The betrayal

Dieses Thema im Forum "Fanfictions" wurde erstellt von Rela1309, 2. Dezember 2017.

  1. Rela1309

    Rela1309 Miss bloody Sunday

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    Hallo und Herzlich Willkommen,

    ich bin ein wenig eingerostet, also verzeiht mir das dauernde quietschen und die Störungen im Verlauf. Vielleicht könnt ihr das ja ölen und reparieren?

    Ich denke mal, ihr werdet Spaß daran haben, die alte Maschine wieder zum Laufen zu bringen, also tobt euch aus!

    Genre: Abenteuer, Drama
    ------------------------------------------------

    Kapitel 1


    Ein kleiner Sonnenstrahl fiel durch das Fenster, in ihm tanzten die Schatten der Blätter, die vom Wind bewegt wurden, nur um weiter unten einem Mädchen auf einer leicht braunen Couch Licht zum lesen zu geben und zu nehmen. Das Rascheln der Blätter wurde von dem Fenster geschluckt, so hörte man nur das Atmen und gelegentliche Umblättern der Seiten.

    Die Wände waren hoch und die Fenster erstreckten sich fast über die komplette Höhe. Es versprach lange hell zu bleiben.

    Das Mädchen nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. „Ordne deine Sterne neu, ordne deine Sterne neu“, flüsterte sie, als sie das Buch weglegte. Sie hatte es ausgelesen, wollte aber noch den einen Moment genießen und blieb ein wenig sitzen. Tief einatmend fragte sie sich, wann ihre Familie so reich geworden war.

    Durch eine dunkle massive Holztür verließ sie den Raum, das Buch unter den Arm geklemmt und die Tasse, die sie noch eben leerte, in der Hand.

    Gleich würde einer ihrer Lehrer, Privatlehrer, eintrudeln. Sport, wohl eher Kampfkunst. Wenn ihr Vater eines sagte, dann war das so viel wie: „Reiche müssen sich auf alles gefasst machen und jede Art der Verteidigung kennen. Jammern ist nur etwas für Schwächlinge.“ Doch auch sie schätzte den Sport, wenn sie dadurch einer Stunde Geometrie entziehen konnte.

    Eine Steintreppe mit einem Geländer aus Teakholz führte an einem kupfernen Leuchter, der sieben Kerzen hatte, vorbei in ein Zimmer, in dem sich Regal neben Regal gesellte, gefüllt mit Büchern unterschiedlicher Größe und Dicke. Dort verfrachtete sie das Buch irgendwohin und verschwand wieder, die nächste Herausforderung wartete bereits.


    Gegen Abend stand sie vor dem riesigen Flachbildfernseher, der bald durch einen noch größeren ersetzt werden sollte und legte eine DVD ein, drückte zufrieden ein paar Knöpfe und kuschelte sich mit ein paar Decken auf das große Sofa, dieses Mal eine Tasse Tee in der Hand.

    In einer Welt der Zerstörung ist sie eine Gejagte, doch sie kann nicht fliehen, sie muss kämpfen, um ihre wahre Bestimmung zu finden“, zitierte sie das Intro ihrer Lieblingsserie. Als sie bemerkte, das der tatsächliche Wortlaut von ihrem Zitat abwich, murmelte sie: „Oder so, irgendwann werd' ich's mir merken. Sterbe ich nicht von.“ Danach genoss sie die Lichtshow vor ihren Augen, stellte zwischendurch eine leere Tasse auf den Glastisch vor sich und kuschelte sich noch weiter in die Decken rein.

    Sehr viel später knarzte eine Tür leise und jemand trat ein, registrierte die bewegten Bilder, ging aber vorher zum Sekretär und stellte dort alles ab, was er bei sich trug. Leise schlich er zu seiner Tochter hinüber, seufzte und nahm die Fernbedienung vom Tisch, und wisperte über das Kind: „Du bist schon wieder eingeschlafen. Na dann, schlaf gut.“

    Die Bilder erloschen und auch der feine Herr verließ den Raum, nachdem er seine Tochter zugedeckt hatte.


    Als ihre Augen scharf stellten, merkte sie, dass ihr jemand mit einer Hand vor dem Gesicht wedelte. Sie erkannte die schwarze Lederjacke, die ihrem Freund gehörte.

    „Äh, wie bitte, was hast du gesagt?“

    „Welches Eis möchtest du haben?“, antwortete er und lächelte. Ein wenig verlegen bestellte sie dann, „Äh, Bananasplit, bitte. Entschuldige“

    „Alles okay?“

    „Ja, ich habe gerade nur der Zeiten gedacht, als meine Familie noch eine Familie war.“

    Sie nippte an ihrem Kaffee und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Doch es verschwand so schnell, wie es gekommen war.

    „Autsch, der Zahn der Zeit nagt auch an allem. Warum versuchst du dich nicht auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren?“, setzte er ermunternd an, doch aus ihrem Blick las er, dass er einen sehr unbedachten Kommentar von sich gegeben hatte. Ihn ihren Augen spiegelten sich Trauer und Schmerz wieder, die sie nicht zeigen wollte und er wünschte sich ihr helfen zu können und strich ihre reumütig eine der tiefschwarzen Strähnen aus dem Gesicht, früher waren diese mal kastanienbraun gewesen.

    „Nuri, wenn du die Vergangenheit nicht ändern kannst, dann ändere deine Zukunft. Ich werde bei dir bleiben, das ist mein Versprechen!“

    Sie sah ihn mit schrägem Blick und großen Augen an und schüttelte den Kopf.

    Jetzt war sie an der Reihe ihm tief in die Augen zu schauen, aber ihr Blick war eher skeptischer Natur.

    „Ich weiß, dass ich dir vertrauen kann, aber seine Sterne neu zu ordnen und einen neuen Pfad zu beschreiten, ist meist schwerer als gedacht.“

    „Das ist es mir wert. Nein“, seine Stimme wurde weicher, trug aber immer noch dieselbe Entschlossenheit, „das bist DU mir wert.“

    Das Eis begann in der Sonne zu schmelzen und schließlich erwähnte Nuri schmunzelnd: „Ganz nebenbei, wir sollten unser Eis essen.“

    „Aber mit Vergnügen, Mylady.“


    Vor einem großen Mehrfamilienhaus hielt ein schwarzes Motorrad und eine der beiden in Leder gekleideten Gestalten stieg ab. Sie nahm ihren Helm ab und jedes Haar schien einzeln zu einer absoluten Unordnung herunter zu fallen.

    Jetzt stellte er den Motor ab und und streifte seinen Helm vom Kopf.

    „Ito, ich danke dir für diesen Nachmittag“, flüsterte die schwarzhaarige ihm ins Ohr, betrachtete sein schmales Gesicht und die dunklen Haare, die im Licht der Laterne glänzten, den Bartansatz und die verträumten Augen.

    Urplötzlich griff sie nach seinem Nacken und zog so sein Gesicht näher an sich heran und küsste ihn, fühlte seine Wärme und wünschte sich der Augenblick würde nie vergehen.

    Für einen Moment ließ sie ihre Stirn an seiner ruhen, bis sie sich seufzend, mit traurigen Augen verabschiedete und schließlich auf das Haus zu steuerte. Bevor sie den Eingang erreichte, drehte sie sich wieder um und rief mit einem breiten Lachen: „Erzähl das bloß nicht Ray!“

    Ito gab daraufhin nur lächelnd seine Zustimmung und als sie die Tür passiert hatte, startete er den Motor erneut und fuhr in die dunkle Nacht.


    Das beruhigende Dröhnen des Motors verstummte, als Ito vor einer schwach beleuchteten, aber gut besuchten Bar stoppte. Er würde eine lange Nacht vor sich haben.

    Laute Musik tönte bis zu seinen Ohren, sogar durch seinen Helm und er fragte sich, ob er tatsächlich keine andere Wahl habe. Nach einer Weile beschloss er, seine Zweifel zu verdrängen und die Bar zu betreten.

    Mit sichtlich genervter Miene kämpfte er sich durch die Menge, bis er an einer Treppe angelangt war, die in den Keller führte. Feuchtigkeit empfing ihn, ebenso wie erbrochenes und er bemühte sich mit den Schuhen nur auf scheinbar saubere Stellen zu treten.

    Es war jedes Mal ein Ärgernis diesen Weg zu gehen, selbst wenn er, wie dieses Mal, nicht mit Alkohol übergossen wurde, so klebte dennoch binnen kurzem der feinste Gestank verschiedenster Zigaretten und Zigarillos an seiner Kleidung. Eine Note, die Nuri auf den Tod nicht ausstehen konnte.

    Er fluchte leise, denn jetzt durfte er sich ein neues Outfit kaufen, damit dieses ausdünsten konnte. In seinen Gedanken malte er sich sein nächstes Date mit seiner Freundin aus, wie sie ihn dann fragen würde, warum er schon wieder neue Klamotten tragen würde. Er wollte ihr gefallen, aber er konnte ihr nicht alles sagen.

    An der letzten Türe des Ganges angelangt hielt er noch kurz inne. Das schwache Licht suggerierte einem, das die Lampe nicht richtig funktionierte, doch es war wahrscheinlicher, dass sie so verdreckt war, dass sich selbst das hellste Funkeln nicht behaupten konnte.

    Schließlich öffnete er sie und trat in das kleine Zimmer, in dem schon mehrere Personen warteten.

    Einer schnürte sich gerade seine Stiefel neu, wobei ein Messer darunter verschwand. Ein anderer, mit sehr kurzem, blonden Haar, stützte sich auf eine Stuhllehne und tat so, als würde er den Neuankömmling nicht beachten. Im Hintergrund steckte sich einer eine Zigarette an, während die Tür quietschend ins Schloss fiel.

    „Du hast echt Nerven wieder verspätet aufzukreuzen“, blaffte der am Stuhl.

    Eine Rauchwolke qualmte durch den Raum und verpestete die Luft.

    „Mensch, Johnny, du sollst hier drinnen nicht rauchen“, krächzte der, der eben seine Ausrüstung verstaut hatte und stakste zu dem Typen herüber, um ihm die Zigarette abzunehmen.

    Ganz genüsslich paffte dieser eine weitere Wolke in den Raum und setzte dem anderen seinen schweren Stiefel auf die Brust, bevor der zu Nahe kommen konnte. Er betrachtete den schmächtigen Mann, von dem er wusste, dass er Messer liebte, und bließ ihm eine weitere Wolke ins Gesicht. „Kleine Fische, wie du, sollten die großen in Ruhe lassen, sonst werden sie gefressen. Richtig, Ito?“, herrschte er den anderen an und Ito nickte beiläufig.

    Wütend erhob der schmächtige seine Hand, bereit den Raucher zu verdreschen, wurde aber von einem dürren, festen Handgriff zurück gehalten.

    Eine Frauenstimme ertönte leicht gereizt: „ Spar' dir das für später, ihr alle habt heute Nacht Arbeit zu erledigen.“

    Ein Drucker surrte aus einer Ecke heraus und die Frau erhob sich von ihrem Bürostuhl und drückte den Ausdruck Ito in die Hand. Sie fuhr ihm zärtlich über das Gesicht und spielte sichtlich mit ihren Reizen und flötete ihm zu: „Das ist deiner, mein großer Hai.“

    Als sie sich abwandte, verfinsterten sich ihre Gesichtszüge sichtlich, während Ito noch leicht benommen auf die von Lack umhüllten Kurven jenes Weibes starrte, so dass er nicht bemerkte, wie sie sich blitzschnell umdrehte. Einen Schatten nahm er noch wahr, aber da hatte sie auch schon ihr Knie in seiner Magengrube versenkt. „Das ist, weil du zu spät warst. Erneut“, erwähnte sie trocken, packte ihn an den Haaren und keifte: „Jetzt geh, und sei demnächst pünktlich.“

    Angewidert wischte sich der Junge den vermeintlichen Speichel mit seinem Ärmel aus dem Gesicht, sagte aber nichts und wandte sich zum gehen. „Hey, Mann, du hast dir deine Feinde auch schon mal besser ausgesucht“, tönte es als Abschied von irgendeinem aus dem Raum, doch Ito war schon halb auf den Treppen, so dass er nicht mehr viel davon hörte. Draußen atmete er nochmal tief durch, bevor er sich an die Arbeit machte, um seine Wut zu kontrollieren. In dem Club aus zu rasten war für ihn fast gleichbedeutend mit dem Verlust von allem, was ihm lieb und teuer war. Einschließlich seines Lebens.
     
  2. Dragonballdreamer

    Dragonballdreamer Lost Shadow

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    Hm. Also mit kommt das SEEEEHR bekannt vor. Kann es sein, dass ich da mal vom ersten Kapite oder so beta gelesen habe?^^

    Aber, fangen wir beim Anfang an:
    Hallo x3
    WIe ich sehe, machen wir nu zu dritt FF's? :)

    Einleitung: wunderschön. Zum einen die Stimmung, zum anderen bringst du genau das rüber, was du denke ich damit bezwecken wolltest: Ruhe, Reichtum, Frieden, eine Art neugierige unzufriedenheit(?)

    Wäre bei mir ja sowas von andersherum xD

    Date:
    Den Satz würd ich in zwei aufteilen. Er ist doch einen Tick zu lang. Ich würde zB vorschlagen:
    In ihren Augen spiegelten sich Trauer und Schmerz wieder, die sie nicht zeigen wollte.
    Er wünschte sich ihr helfen zu können und strich ihre reumütig eine der tiefschwarzen Strähnen aus dem Gesicht, früher waren diese mal kastanienbraun gewesen.
    Grün wäre dann was sie fühlt und was sie nicht zeigen will. (Trauer, Verschlossenheit)
    Blau war er will, was er fühlt und was er zeigt. (Reue, Zuneigung)


    Nach dem Date:
    Hm.. also auf der einen Seite, ist es irgendwie klar, dass eine "starke Frau" wie sie Nori darstellt, auch einen "krassen Kerl" bekommt.
    Aber. Wie soll ich sagen? Ihr fällt es ja ganz offenbar schwer, sich ehrlich mitzuteilen. Und wenn ich raten müsste, weil sie sich dann verletzlich fühlt. Wäre jedenfalls normal.
    Wenn er Geheimnisse mit solchem Gewicht hat, bestätigt er sie ja aber doch nur darin, dass sie niemandem trauen sollte.
    Doofkopf.
    *ito hau*

    Ich glaub weiter hab ich die Story noch nie lesen dürfen..^^ Bin entsprechend neugierig, was du in deinem Köpfchen alles geplant hast.
    greez Dreamy
     
  3. Rela1309

    Rela1309 Miss bloody Sunday

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    Herzlich Willkommen zurück, werter Leser!

    Hier ist der nächste Teil, aber erstmal Danke für den Kommentar!

    Dreamy! Du schaffst es sogar hier Buchstaben verschwinden zu lassen:

    Ja, das erste Kapitel hattest du vor geraumer Zeit gelesen. Das habe ich fast gänzlich unverändert gelassen. Aber den Rest hast du nicht mehr gelesen. Es ist zwar noch nicht sonderlich viel dazu gekommen, aber das kann sich ja ändern. In dem Sinne werde ich dann auch weit unregelmäßiger Posten, als ihr beide. Und ich freue mich über jede Rückmeldung.

    Den Vorschlag zu dem monsterlangen Satz sollte ich beherzigen.

    Du machst Nuri jetzt aber nicht zu Noriblättern? Ich warne dich! Auch wenn ich die für Ito brauche, ich mein, es ist Ito! Du kennst Version A.

    Nach diesem Vorgeplänkel, viel Spaß beim Lesen!

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    Chapter 2 – A Path to take


    Finster starrte er in die Nacht, man hatte ihm wieder einen Kurierauftrag gegeben. Immer die kleinen Sachen. Für ihn war es vollkommen unnötig durch den überfüllten Pub in einen stinkenden kleinen Raum zu gehen, um als Belohnung die niedrigst mögliche Arbeit zu erhalten. Auch wenn die Bezahlung gut war, so hatte er dennoch nichts, um sagen zu können: „Schaut her, darauf bin ich stolz.“ Er war nur ein kleiner Mann am Ende der Nahrungskette.


    Gedankenverloren hatte er den Zettel verbrannt und sich seine Ladung geholt. Auf der Treppe wäre er fast gestolpert, weil seine Konzentration mehr bei Nuri hing, als irgendwo sonst. Sie war sein letzten Refugium, alles, was ihm sagte, wofür es sich zu leben lohnte. Sie war diejenige, die er aufmuntern konnte, die er in den Arm nahm, um sie zu trösten, damit sie ihn dann anlächeln würde, um ihm Danke zu sagen.


    Ein Seufzer, dann steckte er sich eine Plakette an, die ihn als Kurierdienstfahrer auswies und startete seine Maschine. Schwer war der Auftrag nicht, vorausgesetzt man wusste, wie man nachts auf den Straßen Spaß finden konnte, und Pakete auslieferte. Langsam startete er seine Maschine wieder, und ließ sich vom Dröhnen der Motoren durch die Straßen tragen.


    Nach ein paar Gassen sah er in der Ferne auffällig viel Beleuchtung, auch Musik drang , durch den Helm gedämpft, an seine Ohren. Überall blitze es, und ganz andere Motoren dröhnten. Einige sexy Ladies liefen über die Straße, ein Trott sabbernder Männer sah Ihnen hinterher. Ito musste kurz innehalten. Jetzt hier zu bleiben, war schon etwas riskant. Er wusste, was in dem Päckchen war, dass er mit sich schleppte. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, es wäre besser das Zeug los zu werden und suchte sich einen Weg um die Menschenmasse herum, doch auf einmal schienen diese überall zu sein und keiner kümmerte sich darum, dass er mit seinem Motorrad fahren wollte.


    „Netter Ausweis“, bemerkte einer aus der Menge. Erst jetzt bemerkte der Junge, dass er in Gedanken vor einem grünen Mazda mit heißer Sonderlackierung zum Stehen gekommen war. Davor thronte ein blonder Typ, lässig gekleidet, als wäre er der Boss der Veranstaltung.

    „Schicker Wagen“, grinste Ito zurück, gedeckt durch seinen Helm. Er öffnete das Visier und meinte noch lässig, „aber nichts im Vergleich zu meiner Kawasaki.“ Mehr und mehr Augen richteten sich auf die beiden Jungs, die sich da zu übertrumpfen versuchten.


    „Kannst du mit dem Biest nur Päckchen ausliefern? Dann ist es eine große Verschwendung“, meinte der Blonde spöttisch.


    „Und du hast mehr Worte im Maul, als Sprit im Tank. Dein Wagen fährt nicht lange“, gab Ito lästernd zurück, zog sein Visier herunter und gab fordernd Gas, um sich den Weg frei zu räumen. Aber keiner reagierte.


    „Jungs, ein Motorrad kann man nicht mit einem erstklassigen Auto vergleichen. Butch, lass den Hänfling stehen. Es gibt weit bessere Konkurrenten“, schaltete sich eine der vielen aufreizend gekleideten Gören ein.


    „Bevor die Nacht vorbei ist, wirst du vor mir knien und um Gnade winseln“, lachte der Blonde und blickte Ito herausfordernd an.


    „Wir werden sehen“, meinte dieser zurück und ließ seine Maschine aufheulen.


    Menschen bewegten sich auseinander, als die beiden Kontrahenten sich an eine imaginäre Startlinie bewegten. Laute Musik drang von überall her, Motoren dröhnten, während ein Mädel sich Ihres Shirts entledigte und auf die Startlinie ging.


    „No Rules“, schrie sie und lies ihr Shirt fallen. Es hatte gerade den Boden berührt, da machte sich eine Staubwolke breit und die Fahrzeuge verschwanden in der Ferne. Hastig bewegten sich alle zu ihren Fahrzeugen und brüllten in die Handys.


    Im Schatten sah sich eine kleine Gestalt das Treiben an. An eine Wand gelehnt murmelte sie: „Also du bist das“, und verschwand geschwind in der Nacht.


    Die Geschwindigkeit war das einzige, was ihn beruhigte. Jedoch war es für Ito erschütternd sie so zu nutzen. Als Zeitvertreib für eine Herausforderung. Schilder verschwammen neben ihm, ebenso wie das Licht der Straßenlampen. Sein Gegner fuhr fast direkt neben ihm. Dieser war nicht so wendig, hatte aber die größere Maschine.


    Es gab eine Möglichkeit sich aus der Affäre zu ziehen, wenn der Junge bereit war die Konsequenzen zu tragen. Andererseits wer wollte schon verlieren? Er beschleunigte. Das, was er vorhatte würde enormes Können verlangen. Es wären Bruchteile von Sekunden vor dem Ziel.


    Ein Licht kam auf die beiden zu. Schüsse waren zu hören und eine Scheibe splitterte. Aber es war nicht das Motorrad. Es war auf den Mazda gerichtet. Dieser schlitterte schon weg von der Fahrbahn und blitzschnell bemühte sich Ito auszuweichen und in die nächste Nebengasse zu verschwinden. Aus einem Augenwinkel meinte er silbernes Haar wahrzunehmen, das sich stark von dem schwarz gekleideten Fahrer abhob, es konnte aber genauso gut das Licht der Straßenlaternen gewesen sein. Es war keine Zeit zu überlegen, schließlich konnte er jetzt seinen Auftrag wieder aufnehmen.


    Nach einigen Kilometern kam er an einem Fabrikgebäude an, wo er kurz anhielt. Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr und erschrak kurz. Die Zeit war ihm davongelaufen und er könnte die Lieferung nicht mehr zustellen. Er war schon wieder zu spät und würde das Päckchen nicht zustellen können. Ein tiefer Atemzug verriet seinen eigenen Ärger darüber, was passiert war. Grimmig sah er sich um, dann nahm er das Paket und warf es mit Schwung in das Gebäude. Dann fuhr er in die Dunkelheit und sah nicht zurück.



    Im schwach beleuchteten Aufzug checkte Nuri nochmal ihre Nachrichten. Keiner hatte geschrieben. Nichtmal Ray. Dabei war er derjenige, der sich um alles Sorgen machte. Sie trat aus der Kabine heraus und schaltete im Flur Licht an. Es war eng, jeder Gang etwas breiter als einen Meter, Wände zu beiden Seiten. Kein Geländer oder offene Gänge, bei denen man in die darüber oder darunter liegenden Etagen blicken konnte. Alles war abgeschottet voneinander. Kein Mensch war zu sehen oder zu hören.


    „Wenigstens etwas“, dachte sie und schritt auf ihre Tür zu, hinter welcher sie ihr Bruder erwarten würde. Sie öffnete und trat ein. Der Flur war dunkel und auch hier schaltete sie das Licht ein, während sie die Tür hinter sich schloss. Es war leise und spätestens jetzt wäre sie empfangen worden. Stutzig schlich sie in die Küche. Niemand. Dann ins Wohnzimmer. Auch keiner. Vor dem Zimmer ihres Bruders hielt sie kurz. Sie lauschte. Nichts. Nach kurzem Klopfen trat sie ein. Die Schreibtischlampe glühte. Langsam schritt sie näher.


    „Bist du noch wach“, sagte sie in den Raum und erwartete eine Antwort. Aber es kam nichts. Am Schreibtisch wollte sie zuerst die Lampe löschen, aber dann sah sie in den Bürostuhl. Durch die große Rückenlehne hatte sie es nicht wahrgenommen, dass ihr Bruder da drin saß. Peinlich berührt sah sie ihn an, und er starrte zurück. Aber er bewegte keinen Muskel. Als sie zurückwich, rührte sich auch nichts. Kein Schelten, kein Zurückhalten, keine Reaktion.


    „Ich bin wieder zuhause“, sprudelte es aus ihr heraus. Noch immer folgte keine Reaktion. Verwundert stieß sie ihn an. Er würde doch nicht etwa mit offenen Augen schlafen? Leere. Seine Augen starrten durch sie hindurch, folgten ihr nicht. Sie stieß ihn erneut an. Der Körper fiel schlaff in sich zusammen. Erstaunlich kalt war er. Ein Blick auf die Heizung sagte ihr, dass hier etwas nicht stimmte. Diese war warm.


    Sie griff nach dem Handgelenk. Kein Puls. Mit einem kurzen Schrei sprang sie erschrocken auf und knallte dabei gegen eine Wand. Die Welt drehte sich und Tränen fingen an über das Gesicht zu rollen, bis sie wie Bäche nicht mehr aufzuhalten waren. Sie heulte und schluchzte, bis sie sich selbst nicht mehr hörte. Erschöpft sackte sie auf der Stelle zusammen und rauschte in einen unruhigen Schlaf.
     
  4. Son-Goku_GIGA-SSJ!!!

    Son-Goku_GIGA-SSJ!!! I'm a saiyan from Earth!!

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    Hallo liebe Rela,

    verzeih, dass ich mir nicht eher deine FF durchgelesen habe und verzeih, dass ich hier nicht ganz so viel beisteuern kann. Ich bin ein Mensch, der zwar bei vertrauter Umgebung viel versteht (z.B. Dragon Ball), aber bei eigenen Geschichten, steh ich leider oft auf dem Schlauch/brauche deutlich länger, um das alles zu verstehen. Aber ich gebe mein Bestes :)
    Find ich gut :p

    Den Anfang von Kapitel 1 fand ich klasse. Der Kontrast zwischen vergangenem Frieden und jetziger Unruh+Schmerz find ich wirklich super von dir getroffen. Auch die Beschreibung der Atmosphäre liegt dir wirklich sehr gut.

    Kapitel 2 macht da auch definitiv Lust auf mehr.
    Ich persönlich habe zwar etwas Probleme mit dem Szenarienwechsel am Ende, aber das liegt sehr wahrscheinlich nur an mir und meiner Unfähigkeit mit noch unbekannten Charakteren.
    Aufgefallen ist mir aber das hier:
    Dreamy sammelt Buchstaben und du hast anscheinend jede Menge Wörter doppelt :p Erinnert mich an die guten alten Zeiten auf dem Pausenhof, wo man noch Dragon Ball Z Sticker getauscht hat.

    Das Ende kam auf jeden Fall sehr unerwartet und wirft ziemlich viele Fragen bei mir auf. Ohne diese zu nennen hoffe ich, dass sie mit dem nächsten Kapitel beantwortet werden :) Dein Schreibstil gefällt mir auf jeden Fall sehr gut und ich werde ungeduldig warten.

    LG, Son-Goku!
     
  5. Dragonballdreamer

    Dragonballdreamer Lost Shadow

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    Auch hier lasse ich mich freilich wieder blicken :)
    Hallo? Ich muss meinem Motto doch treu bleiben? ;)

    Dann weiß du ja, wo du eigentlich sein solltest du Dödel. Ich mein du bist nur weg, um dann deinen Auftrag doch zu versemmeln. Da hättest du auch bei ihr sein können^^ Und die hätte dich echt gebraucht heute!

    Auf der einen Seite, ich finds gut wie zügig du das Rennen beschreibst, weil die ja bekanntlich auch schnell sind.
    Auf der anderen Seite: 3 Sätze für einen Mord/Autounfall/keine Ahnung und das ohne wirkliche Infos.
    Auf der einen Seite ist das Paket so wichtig, dass es Ito nicht mal schert wenn jemand verletzt wird. er hat dann keine Zeit mal eben zu gucken.
    Auf der anderen Seite ist es ihm so unwichtig, dass er zwischendurch Rennen fährt und dadurch seinen Auftrag versaut.
    Männer. Muss man nicht verstehen xD

    Das kam jetz aber doch recht plötzlich für mich. Vielleicht hat der Absatz einfach gefehlt? Aber da war grad nen Spannungspunkt und dann... sie schläft.
    Man hat durch das zügige hintereinander (grade weil das bei dem rennen auch so fix ging) auch nicht das Gefühl dass viel zeit zwischen finden der Leiche und einschlafen vergeht.
    Und warum ruft sie nicht die Polizei? Oder sonst wen? Ist sie so dermaßen verkrampft dabei sich keinem anzuvertrauen, dass sie nicht mal von der Polizei Hilfe möchte?
    Der Gedanke, dass die Mörder noch im Haus sind war auch nicht da? Ich hätte meeeeeeeega Schiss.
    Aber.. arme Nuri :( *feste drück*
     
  6. Rela1309

    Rela1309 Miss bloody Sunday

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    Hallo an alle!
    Etwas verspätet, aber ich hatte auch nicht vor regelmäßig zu posten. Also spielt Zeit keine Rolle.

    Vielen Dank für die Kommis!
    @Son-Goku_GIGA-SSJ!!!
    Tatsache, danke für den Hinweis!
    Ich denke, wenn die Personen unbekannt und Umgebung neu ist, kann das vorkommen. Ich vermute mal, du wirst mir den Punkt mehr als einmal auftischen.

    @Dragonballdreamer
    Das nennt man Job, ich denke, da kann man nicht so einfach fehlen, auch wenn man gebraucht wird, oder?
    Vor allem, wenn er sie gerade nach Hause gebracht hat. Ich würde ihn hier eher als einen verliebten Gockel sehen^^"

    Tatsache, muss man nicht verstehen. Sieh es so: Sein Weg führt direkt durch diese Menschenansammlung und er findet keinen anderen Weg. Bevor er sich versieht wird er angequatscht und im Stolz verletzt und da die Menge kein Platz macht, lässt er sich darauf ein und hofft einfach alles zu schaffen.

    Im Grunde hast du recht. Wäre da nicht die Erschöpfung, die ich nicht gut rüber gebracht hatte. Okay, nein, ich geb zu, den Teil muss ich nochmal überarbeiten. Nach einem Date mit meinem Freund und allem wäre ich definitiv aufgekratzter, aber Nuri?
    Nur dann das zu erleben, da würde erstmal eine Welt zusammenbrechen. Danke für den Hinweis!

    Und jetzt,
    Viel Spaß beim Lesen!
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    Kapitel 3 - Necessary



    Schreiend wachte sie auf. Ihr Blick fiel auf die Leiche ihres Bruders. Ein weiterer Schrei entwich ihr. Hatte sie wirklich die ganze Nacht in einem Raum mit einem Toten verbracht? Sie stieß den Stuhl an, aber keine Reaktion folgte. Angewidert drehte sie sich weg. Urplötzlich griff sie nach einem rumliegenden Gegenstand und warf ihn Ray an den Kopf. „Jetzt wach doch endlich auf und tu nicht so“, schrie sie. Aber nichts rührte sich.


    In dem Moment fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Schnell schnappte sie sich ihr Handy und rief einen Krankenwagen. Nachdem alle nötigen Daten durchgegeben waren, sah sie auf die Uhr und stoppte die Zeit. Dabei zweifelte sie an einem rechtzeitigen eintreffen. Sie hatte ja auch nicht rechtzeitig reagiert. Aber sie meinte Hoffnung zu sehen. Schließlich passierte es bei Shakespeare ja auch, dass Menschen, obwohl vergiftet, wieder lebten. Oder vielleicht hatte sie sich auch geirrt.


    Die Rettungshelfer trafen ein und untersuchten den Körper. Sie schüttelten den Kopf und nahmen Ray mit. Auf einer Trage verfrachteten sie Ihn in den Rettungswagen, auf den Nuri noch schnell aufsprang, jedoch nur um zu sagen, dass sie den Bericht der Obduktion lesen wolle und für die Beule an der Stirn verantwortlich sei, da sie zuerst nicht wahrhaben wollte, was Tatsache war. Die Helfer versicherten ihr dies zu berücksichtigen, aber auch, dass die Polizei eingeschaltet werden würde, da es sich um Mord handeln könnte. Sie solle sich daher nicht von dem Ort entfernen und nichts mehr anfassen, bis die Kripo alles aufgenommen hätte.


    Verstummt blieb Nuri zurück. Der Notarzt packte neben ihr seine Sachen zusammen. Gerade hatte er mit der örtlichen Polizeistation telefoniert. Auch er konnte nicht gehen, denn er musste einen Bericht zum Tatort abliefern. Nuri sah ihn stumm an. Ihr Magen knurrte. Sie schüttelte den Kopf und ging in die Küche, um sich Frühstück zu machen. „Was tun sie da?“, klang hinter ihr eine Stimme.


    „Ich mache mir Frühstück, warum?“, antwortete Nuri und drehte sich dem Sprecher zu. Eine Frau, klein, kurze Haare, um die 30 mochte sie sein.


    „Sie verunreinigen den Tatort. Ich nehme an, sie sind Fräulein Nuri?“, sagte diese Person.


    „Ja, die bin ich. Nuri reicht völlig.“


    „Mein Beileid. Bitte verstehen sie dies nicht falsch. Wir müssen alles gründlich untersuchen, um sie von der Liste der Verdächtigen ausschließen zu können. Der Notarzt hat berichtet, dass sie eine mutwillige Verletzung dem Toten zugefügt haben? Daher würde ich, sofern sie nicht auch der Täter sind, ungern Ihre Fingerabdrücke auf einer möglichen Tatwaffe sehen.“


    Nuri lachte. „Das ist meine Wohnung, da werden sie nur meine und Rays Abdrücke finden. Ich habe nichtmals Spuren eines Einbruchs entdeckt, als ich gestern abend nach Hause kam. Das heißt, wenn der Täter ordentlich vorgegangen ist, wird sich alles nur auf mich zurück führen lassen, richtig?“


    „Jeder Verbrecher macht Fehler, auch wenn er noch so sauber arbeitet. Darf ich sie zu dem Verhältnis zu dem Toten fragen?“


    „Er ist mein Bruder. Er hat mich aufgenommen, nachdem sich unsere Eltern getrennt hatten. Ray hat viel gearbeitet“, sie seufzte, „aber er war wie ein großer Bruder immer für mich da.“


    „Haben sie Geschwister oder hatte ihr Bruder irgendwelche Freunde, mit denen er kürzlich Streit hatte?“


    „Ja, da ist noch eine Schwester. Mein Bruder hatte nur seine Arbeitskollegen, sonst kannten wir nicht viele hier.“


    „Dann gehen Sie am besten zu ihrer Schwester. Bitte teilen Sie uns aber unbedingt Ihren Aufenthaltsort mit, sollten wir noch einige Fragen an sie haben.“

    „Das werde ich Miss...? Darf ich mal Ihren Ausweis sehen?“


    „Oh, bitte entschuldigen Sie. Kommissarin Cramer. Kripo Darkon.“ Sie zeigte den Ausweis, den sich Nuri sofort schnappte, bevor die Kommissarin reagieren konnte.


    „Frau Cramer, mein Name ist nicht Miss Nuri. Ich bin Rose Hurd, aber bekannt als Nuri“ , meinte das Mädel und gab den Ausweis zurück, mit ihrem eigenen, um ihre Identität zu beweisen.


    „Nun denn Miss Hurd, wo werden Sie bleiben?“


    „Es bringt Unglück bei einer Schwester zu bleiben, die man nicht leiden kann. Ich denke, ich werde bei Freunden unter kommen. Hier, dann haben Sie meine Handynummer. Falls Sie Fragen haben, können Sie mich jederzeit erreichen.“ Sie überreichte eine Visitenkarte und nahm Ihren Personalausweis wieder entgegen. „Sagen Sie, wann kann ich wieder hierhin zurück und alles wieder in Ordnung bringen?“


    „Ich denke, nach der Obduktion sollten wir auch hier alle Untersuchungen abgeschlossen haben. Bis dahin bitten wir Sie, diesen Ort nicht zu betreten.“


    „Danke. Kann ich dann gehen, oder gibt es noch weitere Fragen?“


    „Im Moment nicht. Aber halten Sie sich verfügbar.“


    „Das werde ich“, rief Nuri im Gehen, aber war schon weit abseits mit Ihren Gedanken. Wenn es eine natürliche Todesursache wäre, so wäre sie glücklich, dann wäre der Verlust verkraftbar, aber wenn nicht, dann, so schwörte sie, würde sie den Mörder finden und ihn dafür verantwortlich machen.




    Vom Vortag hatte sie noch alle Sachen zusammengepackt. Sie stank ein wenig. Mit rasenden Gedanken, stürmte jetzt alles auf sie ein, was bis dahin ausgeblendet war. Wohin würde sie gehen, was würde sie ohne Job, ohne ihren Bruder machen? Gäbe es jetzt noch eine Möglichkeit für sie?

    Da fiel ihr Ito ein. Sie könnte bei ihm übernachten. Oder sie würde sich in einer Herberge einquartieren. Die Obduktion würde ja nicht so lange laufen, wie ihr Leben. Er wohnte als Untermieter in einem größeren Haus, aber dort war auch genug Platz, sie für ein oder zwei Nächte aufzunehmen.


    Als sie klingelte, erschien die Hausherrin. Ein mürrischer Blick fiel auf sie und musterte sie von oben bis unten. Überrascht wollte Nuri zu einer Begrüßung ansetzen, als die alte Dame plötzlich zeternd anfing: „Du bist doch die Freundin von unserem Untermieter. Was fällt dir ein, hier so früh morgens aufzutauchen? Hast du nichts besseres zu tun? Und übrigens dein ach so toller Typ ist diese Nacht nicht hier gewesen. Mal sehen, in welcher Gosse du ihn findest!!“


    Erschrocken entschuldigte sich das Mädchen für die Störung und verabschiedete sich sofort. Während sie fortging wurde sie noch von einer Reihe von Schimpfwörtern seitens der aufgebrachten, wütenden Frau überschüttet.


    Verwirrt schaute Nuri drein, als sie um die nächste Ecke bog und sich somit der Reichweite der Vermieterin entzog. Bisher hatte sie keinen Streit mit ihr gehabt. Besser gesagt, bisher hatte sie sie nicht gekannt. Verwundert, dass sie bekannt war, setzte sie sich in Bewegung. Sie lief durch einen Park in die nächste Bäckerei. Es war höchste Zeit, dass sie ihr Frühstück bekam. Auch wenn es diesmal nur ein Brötchen wäre.


    Mit der Ware in der Hand setzte sie sich auf eine Parkbank. Einen Kaffee hatte sie sich gleich mit bestellt. An diesem Tag schien die Sonne, dies war selten für Darkon. Auf der anderen Inselseite, in Solow scheinte die Sonne weit öfters. Dort hatte die Straße auch einen gewissen Glanz. Hier war es eher grau und trüb. Aus Gewohnheit zückte sie ihr Handy und schaute drauf. Der Timer lief noch immer. Sie hatte etwas vergessen.


    Wie lange hatte es bis zum Eintreffen des Krankenwagens gedauert? Sie überlegte und knabberte ihr Brötchen. Aber was interessierte das eine Leiche? Da waren selbst 5 Minuten irrelevant. Tot war tot.


    Nachdenklich starrte sie durch die Gegend. Menschen liefen geschäftig an ihr vorbei und niemand schien einander wahrzunehmen. Dumpf klang ein Kläffen von irgendwoher. Es hörte nicht auf und ruckartig wandte Nuri den Kopf. Eine halbe Portion von Hund stand vor ihr. Als sie ihn anblickte verstummte er kurz, um kurz darauf erneut zu kläffen.


    „Verschwinde!“, fauchte sie und stand auf, wobei sie dadurch fast einen älteren Herrn anrempelte. „Entschuldigung“, murmelte sie daraufhin.


    „Na das klingt aber sehr gedrückt.“


    „Kein Wunder bei allem was passiert, nicht?“


    „Auch wenn du am Boden bist, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Vergessen Sie das nicht, junge Dame“, verabschiedete sich der Mann und gebot seinem Hündchen mitzukommen.


    „Es gibt kein Licht in Darkon“, meinte das Mädchen zu sich und verließ den Platz, während es anfing zu regnen.
     
  7. Son-Goku_GIGA-SSJ!!!

    Son-Goku_GIGA-SSJ!!! I'm a saiyan from Earth!!

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    Hey Rela :)

    Dein Kapitel hat mir wirklich gut gefallen. Man kann wirklich mit Nuri mitfühlen, aber es gibt dann hier und da Dinge, die sich mir nicht ganz schlussfolgern:

    Der Tod ihres Bruders ist wahrscheinlich keine 12 Stunden her, durch den Schlaf ist es für sie höchstens, als wäre nur eine Stunde vergangen. Und schon kann sie lachen? Ich persönlich wäre wohl noch eine ganze Weile komplett entgeistert und würde teils gar nicht auf Dinge eingehen können, die man mir sagt oder nach denen man fragt. Meiner Meinung nach verarbeitet sie das ganze viel zu schnell. Damit will ich nicht sagen, dass sie es schon verarbeitet hat, aber ich finde es klingt so, als wäre sie täglich mit dem Tod konfrontiert.


    Ich weiß, dass Satzwiderholungen nicht gerne gelesen werden, aber eine Zeitform (scheinte) zu nehmen, die im deutschen Sprachgebrauch nicht exisitiert, ist auch keine Lösung :p

    Mir gefällt auf jeden Fall, dass Nuri (hoffe ich höre mich damit nicht an wie ein Sadist) nun sehr pessimistisch ist. Ich kann mir jetzt auf jeden Fall kaum ausmalen, wie ihr Leben weitergehen wird, aber ich brenne darauf zu erfahren, was noch geschehen wird (hoffe du lässt uns nicht allzu lange warten).

    MfG, Dennis :)
     
  8. MajinKay

    MajinKay Revelation 6:4

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    Also, es hat jetzt ein wenig gedauert, aber ich bin soweit mal Up-2-date. :)

    Und was soll ich dir sagen? Erst einmal finde ich es großartig, dass du dich dazu entschlossen hast, den Rost abzuschütteln und uns mit neuem Lesestoff versorgst. ^^ Als einer der Verbliebenen hier kann ich nur sagen: Thumps-up! So wird das was mit dem Revival! ^_^=b

    Zur Story selbst:
    Ich denke mal, meine Vorposter haben sehr gründlich die wenigen Flüchtigkeitsfehler aufgezeigt, daher werde ich da niemanden wiederholen, sondern ein wenig genauer auf die Erzählstruktur selbst eingehen, ja? ^^ Nach gerade einmal drei Teilen / Kapiteln ist es noch ein wenig arg früh, wirklich genaue Prognosen für den weiteren Verlauf zu machen, aber die ungefähr angedeutete Richtung der Geschichte gefällt mir schon mal sehr gut. Ein wenig Crime, ein wenig mysteriöse Vergangenheit, ein wenig mehr zwischenmenschliche Ausrichtung und ein wenig Unvermögen, alles in ein wirklich reales Setting zu packen. Die Markennamen der Vehikel stehen hierbei eben im krassen Gegensatz zu den verwendeten Namen von Personen und Schauplätzen. Also ziehe ich hier keine Schlüsse, sondern freue mich auf die weiteren Episoden, denn der Anfang ist schon mal sehr spannend. ^^

    Auf Seiten der Charaktere würde ich mir allerdings ein wenig mehr Dreidimensionalität im Sinne von nachvollziehbaren Emotionen wünschen. Das geht ein wenig in die Richtung, die meine Vorposter schon erwähnt haben. Ito ist in einem Business, wo Gewalt auf der Tagesordnung steht und sein Umfeld eindeutig klar macht, dass es auf ihn mehr oder minder nicht ankommt. Man kann also vermuten, dass es für ihn besser wäre, das Paket zeitnah abzuliefern, trotzdem macht er einen Umweg über das Rennen, kommt zu spät und wirft es schließlich schwungvoll ins Gebäude, ohne wirklich näher darüber nachzudenken... Das erscheint ein wenig fragwürdig. Unpassend, eventuell.
    Genauso verhält es sich auch mit dem Auffinden von Nuris totem Bruder. Ihre Reaktionen wirken hölzern und gekünstelt, nicht wirklich der Situation entsprechend. Die Art und Weise, wie Nuri mit der Situation umgeht, wie auch das weitere Umgehen der Polizei mit all dem wirkt ein wenig out-of-place. Fast so, als würden die ersten eineinhalb Kapitel in einem gut inszenierten Film spielen und dann - ab der Szene mit ihrem Bruder - alles in einer Dokusoap wiederzufinden sei. Das klingt ein wenig harsch, aber die Dialoge, wie auch die Reaktionen, fühlen sich hölzern und erzwungen an.

    Die Story beginnt mit einem sehr stimmigen Intro, das sehr gut Nuri und Ito vorstellt, und wenn du dich ein wenig mehr daran hältst, und dir vielleicht ein wenig mehr Zeit für tatsächliche Entwicklungen in der Geschichte lässt, wird sich der sehr gute erste Eindruck auch sicherlich weiter festigen. :)

    Ich bleib am Ball.

    -Kay
     

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