Rela1309
Miss bloody Sunday
Hallo und Herzlich Willkommen,
ich bin ein wenig eingerostet, also verzeiht mir das dauernde quietschen und die Störungen im Verlauf. Vielleicht könnt ihr das ja ölen und reparieren?
Ich denke mal, ihr werdet Spaß daran haben, die alte Maschine wieder zum Laufen zu bringen, also tobt euch aus!
Genre: Abenteuer, Drama
------------------------------------------------
Kapitel 1
Ein kleiner Sonnenstrahl fiel durch das Fenster, in ihm tanzten die Schatten der Blätter, die vom Wind bewegt wurden, nur um weiter unten einem Mädchen auf einer leicht braunen Couch Licht zum lesen zu geben und zu nehmen. Das Rascheln der Blätter wurde von dem Fenster geschluckt, so hörte man nur das Atmen und gelegentliche Umblättern der Seiten.
Die Wände waren hoch und die Fenster erstreckten sich fast über die komplette Höhe. Es versprach lange hell zu bleiben.
Das Mädchen nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. „Ordne deine Sterne neu, ordne deine Sterne neu“, flüsterte sie, als sie das Buch weglegte. Sie hatte es ausgelesen, wollte aber noch den einen Moment genießen und blieb ein wenig sitzen. Tief einatmend fragte sie sich, wann ihre Familie so reich geworden war.
Durch eine dunkle massive Holztür verließ sie den Raum, das Buch unter den Arm geklemmt und die Tasse, die sie noch eben leerte, in der Hand.
Gleich würde einer ihrer Lehrer, Privatlehrer, eintrudeln. Sport, wohl eher Kampfkunst. Wenn ihr Vater eines sagte, dann war das so viel wie: „Reiche müssen sich auf alles gefasst machen und jede Art der Verteidigung kennen. Jammern ist nur etwas für Schwächlinge.“ Doch auch sie schätzte den Sport, wenn sie dadurch einer Stunde Geometrie entziehen konnte.
Eine Steintreppe mit einem Geländer aus Teakholz führte an einem kupfernen Leuchter, der sieben Kerzen hatte, vorbei in ein Zimmer, in dem sich Regal neben Regal gesellte, gefüllt mit Büchern unterschiedlicher Größe und Dicke. Dort verfrachtete sie das Buch irgendwohin und verschwand wieder, die nächste Herausforderung wartete bereits.
Gegen Abend stand sie vor dem riesigen Flachbildfernseher, der bald durch einen noch größeren ersetzt werden sollte und legte eine DVD ein, drückte zufrieden ein paar Knöpfe und kuschelte sich mit ein paar Decken auf das große Sofa, dieses Mal eine Tasse Tee in der Hand.
„In einer Welt der Zerstörung ist sie eine Gejagte, doch sie kann nicht fliehen, sie muss kämpfen, um ihre wahre Bestimmung zu finden“, zitierte sie das Intro ihrer Lieblingsserie. Als sie bemerkte, das der tatsächliche Wortlaut von ihrem Zitat abwich, murmelte sie: „Oder so, irgendwann werd' ich's mir merken. Sterbe ich nicht von.“ Danach genoss sie die Lichtshow vor ihren Augen, stellte zwischendurch eine leere Tasse auf den Glastisch vor sich und kuschelte sich noch weiter in die Decken rein.
Sehr viel später knarzte eine Tür leise und jemand trat ein, registrierte die bewegten Bilder, ging aber vorher zum Sekretär und stellte dort alles ab, was er bei sich trug. Leise schlich er zu seiner Tochter hinüber, seufzte und nahm die Fernbedienung vom Tisch, und wisperte über das Kind: „Du bist schon wieder eingeschlafen. Na dann, schlaf gut.“
Die Bilder erloschen und auch der feine Herr verließ den Raum, nachdem er seine Tochter zugedeckt hatte.
Als ihre Augen scharf stellten, merkte sie, dass ihr jemand mit einer Hand vor dem Gesicht wedelte. Sie erkannte die schwarze Lederjacke, die ihrem Freund gehörte.
„Äh, wie bitte, was hast du gesagt?“
„Welches Eis möchtest du haben?“, antwortete er und lächelte. Ein wenig verlegen bestellte sie dann, „Äh, Bananasplit, bitte. Entschuldige“
„Alles okay?“
„Ja, ich habe gerade nur der Zeiten gedacht, als meine Familie noch eine Familie war.“
Sie nippte an ihrem Kaffee und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Doch es verschwand so schnell, wie es gekommen war.
„Autsch, der Zahn der Zeit nagt auch an allem. Warum versuchst du dich nicht auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren?“, setzte er ermunternd an, doch aus ihrem Blick las er, dass er einen sehr unbedachten Kommentar von sich gegeben hatte. Ihn ihren Augen spiegelten sich Trauer und Schmerz wieder, die sie nicht zeigen wollte und er wünschte sich ihr helfen zu können und strich ihre reumütig eine der tiefschwarzen Strähnen aus dem Gesicht, früher waren diese mal kastanienbraun gewesen.
„Nuri, wenn du die Vergangenheit nicht ändern kannst, dann ändere deine Zukunft. Ich werde bei dir bleiben, das ist mein Versprechen!“
Sie sah ihn mit schrägem Blick und großen Augen an und schüttelte den Kopf.
Jetzt war sie an der Reihe ihm tief in die Augen zu schauen, aber ihr Blick war eher skeptischer Natur.
„Ich weiß, dass ich dir vertrauen kann, aber seine Sterne neu zu ordnen und einen neuen Pfad zu beschreiten, ist meist schwerer als gedacht.“
„Das ist es mir wert. Nein“, seine Stimme wurde weicher, trug aber immer noch dieselbe Entschlossenheit, „das bist DU mir wert.“
Das Eis begann in der Sonne zu schmelzen und schließlich erwähnte Nuri schmunzelnd: „Ganz nebenbei, wir sollten unser Eis essen.“
„Aber mit Vergnügen, Mylady.“
Vor einem großen Mehrfamilienhaus hielt ein schwarzes Motorrad und eine der beiden in Leder gekleideten Gestalten stieg ab. Sie nahm ihren Helm ab und jedes Haar schien einzeln zu einer absoluten Unordnung herunter zu fallen.
Jetzt stellte er den Motor ab und und streifte seinen Helm vom Kopf.
„Ito, ich danke dir für diesen Nachmittag“, flüsterte die schwarzhaarige ihm ins Ohr, betrachtete sein schmales Gesicht und die dunklen Haare, die im Licht der Laterne glänzten, den Bartansatz und die verträumten Augen.
Urplötzlich griff sie nach seinem Nacken und zog so sein Gesicht näher an sich heran und küsste ihn, fühlte seine Wärme und wünschte sich der Augenblick würde nie vergehen.
Für einen Moment ließ sie ihre Stirn an seiner ruhen, bis sie sich seufzend, mit traurigen Augen verabschiedete und schließlich auf das Haus zu steuerte. Bevor sie den Eingang erreichte, drehte sie sich wieder um und rief mit einem breiten Lachen: „Erzähl das bloß nicht Ray!“
Ito gab daraufhin nur lächelnd seine Zustimmung und als sie die Tür passiert hatte, startete er den Motor erneut und fuhr in die dunkle Nacht.
Das beruhigende Dröhnen des Motors verstummte, als Ito vor einer schwach beleuchteten, aber gut besuchten Bar stoppte. Er würde eine lange Nacht vor sich haben.
Laute Musik tönte bis zu seinen Ohren, sogar durch seinen Helm und er fragte sich, ob er tatsächlich keine andere Wahl habe. Nach einer Weile beschloss er, seine Zweifel zu verdrängen und die Bar zu betreten.
Mit sichtlich genervter Miene kämpfte er sich durch die Menge, bis er an einer Treppe angelangt war, die in den Keller führte. Feuchtigkeit empfing ihn, ebenso wie erbrochenes und er bemühte sich mit den Schuhen nur auf scheinbar saubere Stellen zu treten.
Es war jedes Mal ein Ärgernis diesen Weg zu gehen, selbst wenn er, wie dieses Mal, nicht mit Alkohol übergossen wurde, so klebte dennoch binnen kurzem der feinste Gestank verschiedenster Zigaretten und Zigarillos an seiner Kleidung. Eine Note, die Nuri auf den Tod nicht ausstehen konnte.
Er fluchte leise, denn jetzt durfte er sich ein neues Outfit kaufen, damit dieses ausdünsten konnte. In seinen Gedanken malte er sich sein nächstes Date mit seiner Freundin aus, wie sie ihn dann fragen würde, warum er schon wieder neue Klamotten tragen würde. Er wollte ihr gefallen, aber er konnte ihr nicht alles sagen.
An der letzten Türe des Ganges angelangt hielt er noch kurz inne. Das schwache Licht suggerierte einem, das die Lampe nicht richtig funktionierte, doch es war wahrscheinlicher, dass sie so verdreckt war, dass sich selbst das hellste Funkeln nicht behaupten konnte.
Schließlich öffnete er sie und trat in das kleine Zimmer, in dem schon mehrere Personen warteten.
Einer schnürte sich gerade seine Stiefel neu, wobei ein Messer darunter verschwand. Ein anderer, mit sehr kurzem, blonden Haar, stützte sich auf eine Stuhllehne und tat so, als würde er den Neuankömmling nicht beachten. Im Hintergrund steckte sich einer eine Zigarette an, während die Tür quietschend ins Schloss fiel.
„Du hast echt Nerven wieder verspätet aufzukreuzen“, blaffte der am Stuhl.
Eine Rauchwolke qualmte durch den Raum und verpestete die Luft.
„Mensch, Johnny, du sollst hier drinnen nicht rauchen“, krächzte der, der eben seine Ausrüstung verstaut hatte und stakste zu dem Typen herüber, um ihm die Zigarette abzunehmen.
Ganz genüsslich paffte dieser eine weitere Wolke in den Raum und setzte dem anderen seinen schweren Stiefel auf die Brust, bevor der zu Nahe kommen konnte. Er betrachtete den schmächtigen Mann, von dem er wusste, dass er Messer liebte, und bließ ihm eine weitere Wolke ins Gesicht. „Kleine Fische, wie du, sollten die großen in Ruhe lassen, sonst werden sie gefressen. Richtig, Ito?“, herrschte er den anderen an und Ito nickte beiläufig.
Wütend erhob der schmächtige seine Hand, bereit den Raucher zu verdreschen, wurde aber von einem dürren, festen Handgriff zurück gehalten.
Eine Frauenstimme ertönte leicht gereizt: „ Spar' dir das für später, ihr alle habt heute Nacht Arbeit zu erledigen.“
Ein Drucker surrte aus einer Ecke heraus und die Frau erhob sich von ihrem Bürostuhl und drückte den Ausdruck Ito in die Hand. Sie fuhr ihm zärtlich über das Gesicht und spielte sichtlich mit ihren Reizen und flötete ihm zu: „Das ist deiner, mein großer Hai.“
Als sie sich abwandte, verfinsterten sich ihre Gesichtszüge sichtlich, während Ito noch leicht benommen auf die von Lack umhüllten Kurven jenes Weibes starrte, so dass er nicht bemerkte, wie sie sich blitzschnell umdrehte. Einen Schatten nahm er noch wahr, aber da hatte sie auch schon ihr Knie in seiner Magengrube versenkt. „Das ist, weil du zu spät warst. Erneut“, erwähnte sie trocken, packte ihn an den Haaren und keifte: „Jetzt geh, und sei demnächst pünktlich.“
Angewidert wischte sich der Junge den vermeintlichen Speichel mit seinem Ärmel aus dem Gesicht, sagte aber nichts und wandte sich zum gehen. „Hey, Mann, du hast dir deine Feinde auch schon mal besser ausgesucht“, tönte es als Abschied von irgendeinem aus dem Raum, doch Ito war schon halb auf den Treppen, so dass er nicht mehr viel davon hörte. Draußen atmete er nochmal tief durch, bevor er sich an die Arbeit machte, um seine Wut zu kontrollieren. In dem Club aus zu rasten war für ihn fast gleichbedeutend mit dem Verlust von allem, was ihm lieb und teuer war. Einschließlich seines Lebens.
ich bin ein wenig eingerostet, also verzeiht mir das dauernde quietschen und die Störungen im Verlauf. Vielleicht könnt ihr das ja ölen und reparieren?
Ich denke mal, ihr werdet Spaß daran haben, die alte Maschine wieder zum Laufen zu bringen, also tobt euch aus!
Genre: Abenteuer, Drama
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Kapitel 1
Ein kleiner Sonnenstrahl fiel durch das Fenster, in ihm tanzten die Schatten der Blätter, die vom Wind bewegt wurden, nur um weiter unten einem Mädchen auf einer leicht braunen Couch Licht zum lesen zu geben und zu nehmen. Das Rascheln der Blätter wurde von dem Fenster geschluckt, so hörte man nur das Atmen und gelegentliche Umblättern der Seiten.
Die Wände waren hoch und die Fenster erstreckten sich fast über die komplette Höhe. Es versprach lange hell zu bleiben.
Das Mädchen nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. „Ordne deine Sterne neu, ordne deine Sterne neu“, flüsterte sie, als sie das Buch weglegte. Sie hatte es ausgelesen, wollte aber noch den einen Moment genießen und blieb ein wenig sitzen. Tief einatmend fragte sie sich, wann ihre Familie so reich geworden war.
Durch eine dunkle massive Holztür verließ sie den Raum, das Buch unter den Arm geklemmt und die Tasse, die sie noch eben leerte, in der Hand.
Gleich würde einer ihrer Lehrer, Privatlehrer, eintrudeln. Sport, wohl eher Kampfkunst. Wenn ihr Vater eines sagte, dann war das so viel wie: „Reiche müssen sich auf alles gefasst machen und jede Art der Verteidigung kennen. Jammern ist nur etwas für Schwächlinge.“ Doch auch sie schätzte den Sport, wenn sie dadurch einer Stunde Geometrie entziehen konnte.
Eine Steintreppe mit einem Geländer aus Teakholz führte an einem kupfernen Leuchter, der sieben Kerzen hatte, vorbei in ein Zimmer, in dem sich Regal neben Regal gesellte, gefüllt mit Büchern unterschiedlicher Größe und Dicke. Dort verfrachtete sie das Buch irgendwohin und verschwand wieder, die nächste Herausforderung wartete bereits.
Gegen Abend stand sie vor dem riesigen Flachbildfernseher, der bald durch einen noch größeren ersetzt werden sollte und legte eine DVD ein, drückte zufrieden ein paar Knöpfe und kuschelte sich mit ein paar Decken auf das große Sofa, dieses Mal eine Tasse Tee in der Hand.
„In einer Welt der Zerstörung ist sie eine Gejagte, doch sie kann nicht fliehen, sie muss kämpfen, um ihre wahre Bestimmung zu finden“, zitierte sie das Intro ihrer Lieblingsserie. Als sie bemerkte, das der tatsächliche Wortlaut von ihrem Zitat abwich, murmelte sie: „Oder so, irgendwann werd' ich's mir merken. Sterbe ich nicht von.“ Danach genoss sie die Lichtshow vor ihren Augen, stellte zwischendurch eine leere Tasse auf den Glastisch vor sich und kuschelte sich noch weiter in die Decken rein.
Sehr viel später knarzte eine Tür leise und jemand trat ein, registrierte die bewegten Bilder, ging aber vorher zum Sekretär und stellte dort alles ab, was er bei sich trug. Leise schlich er zu seiner Tochter hinüber, seufzte und nahm die Fernbedienung vom Tisch, und wisperte über das Kind: „Du bist schon wieder eingeschlafen. Na dann, schlaf gut.“
Die Bilder erloschen und auch der feine Herr verließ den Raum, nachdem er seine Tochter zugedeckt hatte.
Als ihre Augen scharf stellten, merkte sie, dass ihr jemand mit einer Hand vor dem Gesicht wedelte. Sie erkannte die schwarze Lederjacke, die ihrem Freund gehörte.
„Äh, wie bitte, was hast du gesagt?“
„Welches Eis möchtest du haben?“, antwortete er und lächelte. Ein wenig verlegen bestellte sie dann, „Äh, Bananasplit, bitte. Entschuldige“
„Alles okay?“
„Ja, ich habe gerade nur der Zeiten gedacht, als meine Familie noch eine Familie war.“
Sie nippte an ihrem Kaffee und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Doch es verschwand so schnell, wie es gekommen war.
„Autsch, der Zahn der Zeit nagt auch an allem. Warum versuchst du dich nicht auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren?“, setzte er ermunternd an, doch aus ihrem Blick las er, dass er einen sehr unbedachten Kommentar von sich gegeben hatte. Ihn ihren Augen spiegelten sich Trauer und Schmerz wieder, die sie nicht zeigen wollte und er wünschte sich ihr helfen zu können und strich ihre reumütig eine der tiefschwarzen Strähnen aus dem Gesicht, früher waren diese mal kastanienbraun gewesen.
„Nuri, wenn du die Vergangenheit nicht ändern kannst, dann ändere deine Zukunft. Ich werde bei dir bleiben, das ist mein Versprechen!“
Sie sah ihn mit schrägem Blick und großen Augen an und schüttelte den Kopf.
Jetzt war sie an der Reihe ihm tief in die Augen zu schauen, aber ihr Blick war eher skeptischer Natur.
„Ich weiß, dass ich dir vertrauen kann, aber seine Sterne neu zu ordnen und einen neuen Pfad zu beschreiten, ist meist schwerer als gedacht.“
„Das ist es mir wert. Nein“, seine Stimme wurde weicher, trug aber immer noch dieselbe Entschlossenheit, „das bist DU mir wert.“
Das Eis begann in der Sonne zu schmelzen und schließlich erwähnte Nuri schmunzelnd: „Ganz nebenbei, wir sollten unser Eis essen.“
„Aber mit Vergnügen, Mylady.“
Vor einem großen Mehrfamilienhaus hielt ein schwarzes Motorrad und eine der beiden in Leder gekleideten Gestalten stieg ab. Sie nahm ihren Helm ab und jedes Haar schien einzeln zu einer absoluten Unordnung herunter zu fallen.
Jetzt stellte er den Motor ab und und streifte seinen Helm vom Kopf.
„Ito, ich danke dir für diesen Nachmittag“, flüsterte die schwarzhaarige ihm ins Ohr, betrachtete sein schmales Gesicht und die dunklen Haare, die im Licht der Laterne glänzten, den Bartansatz und die verträumten Augen.
Urplötzlich griff sie nach seinem Nacken und zog so sein Gesicht näher an sich heran und küsste ihn, fühlte seine Wärme und wünschte sich der Augenblick würde nie vergehen.
Für einen Moment ließ sie ihre Stirn an seiner ruhen, bis sie sich seufzend, mit traurigen Augen verabschiedete und schließlich auf das Haus zu steuerte. Bevor sie den Eingang erreichte, drehte sie sich wieder um und rief mit einem breiten Lachen: „Erzähl das bloß nicht Ray!“
Ito gab daraufhin nur lächelnd seine Zustimmung und als sie die Tür passiert hatte, startete er den Motor erneut und fuhr in die dunkle Nacht.
Das beruhigende Dröhnen des Motors verstummte, als Ito vor einer schwach beleuchteten, aber gut besuchten Bar stoppte. Er würde eine lange Nacht vor sich haben.
Laute Musik tönte bis zu seinen Ohren, sogar durch seinen Helm und er fragte sich, ob er tatsächlich keine andere Wahl habe. Nach einer Weile beschloss er, seine Zweifel zu verdrängen und die Bar zu betreten.
Mit sichtlich genervter Miene kämpfte er sich durch die Menge, bis er an einer Treppe angelangt war, die in den Keller führte. Feuchtigkeit empfing ihn, ebenso wie erbrochenes und er bemühte sich mit den Schuhen nur auf scheinbar saubere Stellen zu treten.
Es war jedes Mal ein Ärgernis diesen Weg zu gehen, selbst wenn er, wie dieses Mal, nicht mit Alkohol übergossen wurde, so klebte dennoch binnen kurzem der feinste Gestank verschiedenster Zigaretten und Zigarillos an seiner Kleidung. Eine Note, die Nuri auf den Tod nicht ausstehen konnte.
Er fluchte leise, denn jetzt durfte er sich ein neues Outfit kaufen, damit dieses ausdünsten konnte. In seinen Gedanken malte er sich sein nächstes Date mit seiner Freundin aus, wie sie ihn dann fragen würde, warum er schon wieder neue Klamotten tragen würde. Er wollte ihr gefallen, aber er konnte ihr nicht alles sagen.
An der letzten Türe des Ganges angelangt hielt er noch kurz inne. Das schwache Licht suggerierte einem, das die Lampe nicht richtig funktionierte, doch es war wahrscheinlicher, dass sie so verdreckt war, dass sich selbst das hellste Funkeln nicht behaupten konnte.
Schließlich öffnete er sie und trat in das kleine Zimmer, in dem schon mehrere Personen warteten.
Einer schnürte sich gerade seine Stiefel neu, wobei ein Messer darunter verschwand. Ein anderer, mit sehr kurzem, blonden Haar, stützte sich auf eine Stuhllehne und tat so, als würde er den Neuankömmling nicht beachten. Im Hintergrund steckte sich einer eine Zigarette an, während die Tür quietschend ins Schloss fiel.
„Du hast echt Nerven wieder verspätet aufzukreuzen“, blaffte der am Stuhl.
Eine Rauchwolke qualmte durch den Raum und verpestete die Luft.
„Mensch, Johnny, du sollst hier drinnen nicht rauchen“, krächzte der, der eben seine Ausrüstung verstaut hatte und stakste zu dem Typen herüber, um ihm die Zigarette abzunehmen.
Ganz genüsslich paffte dieser eine weitere Wolke in den Raum und setzte dem anderen seinen schweren Stiefel auf die Brust, bevor der zu Nahe kommen konnte. Er betrachtete den schmächtigen Mann, von dem er wusste, dass er Messer liebte, und bließ ihm eine weitere Wolke ins Gesicht. „Kleine Fische, wie du, sollten die großen in Ruhe lassen, sonst werden sie gefressen. Richtig, Ito?“, herrschte er den anderen an und Ito nickte beiläufig.
Wütend erhob der schmächtige seine Hand, bereit den Raucher zu verdreschen, wurde aber von einem dürren, festen Handgriff zurück gehalten.
Eine Frauenstimme ertönte leicht gereizt: „ Spar' dir das für später, ihr alle habt heute Nacht Arbeit zu erledigen.“
Ein Drucker surrte aus einer Ecke heraus und die Frau erhob sich von ihrem Bürostuhl und drückte den Ausdruck Ito in die Hand. Sie fuhr ihm zärtlich über das Gesicht und spielte sichtlich mit ihren Reizen und flötete ihm zu: „Das ist deiner, mein großer Hai.“
Als sie sich abwandte, verfinsterten sich ihre Gesichtszüge sichtlich, während Ito noch leicht benommen auf die von Lack umhüllten Kurven jenes Weibes starrte, so dass er nicht bemerkte, wie sie sich blitzschnell umdrehte. Einen Schatten nahm er noch wahr, aber da hatte sie auch schon ihr Knie in seiner Magengrube versenkt. „Das ist, weil du zu spät warst. Erneut“, erwähnte sie trocken, packte ihn an den Haaren und keifte: „Jetzt geh, und sei demnächst pünktlich.“
Angewidert wischte sich der Junge den vermeintlichen Speichel mit seinem Ärmel aus dem Gesicht, sagte aber nichts und wandte sich zum gehen. „Hey, Mann, du hast dir deine Feinde auch schon mal besser ausgesucht“, tönte es als Abschied von irgendeinem aus dem Raum, doch Ito war schon halb auf den Treppen, so dass er nicht mehr viel davon hörte. Draußen atmete er nochmal tief durch, bevor er sich an die Arbeit machte, um seine Wut zu kontrollieren. In dem Club aus zu rasten war für ihn fast gleichbedeutend mit dem Verlust von allem, was ihm lieb und teuer war. Einschließlich seines Lebens.