ist was passiert?”
“Es würde am Telefon zu lange dauern. Darf ich zu dir kommen?”
“Ähm... ja, in Ordnung. Wie lange brauchst du ungefähr?”
“Vielleicht zehn Minuten.”
“Bis dahin habe ich zumindest einen Kaffee aufgebrüht. Also dann, ich erwarte dich. Aber ich warne dich, ich hab noch Besuch.”
“Ist mir egal, wenn ich mit dir allein reden kann.”
Zehn Minuten später drückte sie auf die Klingel eines Wohnblocks mit der Aufschrift “Mitzuno”. “Ja?”, kam es aus der Gegensprechanlage.
“Ich bin’s.”
“Komm hoch.”
Die Tür zu Amys Wohnung im dritten Stock stand einen Spalt weit offen. “Nun komm schon, Ryo. Ich hab Besuch, komm schon.”, hörte sie Amys fröhliche Stimme.
“Warum musst du so früh Besuch zu lassen?”
“Es ist wichtig. Du kannst dir ja vorstellen, worum es geht.”
“Ja, OK. Also gut.”
“Hallo? Amy? Ich kann auch später wieder kommen, wenn du noch keine Zeit hast.”
“Nein, nein. Ist schon in Ordnung. Komm rein.”
Hotaru beschlich ein Gefühl des Unwohlseins, als sie sich die Schuhe auszog, die Wohnung betrat und die Tür hinter sich schloss. Auch dass sie wusste, wer sich noch in dieser Wohnung aufhielt, half ihr nicht. Ryo Urawa war Amys erste große Liebe gewesen, der dritte Teufel, hochbegabt in der Schule und mit übersinnlichen Kräften gesegnet. Auch wenn die Teufel sieben Jahre zuvor erweckt und vernichtet worden waren, Ryo zeigte immer noch hellseherische Fähigkeiten.
Amy tat diese Beziehung sichtlich gut, wobei sie ihr Ziel, eine große Ärztin zu werden, nie aus den Augen verlor, während Ryo sie mit all seinen Kräften unterstützte. Auch in Amys anderem Leben, war er einer der Wenigen, die die wahre Identität der Senshies kannte. Makoto hatte eine Beziehung mit Asanuma eingegangen und ihn über alles aufgeklärt, während Rey es ihrem Yuichiro nie anvertraut hatte. Von den inneren Senshies hatte es nur Minako noch nicht zu einer festen Beziehung gebracht und Setsuna spielte jedem vor, dass sie keinen Mann wolle.
“Hotaru? Setz dich doch schon mal in die Küche. Wir kommen gleich.”
“Ist gut.”, antwortete die Schwarzhaarige und ging durch den langen Flur. Die Küche war hauptsächlich in weiß und himmelblau eingerichtet. Hotaru lächelte bei dem Gedanken, dass alle Kriegerinnen nie von ihrem Farbstil abwichen. Sie wusste, dass die vorherrschende Farbe in Makotos Wohnung kräftiges Grün war, was von ihren unzähligen Pflanzen ausging.
Fünf Minuten später stieß Amy zu ihr. Ryo verabschiedete sich höflich und gab seiner Freundin einen Abschiedskuss. Sailor Merkur goss zwei Tassen mit Kaffee voll und setzte sich Hotaru gegenüber.
“Tut mir wirklich leid, dass ich euch gestört habe.”
“Du musst dich wirklich nicht entschuldigen. Eigentlich hätten wir schon vor einer Stunde aufstehen sollen. Am Montag schreibe ich einen Test und du kennst mich.”
“Ja. Aber es war doch bestimmt schöner, mit Ryo zusammen zu sein, oder?”
“Mir wäre es lieber gewesen, wenn wir gestern Abend Zeit gehabt hätten, aber na ja. Erst mussten wir ja die ganze Zeit euch beobachten und dann hatte es auch noch eine Monstermeldung gegeben, die sich als Unsinn erwiesen hat.”
“Warum habt ihr mir nicht Bescheid gesagt?”
“Reg dich nicht auf. Wir wollten dich nicht von Mazaru wegreißen, zumindest der Hauptteil von uns. Es sah so süß aus, wie du auf seinem Schoß gelegen hast.” Hotaru merkte, wie knallrot sie wurde. “Zwar wäre Haruka fast ausgerastet, aber Michiru hat sie zurück gehalten.”
“Oh mein Gott.” Hotaru vergrub das Gesicht in ihren Händen. “Ward ihr alle da?”
“Natürlich. Wir wollten sicher gehen, dass ihr auch wirklich sicher seid. Bis ungefähr um 0 Uhr die Monstermeldung kam. Aber genug jetzt. Was wolltest du mit mir bereden?”
Hotaru klärte sie über den restlichen Abend auf. Die Andere hörte sich alles ohne jegliche Regung an, nippte nur ein paar Mal an ihrem Kaffee.
“Das ist schlecht.”, sagte sie, nachdem Hotaru ihr Anliegen vorgetragen hatte. “Aber du bist sicher, dass es keiner deiner früheren Anfälle war?”
“Ja, ganz sicher. Es war ein anderes Gefühl. Außerdem sind Mistress Nine und die Death Buster-Implantate nicht mehr da. Die Anfälle wurden, so weit ich weiß, wegen Aktivität des Silberkristalls und des Heiligen Grals ausgelöst, aber in diesem Leben hatte ich noch keine weiteren Probleme damit. Deswegen bin ich zu dir gekommen. Als angehende Ärztin müsstest du mir doch weiterhelfen können, oder?”
“Danke, dass du so viel von meinen Fähigkeiten hälst, aber ich glaube, es wäre besser, wenn ich dich zu meiner Mutter schicke. Und ich bin mir sicher, dass wir es den Anderen sagen sollten.”
“Bitte nicht, Amy. Es sind eh schon so schwere Zeiten und ich will nicht, dass sich jetzt noch alle um mich Sorgen machen.”
“Ich denke nicht, dass ich sehr viel tun kann. Sicherlich kann ich dich untersuchen, was ich eigentlich noch nicht dürfte, aber ich weiß nicht, ob ich irgendetwas finden würde. Ehrlich gesagt, bürdest du mir damit sehr viel auf, vielleicht zu viel.”
“Bitte Amy. Du weißt, dass ich nicht der Mensch bin, der allen von seinen Problemen erzählt. Es war schon schwierig genug, mich hierfür zu entscheiden.”
“Ich mach dir einen Vorschlag: Ich untersuche dich und wenn wir was finden, was nicht da sein dürfte und für das ich keine halbwegs natürliche Erklärung finde, werden wir es den Anderen mitteilen. Aber wenn du nur ein wenig kränkelst, dann schick ich dich einfach zu meiner Mutter, die das Ganze offiziell machen darf. Einverstanden?”
“Wenn du mir nur noch erklärst, was du nicht halbwegs natürlich erklären kannst, OK.” Hotaru lächelte zaghaft. Amy hatte nicht danach geklungen, als wäre sie zu Scherzen aufgelegt gewesen.
“Pass auf, Hotaru. Es ist keine unbeschwerte Zeit mehr, auch wenn wir alle uns den Zustand der letzten fünf Jahre zurückwünschen, aber sie kommen vielleicht nie wieder zurück. Wir alle hatten doch gedacht, dass es nichts schlimmeres geben kann als Galaxia und das Chaos. Aber wieder wurden wir angegriffen, schlimmer als je zuvor.”
“Ich weiß, Amy. Bisher waren wir machtlos, bei beiden Angriffen.”
“Es geht nicht nur darum. Du weißt, dass Usagi schon den Thron bestiegen haben sollte, aber es deutet sich nichts davon an. Im Moment scheint es wahrscheinlicher zu sein, dass wir umgebracht werden. Wir wissen noch gar nichts von unseren Gegnern, es zeichnet sich bisher nur eine hohe Opferquote ab.” Sie seufzte. “Was ich sagen will, ist, dass die letzten zwei Wochen vielleicht die Ruhe vor dem Sturm waren. Ich kann mir vorstellen, dass sie ihre Strategie geändert haben und nun vielleicht uns Senshies direkt angreifen wollen. Dein Anfall gestern könnte von ihnen provoziert worden sein, oder sie wollen dich vernichten, in dem sie deinen Körper zerstören, was ich persönlich aus zwei Gründen sehr erschreckend finden würde. Erstens: Sie wissen, dass du Saturn bist und wenn sie das wissen, kennen sie uns besser als jeder andere Gegner. Zweitens: Wenn sie über eine solche Macht besitzen, uns so angreifen zu können, dass uns unsere Kristalle nicht beschützen können, dann heißt es gute Nacht.”
“Gäbe es nicht auch die Variante, dass ich einfach keinen Whisky vertrage?”, Hotaru sah ihre Freundin flehend an. Sie bettelte nach einer Antwort, die nicht alle in noch größere Aufruhr versetzen würde.
“Hoffen wir, dass es nur das ist. Ein Problem ist natürlich, dass du gestern getrunken hast und bestimmt Restalkohol in deinem Blut hast. Dir welches abzunehmen würde also rein gar nichts bringen.”
“Und was machen wir dann?”
“Ich werde erstmal alle anderen Untersuchungen vornehmen. Wenn wir nichts finden, sollten wir uns übermorgen noch einmal treffen. Aber ich geh jetzt erst einmal duschen. Danach fahren wir zu meiner Mutter und ich untersuche dich. Hoffentlich wissen wir dann mehr.”
Sie waren bis zum späten Nachmittag in dem Krankenhaus, in dem Amys Mutter arbeitete, fanden jedoch nichts. Beide wussten nicht, was sie von der Diagnose “Kerngesund” halten sollten, aber nachdem Amy sogar ihre Mutter zu Rate gezogen hatte, die auch nichts finden konnte, blieb ihnen nur das abgemachte Treffen am Montag Nachmittag.
Vor dem Krankenhaus verabschiedeten sich die Beiden. Die Sonne war gerade dabei, hinter den Hochhäusern der Stadt zu verschwinden. “Ich danke dir, dass du dir die Zeit für mich genommen hast.”
“Keine Ursache. Irgendwie beruhigt es mich, dass du nichts hast.”
“Mich auch, aber lass es trotzdem unser Geheimnis bleiben, ja?”
“Ich stehe unter Schweigepflicht, so lange du nichts hast.”, erwiderte Amy und zwinkerte ihr zu. “Wir sehen uns dann am Montag. Pass auf dich auf.”
“Du auch. Ciao.” Sie umarmten sich kurz, bevor Hotaru sich auf den Weg zur U-Bahnstation machte. Im Zug saß sie still und geistesabwesend da und dachte über Amys Worte nach. Zwar waren einige ihrer Nerven beruhigt, dafür aber noch mehr auf Alarmbereitschaft. Hatten ihre Gegner wirklich versucht, ihren Körper zu zerstören? Während der gesamten Fahrt kam sie auf keine Antwort. Kurz vor ihrer Villa verdrängte sie diese Gedanken. Sie wollte den Anderen keinen Grund zur Beunruhigung geben, jedoch versuchte sie vergeblich eine fröhliche Miene aufzusetzen, bevor sie das Haus betrat. Die Erinnerung an Amys Worte stachen tief in ihre Seele. Zu diesem Zeitpunkt waren es nicht die Gedanken zu ihrem Anfall gewesen, sondern dass Haruka fast ausgerastet wäre. Hotaru verspürte einen leichten Anflug von Angst. Wie sollte sie ihrer Vaterfigur gegenüber treten?
Sie öffnete die Tür nur zögernd. Kurzzeitig spähte sie in das hell erleuchtete Wohnzimmer, wo aber niemand saß. Schnell schloss sie die Tür hinter sich und wollte eigentlich auf Zehenspitzen in ihr Zimmer schleichen, besann sich aber und sagte: “Hallo. Ich bin wieder da. Tut mir leid, dass es so spät geworden ist.”
“Oh, hallo Hotaru. Wie geht’s dir?”, hörte sie Michirus Stimme aus der Küche.
“Ganz gut und euch?”, sie hing ihren Mantel an den Kleiderhaken und zog sich die Schuhe aus.
“Wir sind alle müde.”
“Wurde es gestern spät?”, fragte sie auf dem Weg zur Küche.
“Na ja. Ist ja egal. Hattest du einen schönen Abend?”
“Als wenn ihr das nicht ganz genau wüsstet.”, flüsterte die Schwarzhaarige, sagte dann aber: “Ja, es war in Ordnung.”
“Wo warst du denn noch so lange?”, fragte Michiru und sah ihre Ziehtochter, die sich an den Türrahmen lehnte, lächelnd an.
“Noch in der Stadt.”
“Ganz allein? Rinoa ist doch schon seit dem frühen Nachmittag zu Hause. Wir haben sie zufällig gesehen, als wir vom Einkaufen wiedergekommen sind.”
“Ich wollte ein wenig nachdenken.”
“Worüber denn?”
“Ach, dies und das. Nichts besonderes.”
“Bist du zu irgendwelchen Antworten gekommen?”
“Nein, leider nicht.”, seufzte Hotaru und betrachtete ihr gegenüber. Selbst bei solch natürlichen Tätigkeiten, wie den Geschirrspüler ausräumen, strahlte Michiru eine unglaubliche Schönheit und Ruhe aus.
“Mach dir nichts draus, das wird schon.”, sagte diese glucksend.
“Was meinst du?”
“Du hast dir doch sicherlich Gedanken über Mazaru gemacht, oder?”
“Ähm... Du hast mich erwischt.”, log sie und errötete deswegen leicht und nicht, wie Michiru annahm, wegen ihrer Gefühle.
“Denk, daran, dass du ihn noch nicht lange kennst. Auch bei Haruka und mir ging das nicht innerhalb von zwei Wochen.”
“Wenn du das sagst. Apropos, wo sind Haruka und Setsuna?”
“Setsuna ist in ihrem Zimmer. Keine Ahnung, was mit ihr ist. Seit diesen Angriffen ist sie irgendwie komisch. Und Haruka fährt gerade herum.”
“Das macht sie doch meistens, wenn sie sauer ist, oder nachdenken will.”
“Du kennst sie doch. Haruka hat ein Problem mit Veränderungen, du weißt, wie stur sie ist. Tief in ihrem Inneren, weiß sie auch, dass dieser Junge nichts mit diesen Angriffen zu tun hat.”
“Aber was hat sie denn? Warum will sie mich nicht in seiner Nähe sehen?”
“Hotaru, verstehst du es wirklich nicht? Sie hat dich großgezogen, so gut sie konnte und meistens sieht sie in dir noch das Baby, dass wir damals aufgenommen hatten und keine fast erwachsene Frau, die beginnt ihr eigenes Leben zu leben. Sie ist mit sich uneins.”
“Wie meinst du das?”
Michiru trocknete sich die Hände und dachte lange über ihre Antwort nach. “Versteh doch, dieser Junge hat etwas in dir ausgelöst, was sie am liebsten nie in dir gesehen hätte. Du hast dich verliebt und das bedeutet für sie, dich irgendwann zu verlieren. Während wir drei wahrscheinlich hier zusammen leben werden, bis wir alt und grau sind, wirst du irgendwann dein eigenes Leben in Angriff nehmen. Deine erste Liebe macht ihr das irgendwie bewusst, aber wahrhaben beziehungsweise realisieren will sie es nicht.”
“Meinst du wirklich, dass wir Kriegerinnen noch eine Zukunft haben? Klar, wir werden irgendwann den Feind besiegt haben, aber Usagi wird hoffentlich bald den Thron besteigen. Haben wir dann noch normale Leben?”
Michiru seufzte, ging zu der Schwarzhaarigen herüber und legte ihr beide Hände auf die Schulter. “Hotaru, du weißt, dass unsere Zukunft ungewiss ist. Besonders die von uns beiden und Haruka. Erinnerst du dich an Chibi-Usas Aussagen über die Zukunft?”
“Was meinst du genau?”, fragte sie verunsichert.
“Im Gegensatz zu allen anderen, kennen wir unseren Platz nicht. Usagi und Mamoru auf dem Thron, die vier Kriegrinnen an ihrer Seite. Setsuna wird ihren Platz an der Pforte zu Raum und Zeit einnehmen. Aber erinnerst du dich an ein Wort über uns?”
“Nein.”
“Du weißt, dass wir eines der schwersten Lose tragen. Unsere Aufgabe war und ist es Eindringlinge fernzuhalten, aber dies machten wir im Silberjahrtausend nicht von der Erde aus. Setsuna, Haruka und ich mussten damals mit ansehen, wie Sailor Saturn den Untergang besiegelt hat...” Hotaru fielen die Bilder aus der letzten Nacht wieder ein. Mazaru an ihrer Seite, während sie das Silberreich verdammte. Kurz machte sie den Mund auf, um ihrer Ziehmutter davon zu berichten, brach es aber sofort ab. Sie wollte nicht der Bote noch merkwürdigerer Nachrichten sein, so lange sie keine Ahnung hatte, was es zu bedeuten hatte. “Bisher dachten wir, dass es mit dem Chaos beendet gewesen wäre und das unsere Aufgabe erfüllt wäre, aber du siehst ja, was die Realität ist. Wir sind wieder in einem Kampf auf Leben und Tod und dieses Mal scheinen wir keine Chance zu haben. Aber wenn wir diesen Feind besiegt haben, könnte unsere Aufgabe endgültig erledigt sein.”
“Was wird dann mit uns geschehen?”, fragte sie, ohne sich sicher zu sein, ob sie die Antwort wirklich hören wollte.
“Keine Ahnung. Es kann sein, dass wir aufhören zu existieren, zumindest als Sailor Krieger. Vielleicht gehen wir aber auch zurück zu unseren alten Posten, sobald Usagi Königin ist, oder vielleicht...” Michiru brachte den Satz nicht zu Ende. Mit Tränen in den Augen wandte sie sich von ihrer Tochter ab, die aber genau wusste, was sie sagen wollte.
“Es könnte sein, dass wir diesen Kampf nicht überleben und deswegen nicht in Chibi-Usas Zukunft vorhanden sind.” Eine Kälte zog durch ihren Körper. Ihr Gesichtsausdruck wurde steinhart. Beide waren in eine Art Starre gefallen, die sie einige Sekunden festhielt, bis sich plötzlich Michirus Kommunikator meldete.
“Ja?”
“Ein Angriff auf dem Jubanfriedhof.”, meldete sich Harukas Stimme.
“Wir sind sofort da. Halt durch.” Michiru wischte sich schnell die Tränen aus dem Gesicht und sah Hotaru noch einmal eindringlich an. “Sag ihr bitte nichts davon, ja? Es würde Haruka nur noch mehr fertig machen, wenn sie wüsste, was ich mir für grausame Gedanken mache.”
“Ist gut. Ich werde auch versuchen, nicht mehr daran zu denken.”
“Danke. Setsuna, beeil dich, es gibt einen Angriff.” Michiru eilte aus der Küche und rief noch lange nach ihrer Mitbewohnerin. Hotaru aber blieb regungslos in der Küche stehen. Sie war sich sicher, dass sie Michiru nicht begleiten durfte. “Setsuna, jetzt komm endlich. Ach, verdammt. Hotaru, wo bleibst du denn?”
Verwirrt lehnte sie sich nach vorn und sah die Grünhaarige an. “Ich soll mitkommen?”
“Natürlich. Es wäre Quatsch, wenn du nicht kämpfen solltest, besonders da Setsuna anscheinend ausfällt. Los, verwandle dich und dann teleportieren wir uns zum Friedhof.”
“OK.” Hotaru strahlte. Michiru hatte es geschafft, ihr neues Selbstvertrauen zu geben. Das Gefühl des Unnützseins, dass sie immer wieder beschlich, sobald sie in das Haus trat, verschwand, als sie die Verkleidung Hotaru Tomoe ablegte und die Uniform ihren Körper bedeckte.
Ein paar Sekunden später fanden sich die Beiden auf dem Friedhof wieder, wo direkt neben ihnen ein Grabstein zerbarst, als er von Harukas Energieball getroffen wurde.
“Uranus, alles klar?”, fragte Michiru und stürzte zu ihrer Partnerin.
Hotaru blickte um sich, um den Gegner ausfindig zu machen. Das Monster war ungefähr zwanzig Meter von ihr entfernt und kämpfte gegen einen jungen Mann. “Was sucht er hier?” Sie stürzte zu den Kämpfenden und griff das Monster mit ihrer Sense an, der das Monster mit einem gewaltigem Sprung in die Luft ausweichen konnte.
“Na, Prinzessin? Aufgewacht?”, fragte Mazaru sie, als er sie erkannte.
“Lange nicht gesehen.”
“Wenn du zwei Wochen als lang identifizierst, dann ja.” Er lächelte und sah in ihre Augen. Wieder dachte er daran, dass die Kriegerin vor ihm auch Hotaru sein konnte, aber selbst wenn, es machte ihm irgendwie Spaß eine der Senshies zu triezen. “Hälst du diesmal länger durch?”
“Schaffst du es, deinen Arm diesmal heil zu lassen?”, gab sie gekonnt zurück, wurde aber in diesem Moment von ihm zu Boden gerissen. Sie hatte ihre Deckung außer Acht gelassen und das Monster hätte ihr beinah einen Tritt gegen die Schläfe verpasst, wäre Mazaru nicht geistesgegenwärtig gewesen. Sie schlitterten über den nassen Rasen und er knallte mit der rechten Schulter gegen einen Grabstein.
“Sieht nicht so aus.”, sagte er lächelnd und hielt sie sich.
“Dann bleib hier sitzen.” Ohne zu wissen, was sie tat, drückte sie ihm einen Kuss auf die Wange und startete zu dem Monster. Es war ein Zombie, dem im Mad Madders nicht unähnlich, aber anscheinend in Kraft und Schnelligkeit noch weit überlegen. Wieder verfehlte sie ihn mit der Sense, was er ausnutzte um ihr sein Knie in den Magen zu rammen. Sailor Saturn schnappte nach Luft und fast hätte ein weiterer Schlag sie erwischt, doch Uranus und Neptun stürzten sich gleichzeitig gegen das Vieh und schickten es mit einem doppeltem Kick auf den Boden.
Mazaru beobachtete das Treiben in aller Gelassenheit. Er dachte nicht einmal darüber nach, warum Saturn ihn geküsst hatte, sondern sah sich einfach nur lächelnd den Kampf der Senshies an. Er war sich sicher, dass diese Drei keine Chance gegen das Monster hatten, wenn sie nicht alle Kräfte mobilisieren würden. Auch mit seiner Hilfe würde es kaum ausreichen. Der Schmerz in seiner Schulter wurde langsam stärker, aber er spürte, dass es nur eine Prellung war. Zwar konnte er den Arm an diesem Abend vergessen, jedoch tatenlos zu sehen wollte er auch nicht, wie drei Kriegerinnen vor seiner Nase starben. Uranus wurde mit einem Schlag weggeschleudert, während die Andere versuchte, ihn mit einer Wasserattacke aufzuhalten. Wie schon in dem Club verzerrte sich das Gesicht des Zombies zu einem immer größeren Grinsen, wenn eine unnütze Attacke auf ihn gestartet wurde. Seinen Kopf als Hammer missbrauchend, schlug er gegen Neptuns Stirn, die benommen einsackte und danach wie ein Fußball behandelt wurde. Die gewaltige Kraft des Monsters schleuderte sie durch die Luft, bis sie unsanft von einem steinernen Kreuz abgefangen wurde. Saturn kniete immer noch auf dem Boden und kämpfte um Sauerstoff.
Grinsend stand er auf. “Was soll’s? Wenn ich tot bin, muss ich mir immerhin keine Gedanken mehr über irgendwelche Träume machen.”, flüsterte er vergnügt vor sich hin und schritt langsam auf den Zombie zu, bis er plötzlich an seinem Bein festgehalten wurde.
“Tu das nicht. Du wirst bloß sterben.”, flehte Saturn ihn an und zog sich langsam an ihm hoch. “Bitte, tu das nicht.”, sagte sie noch einmal, als sie aufrecht stand und ihm in die Augen sah.
“Es ist egal, Saturn. Besser ich, als ihr.” Er legte die Hand auf ihre Brosche. “Eure Kristalle müssen hell leuchten. Wenn ich drauf gehe, tut das niemandem weh. Bei euch wäre das schon anders.” Mit aller Kraft drückte er gegen die Brosche und Hotaru somit von sich weg, die wieder zu Boden krachte. Dann rannte er auf das Monster zu.
Blitzschnell wich er einem Faustschlag aus, wirbelte um ihn herum, harkte seinen funktionierenden Arm unter den Linken seines Gegners und schleuderte ihn über seinen Rücken auf den Boden. Sofort sprang er ein paar Meter nach hinten, um Sicherheitsabstand zu schaffen und wartete, bis das Vieh wieder aufgestanden war. Dann setzte er einen Tritt voll gegen das Kinn, der seinen Gegner ein Stück in die Luft hob, wo er mit aller Kraft in der linken Faust in den Magen des Monsters schlug. Für kurze Zeit sah es aus, als hätte er sich einen Vorteil herausgearbeitet, doch der Andere sprang grinsend wieder auf und rannte auf ihn zu, wo Mazaru ihn mit einem Rückwärtssalto erwartete und ihn mit beiden Fußspitzen wieder am Kinn traf.
Das Monster stand wieder auf, griff aber nicht wieder an. Es sah aus, als würde das Monster nachdenken, was es als Nächstes tun sollte. Mazaru grinste, streckte den linken Arm aus und winkte seinen Gegner mit den Worten “Just bring it!” heran. Doch bevor einer der Beiden eine weitere Attacke starten konnte, zischte ein Pfeil aus Feuer an Mazarus Kopf vorbei und durchlöcherte das Monster. Der Schwarzhaarige drehte sich um und erkannte einen Bogen aus Flammen, der das argwöhnische Gesicht Sailor Mars erhellte.
“Geh aus dem Weg!”, schrie sie ihn an, bevor sie den zweiten Pfeil abfeuerte. Mazaru, der gerade noch zur Seite springen konnte, sah nicht, ob sie traf oder nicht, aber ein Schrei des Monsters verriet ihm alles. Plötzlich bemerkte er einen Windzug und er registrierte, dass Sailor Jupiter an ihm vorbei rannte und dem Monster einen Donnerschock aus geringster Entfernung verpasste. Auch Sailor Saturn hatte ihre Kräfte zurück erlangt und griff erneut den Zombie an, diesmal mit mehr Erfolg.
“Wo sind die Uranus und Neptun?”, fragte Sailor Mars Mazaru, die sich mit gespanntem Bogen neben ihm stellte.
“Die müssen hier irgendwo rumliegen.”
“Du verschwindest jetzt auch besser.”
“Ihr könnt meine Hilfe gebrauchen.”, sagte er und schon drang ein Schrei von Jupiter an ihre Ohren. Mit einer Hand hielt der Zombie ihre Kehle fest umschlossen und hob sie in die Luft, mit der Anderen wehrte er die Befreiungsversuche von Hotaru ab. “Siehst du, was ich meine? Lenk ihn ab.”
Sie sah ihn kurz an, bevor sie nickte und er auf das Monster zu rannte. Mars zielte mit ihren Pfeilen auf den Kopf ihres Gegners, der sie aber abfangen konnte. Mazaru nutzte dies aus und trat ihm voll in die Seite. Erst in diesem Moment bemerkte er Saturns Sense, die sich nur wenige Millimeter neben seinem Fuß in den Körper des Monsters gebohrt hatte, das dadurch Sailor Jupiter frei ließ, die sofort von Uranus weggezogen wurde. Diese zog sofort ihr Schwert und rammte es in die andere Seite.
Zeitgleich schnappten sich Uranus und Mazaru jeweils einen Arm. “Saturn, dein Einsatz.”, brüllte die Braunhaarige. Die Angesprochene nickte, zog ihre Sense heraus und rannte vor das Monster. Sie sprang in die Luft, drehte ihre Waffe ein paar Mal mit den Händen und hieb dann mit aller Kraft den Feind entzwei. Blut spritzte Mazaru und Uranus ins Gesicht. Alle anwesende Senshies kamen näher. Mars stützte Neptun, die sich beim Aufprall am Rücken verletzt hatte. Der Körper des Zombies zersetzte sich langsam und der junge Mann warf den Arm, den er immer noch in der Hand hielt mit einem angewiderten Gesicht zu Boden.
“Wo sind Sailor Moon, Venus und Merkur?”, fragte Saturn langsam.
“Keine Ahnung. Wir waren nicht zusammen. Und wo ist Pluto?”, erwiderte Mars. Saturn wollte gerade antworten, doch Uranus schnitt ihr das Wort ab. Sie hatte ihr Schwert aufgehoben und es mit einem Blick des Hasses auf Mazaru gerichtet, während sie sagte: “Seid ruhig!”
“Uranus, was hast du?”, fragte Jupiter, doch die hörte sie nicht. Aggressiv starrte sie Mazaru an, der den Blick mit einem verwirrtem, aber auch belustigtem Ausdruck erwiderte.
“Ich weiß nicht, was passiert ist, aber das Opfer hat sich während eines Gespräches mit diesem Jungen verwandelt. Du sagst mir jetzt sofort, wer du bist und was du in Tokio suchst, oder du lernst mich und mein Schwert kennen.”
“Du weißt doch schon alles über mich, oder? So lange, wie du schon hinter mir her spionierst. Du hast doch bloß auf den Moment gewartet, bis sich wieder ein Monster in meiner Nähe zeigt. Du verfolgst mich schon, seitdem ich meine Wohnung verlassen habe und auch gestern Nacht hast du die ganze Zeit in der Nähe meiner Wohnung herum gelungert. Sag mir, warum ihr so schnell verschwunden ward, so kurz nach Mitternacht?”
“Du hast uns also bemerkt? Noch ein Grund mehr, warum du kein normaler Jugendlicher sein kannst. Also sprich jetzt, oder...”
“Oder was?”, fragte Mazaru höhnisch. Er hatte, was er wollte. Uranus war stocksauer und griff ihn mit dem Schwert an. Mit einem Lächeln, das die größte Ruhe ausstrahlte, wich er all ihren Angriffen aus, ohne aber einen Konter zu setzen. Saturn stürzte sich zwischen die Beiden und fing einen Angriff ihrer Sichel ab.
“Geh mir aus dem Weg!”, brüllte Sailor Uranus erbost.
“Vergiss es. Uranus, du begehst einen Fehler.” Saturn war nicht bestürzt oder ängstlich, feste Entschlossenheit versteinerte ihr Gesicht. Sie war bereit, es gegen ihre Vaterfigur aufzunehmen, wenn diese nicht aufhören sollte. Auf der anderen Seite wussten die anderen Kriegerinnen nicht, was sie tun sollten. Verwirrt starrten sie die Drei an. Jede von ihnen hatte geahnt, dass Haruka so etwas veranstalten würde, bis sie einen kleinen Beweis hatte, jedoch war dieser Beweis größer, als sie erwartet hatten.
“Uranus.”, fing Saturn wieder an. “Warum hätte er dann gegen dieses Monster kämpfen sollen?”
“Er hat uns doch schon die Antwort geliefert. Er wusste doch, dass ich in der Nähe bin. Er treibt sein krankes Spiel mit uns. Und jetzt geh mir aus dem Weg.” Sie stieß ihre Ziehtochter von sich, sprang in die Luft und versuchte so einen Schwerthieb anzubringen. Mazaru wich wieder aus und fing die daraufhin herannahende Faust mit seinem linken Arm ab.
“Bist du echt so stur? Glaubst du wirklich, dass ich um die halbe Welt reise, nur um euch auszulöschen?”
“Unsere Gegner sind schon aus anderen Ecken des Universums gekommen, da ist die halbe Welt kein Problem.” Sie stieß ihr Knie nach oben, um Mazarus Magen zu erwischen, doch der war schneller. Immer noch Uranus Hand festhaltend sprang er in die Luft über seine verwirrte Gegnerin, landete und schleuderte sie über seine Schulter. Mit dem Kopf voran schlitterte sie über den nassen Rassen, bis ein weiterer Grabstein sie abrupt stoppte.
“Donnerschlag, flieg!”
“Neptun, flieg!”
Beide Attacken waren auf ihn gerichtet. Saturn schrie wieder, dass die Kämpfenden aufhören sollten, wurde aber von Sailor Mars aufgehalten, so dass sie nicht ins Geschehen eingreifen konnte. Doch Mazaru brauchte keine Hilfe. Blitzschnell wich er den Spezialangriffen der Senshies aus, ließ es jedoch abermals, eine eigene Attacke zu starten. Selbst Hotaru stutzte und konnte sich nicht erklären, woher Mazaru eine solch übermenschliche Schnelligkeit hatte.
Uranus hatte sich wieder aufgerichtet. Schwer atmend hatte sie den Kopf nach unten gesenkt. Mazaru, der auf dem Boden kniete, nachdem er einem weiteren Donnerschlag ausgewichen war, und auch die anderen Kriegerinnen sahen zu ihr. Hotaru starrte sie an und fragte sich, was die Andere vor hatte. “Wenn du uns nicht bekämpfen willst, was suchst du dann in Tokio?”
“Ich bin bloß ein Austauschschüler. Mehr nicht.”
“Dann beantworte uns, warum du gegen die Monster kämpfst.”, schrie Jupiter.
“Warum denn nicht? Seid ihr neidisch, dass ich ein wenig Ruhm einheimse? Sorry, aber deswegen mach ich es nicht.”
“Warum denn dann?”
“Ich will, übrigens genau wie ihr, die Menschen in dieser Scheißstadt beschützen. Wenn ihr unbedingt wollt, dann verzieh ich mich ab jetzt, sobald ihr auftaucht.”
“Halt die Klappe.”, brüllte Uranus. Sie starrte ihn mittlerweile mit glasigen Augen an. Wieder hatte sie ihr Schwert auf ihn gerichtet. “Verschwinde und komm uns nie wieder unter die Augen, wenn du bloß ein Austauschschüler bist. Falls ich dich noch einmal in der Nähe eines Monsters sehe, werde ich dich töten.”
Mazaru grinste. “Du willst mich töten? Du hast es noch nicht einmal geschafft, mich irgendwie zu treffen.”
Das Feuer in den Augen Uranus wurde neu entfacht. “Willst du es auf drauf anlegen?”
“Och nö.”, sagte er lachend und stand auf. “Heute nicht mehr. Aber es macht Spaß mit dir zu kämpfen, vielleicht ein Andermal. Hab heute keine Lust mehr. Als dann, viel Spaß mit dieser Paranoiden.” Er drehte sich um, wank mit der linken Hand den Senshies zu und ging.
“Verarsch uns nicht!”, brüllte Uranus ihm hinterher. “Ich meine es ernst.”
“Ja, klar. Ich übrigens auch.”, erwiderte er glucksend. Die Kriegerinnen sahen ihm nach. Haruka bebte vor Zorn. Plötzlich rannte sie los, hob ihr Schwert in die Luft und schleuderte ihre tödliche Attacke auf Mazaru.
“Maza, duck dich!”, platzte es aus Hotaru hervor. Der Energiestoß kam ihm immer näher. Kurz bevor sie ihn erreichte, blendete ein gleißend weißes Licht die Kriegerinnen. Nur mit Mühe konnten sie die Augen öffnen, um nachzusehen, ob Uranus Angriff den jungen Mann getroffen hatte. Das weiße Licht ging von ihm aus. Es schien ihnen, als würde er eine blau-schwarze Rüstung tragen. Die Attacke hatte er mit einem langen, sehr edel aussehenden Schwert abgeblockt. Seine Augen funkelten böse, als er über seine Schulter zu Uranus sah. Sowohl die Aura, als auch das Licht, verschwanden, während er sagte: “Jemanden hinterrücks angreifen. Ich dachte die Senshies hätten Ehrgefühl. Na ja, anscheinend irrt sich die Welt auch in diesem Punkt. Adios.” Sofort rannte er los und verschwand im Schutz der Finsternis.
Alle anwesenden Sailor Kriegerinnen sahen ihm verwundert hinterher. “OK.”, fing Jupiter an. “Wenn ich eure Gesichter richtig deute, dann hab ich keine Halluzinationen. Was war das?”
“Keine Ahnung, Jupiter.”, stammelte Sailor Mars. “Uranus, ist mit dir alles in Ordnung?”
Doch Die antwortete nicht. Schwer atmend starrte sie mit aufgerissenen Augen auf die Stelle, wo Mazaru noch kurz vorher stand, sah dabei aber nicht so aus, als hätte sie realisiert, was passiert war. Auch Michiru hatte einen glasigen Blick. Als die Braunhaarige sich wieder fing, blickte schnell sie zu ihrer Lebensgefährtin und nickte ihr zu. Wie von der Tarantel gestochen rannten die Beiden los. Dabei ließen sie sich keineswegs von den verwirrten Rufen ihrer Freunde irritieren. Erst als plötzlich etwas die Luft zerschnitt und nur wenige Millimeter an ihren Ohren vorbei zischte, blieben sie stehen. Vor ihnen steckte auf einmal eine rote Rose im Boden.
“Lasst ihn für heute Abend in Ruhe.”, sagte eine ihnen bekannte männliche Stimme.
“Du kommst spät, Mamoru. Und wo ist Usagi?”, fragte Rey.
“Es geht ihr nicht sehr gut. Sie liegt im Bett und hat Fieber. Uranus, Neptun, ich soll euch von ihr sagen, dass ihr diesen Jungen in Ruhe lassen sollt.”
Hotaru seufzte, als sie diese Worte hörte. Ein riesiger Stein fiel ihr vom Herzen.
“Gut, für heute belassen wir es. Aber dieser Kerl wird nichts Gutes für uns bringen. Wir sollten ihn meiden, wenn wir ihn schon nicht vernichten wollen.”, sagte Uranus.
“Das heißt nicht, dass sich jeder von uns daran halten muss.”, ergänzte Michiru. “Jedem steht frei, in welcher Beziehung er zu Mazaru steht.” Hotaru, Rey und Makoto sahen sie verwirrt an, doch Uranus tobte plötzlich vor Wut.
“Was soll das, Michiru? Fällst du mir jetzt auch in den Rücken?”
“Haruka, nein. Ich meine nur, dass man es erwachsenen Personen nicht verbieten kann, mit wem sie Umgang haben.”
“Wir sind aber noch nicht alle erwachsen.”
“Doch sind wir, Haruka. Auch Hotaru. Sie ist erwachsener, als jede andere 17-Jährige auf diesem Planeten.”
“Erzähl nicht solche Scheiße! Sie ist noch ein Kind.”
“Nein, Haruka. Das ist sie nicht.”, erwiderte Michiru leise, aber eindringlich. “Aber das willst du nicht wahrhaben.”
Sailor Uranus starrte sie stocksauer an, bis sie ihren Blick auf Hotaru fallen ließ. “Da hast du ja, was du wolltest.”, brüllte sie und machte auf dem Absatz kehrt. Niemand hielt sie auf dem Weg in die Dunkelheit auf. Alle Augen waren jetzt auf Michiru gerichtet, die ihrer Freundin unsicher hinterher sah. Hotaru glaubte Tränen auf ihrer Wange zu sehen, doch als die Grünhaarige sich ihr zu wandte, sah sie so stark, schön, entschlossen und anmutig wie immer aus. “Komm Hotaru, wir gehen nach Hause. Sie reagiert sich schon wieder ab.”
“Ja, OK. Bis dann Rey und Mako. Grüß bitte Usagi, ja Mamoru.” Auch Michiru verabschiedete sich schnell, sie verwandelten sich zurück und traten den Heimmarsch an.
Eine Ewigkeit gingen sie stumm durch die Straßen. Hotaru sah immer wieder zu ihrer Ziehmutter auf, die zwar nachdenklich, aber ansonsten wie immer aussah. Hotaru bewunderte ihre innerliche Stärke. Michiru war eine Frau, der man nicht sofort jede Gefühlsregung ansah. Hotaru war sich sicher, dass sie schon in Tränen ausgebrochen wäre, hätte sie an ihrer Stelle diesen Streit mit Haruka gehabt. Genauso sicher war sie sich aber auch, dass die Situation nicht so spurlos an Michiru vorbei ging, wie diese es im Moment verkaufen wollte.
“Michiru, ich wollte nicht, dass ihr euch wegen mir streitet.”, flüsterte die Schwarzhaarige.
“Ich weiß, Liebes. Es ist auch nicht deine Schuld. Bitte, lass uns jetzt nicht mehr darüber reden. Wollen wir nicht lieber noch etwas essen gehen? Du müsstest doch ziemlich hungrig sein.”
“Es geht. Wir können auch zu Hause etwas essen.”
“Um ehrlich zu sein, ich aber nicht.”, sagte sie lächelnd. “Außerdem habe ich nicht die geringste Ahnung, wo wir sind und wie wir nach Hause kommen. Ich war ewig nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.” Verwirrt sah sie sich um und hielt sich dabei ihren lauthals schreienden Bauch.
Hotaru lächelte. “Ist das dein Ernst? Na gut. Worauf hast du Lust?”
“Keine Ahnung, ist mir eigentlich egal.”
“Dann könnten wir einfach eine Nuddelsuppe essen. Hier um die Ecke ist ein toller kleiner Laden.”
“Du kennst dich hier aus?”, fragte Michiru sie verwundert.
“Natürlich. Meine Schule ist nicht weit weg, zwei Kilometer weiter ist das Crown Game Center, wenn man die Abkürzungen kennt und na ja, der Mad Madders war auch nicht weit weg von hier.”
“War das dieser Club?” Hotaru nickte. “Na gut, dann führ mich mal zu diesem tollen kleinen Laden.”
Es dauerte nicht lang, bis sie dort angekommen waren. Michiru sah sich etwas verwundert um, jedoch gefiel ihr die Atmosphäre des Geschäfts sehr. Der Besitzer des Ladens erkannte die große Michiru Kaio sofort und bot ihr an, das Essen nicht bezahlen zu müssen, was sie jedoch ablehnte. Nachdem sich plötzlich alle Anwesenden als große Fans ihrer Stücke zu erkennen gegeben hatten, seufzte sie und erhob die Stimme. “Es freut mich sehr, dass sie alle meine Musik mögen. Jedoch bin ich heute nicht zu einer Autogrammstunde hierher gekommen, sondern weil ich mit meiner Adoptivtochter einen ruhigen Abend verbringen wollte. Sie werden daher entschuldigen, dass ich heute für sie kein offenes Ohr haben werde. Seien sie also bitte nicht böse.”
Enttäuscht aber halbwegs verständnisvoll setzten sich die Gäste wieder und Hotaru konnte die Bewunderung für ihre Ziehmutter kaum verbergen. Es schien ihr egal zu sein, dass sämtliche Boulevardblätter in der nächsten Zeit nur noch über die neu aufgetauchte Adoptivtochter der noch so jungen Michiru Kaio berichten würden. Erst als Michiru sie ansprach, was sie denn gern essen wollte, wurde ihr Verstand zurück gesendet.
Am Tisch sagte die Schwarzhaarige: “Wahnsinn, wie du deine Fans im Griff hast.”
“Das ist doch kein Problem. Aber hör mal, Hotaru: Ich möchte mich bei dir entschuldigen, nicht nur in meinem, sondern auch in Harukas und Setsunas Namen.”
“Aber... wofür denn?”, fragte sie verwundert.
“Dafür, dass wir uns in den letzten fünf Jahren kaum um dich gekümmert haben. Ich habe heute bemerkt, dass wir kein bisschen Teil an deinem Leben haben.”
“Das stimmt doch gar nicht. Wir... wir sehen uns doch jeden Tag und... und...”
“Das ist nicht die ganze Wahrheit, oder? Normalerweise sehen wir uns eigentlich wochenlang nicht. Haruka und ich sind immer zusammen, entweder in meinem Namen oder in ihrem. Setsuna kümmert sich mehr um ihre Forschungen als um dich.” Sie seufzt. “Ich bin richtig froh, dass du in den letzten Jahren ein normales Leben führen konntest und Freunde gefunden hast. Rinoa, Totoru und Mirouke... ja, auch Mazaru muss man danken, dass sie dich wie ein normales Mädchen behandeln.”
“Ihr habt mir das doch auch geschenkt.”
“Aber nicht so. Gerade kommt es mir so vor, als wenn wir unsere Pflichten als Adoptiveltern mit der Vernichtung des Chaos abgelegt hätten.”
“Das stimmt doch gar nicht.”, sagte Hotaru verlegen.
“Schön, dass du es so siehst.” Es folgte eine lange Pause. Hotaru wurde von einem unbehaglichem Gefühl beherrscht und aus irgendwelchen Gründen hatte sie Angst, dass der Streit mit Haruka Michiru doch zu sehr mitgenommen hatte. Jedoch besann die Grünhaarige sich. “Wenn wir diese Monster besiegt haben, werden wir mehr Zeit mit einander verbringen. Versprochen!”
Hotaru lächelte kurz auf und sah dann in Richtung Tresen. Ihr brannte eine Frage auf den Lippen, jedoch traute sie sich nicht, Michiru darauf anzusprechen. Es würde noch einmal die Geschehnisse des Abends aufwühlen, wozu sie sich nicht in der Lage fühlte. Jedoch nahm Michiru ihr diese Bürde ab. “Nein.”
“Wie bitte?”
“Nein, ich glaube auch jetzt nicht, dass Mazaru schuldig ist.”
“Aber warum wollten Haruka und du ihm unbedingt nachrennen? Ich verstehe es nicht.”
“Zerbreche dir nicht den Kopf. Ja, ich hatte mich kurz von Haruka mitreißen lassen, aber das heißt nicht, dass ich ihn verfolgen werde. Tu mir aber bitte einen Gefallen.”
“Das wäre? Soll ich ihn weiter beschatten?”
“Ganz genau. Weniger weil er schuldig sein könnte, sondern um auf ihn aufzupassen. Er ist so schon ein außergewöhnlicher Junge, aber stell dir vor, er wird zum Opfer. Wahrscheinlich könnte nicht einmal Usagi ihn schlagen.” Hotaru starrte in das Gesicht ihres Gegenübers. Sie konnte erkennen, dass Michiru nach den richtigen Worten suchte, um ihr etwas zu erklären. Nach einem Seufzer sagte die Grünhaarige: “Außerdem habe ich keine Ahnung, was Haruka vor hat.”
“Das ist nicht dein Ernst.”, platzte es lauthals aus ihr heraus. “Sie wird doch nicht...”
“Hotaru! Beruhige dich! Ich hatte dir doch schon gesagt, dass ich keine Ahnung über all ihrer Aktivitäten habe. Sie hat mir ja auch verschwiegen, dass sie ihn den heute ganzen Tag beschattet.”
“Du meinst also, im Notfall muss ich ihn vor Haruka beschützen?”, fragte sie vorsichtig, nicht wissend, was sie hören wollte. In ihrer Brust wurde eine gewaltige Schlacht entfacht. Ihre Gefühle zu Haruka und ihren Pflichten als Sailor Saturn zogen aus zu einem gewalttätigem und blutigem Krieg gegen diese herrlichen Empfindungen der Zuneigung für Mazaru.
“Es ist nicht schwer. Immerhin hattest du es schon einmal geschafft.”
“Na ja, dass war eher Zufall. Es kam einfach aus dem Bauch heraus.”
“Vielleicht sollten wir alle öfter auf unseren Bauch und unser Herz hören, als auf den Verstand.” Michiru lächelte sie an. “Aber genug jetzt. Wir sind spät dran. Ich denke zwar nicht, dass Haruka schon zu Hause ist, aber ich mache mir Sorgen um Setsuna.”
“Was ist eigentlich mit ihr?”
“Das ist eines der Rätsel, dass wir in der nächsten Zeit lösen müssen. Meiner Meinung nach ist es auf keinen Fall etwas Gutes.”