dark-toffel
Mindfucked
Im gegensatz zu meiner ersten Fanfic (hat die außer nimmermehr überhaupt einer gelesen?) ist diese hier recht lose an die Handlungen aus warcraft3 angelehnt. eigentlich hat mich auch vielmehr eine animeserie dazu inspiriert. vielleicht errät sie ja einer. (spielt zeitlich vor meiner ersten fanfic)
Die Schwarze Hand
der Schatten, der die Schatten bekämpft
die Klinge, die nur im Mondlicht funkelt
die schwarze Hand des Ritterordens
die finstere Sühne der Sünden
von schwarzen Händen geführt
Gerechtigkeit an den Sündern
und die dunkle Wahrheit tritt aus der Dunkelheit
Die Nacht war längst über die Stadt Strahnbrad hereingebrochen und die tiefschwarzen Wolken, die nun die Sterne verschlungen hatten, ließen nur hier und da einen matten Strahl des silbrigen Mondlichtes zur Erde hinab.
Ärgerlich stapfte Cadamus durch die spärlich beleuchteten Straßen. Er hatte wieder einmal Streit mit einem seiner Schuldner gehabt, welcher bis in die Nacht hinein angedauert hatte. Cadamus hatte seinen Gesprächspartner bis aufs Blut gereizt und wurde gerade eben durch Androhung von Waffengewalt aus dessen Haus geworfen. Unter der Zusicherung, dass sein Schuldner diese Worte noch bereuen werde, hatte er die Segel gestrichen und war nun auf dem Weg nach Hause. Sehr wenige Menschen waren nun noch auf den Straßen, doch jene, denen er begenete, begrüßten ihn mit finsteren Blicken voller Argwohn und Neid oder einem gewaltsam abgezwungenen, höflichen Kopfnicken. Cadamus war einer der reichsten Männer Strahnbrads und gewiss auch der unbeliebteste. Er war vollkomen tatenlos zu seinem Vermögen gekommen, indem er es von seinem Vater geerbt hatte, doch war er so geizig, als hätte er sich jede einzelne Goldmünze hart erkämpfen müssen. Jene, die gezwungen waren, bei ihm einen Kredit aufzunehmen, machte er geschickt von sich abhängig und nicht wenige von ihnen endeten als seine Leibeigenen, die er häufig wie Sklaven behandelte. Doch jeden hasserfüllten Blick, der ihm auf seinen Wegen zugeworfen wurde, erwiderte er mit einem fast schon seligen Lächeln, das einem sonderbar erschienen wäre, wusste man nicht, dass es einzig und allein dem Gedanken an die Vernichtung dieser Menschen und seinen Profit dabei entsprang. Morgen würde er das Schreiben an die Blackrock-Orks absetzen und das Schicksal seiner Mtibürger besiegeln. Aber irgendwann wären sie in den neu entfachten Orkkriegen mit Sicherheit ohnehin ums Leben gekommen, meinte er, wieso sollte er sich also nicht durch eine Abmachung mit ihren Feinden an ihrem Tode bereichern? Der Krieg konnte für einen cleveren Geschäftsmann eine profitable Geldquelle sein. Bei diesen Gedanken verzogen sich seine Mundwinkel zu einem selbstzufriedenen Schmunzeln, als er seine schwere Wohnungstür öffnete. Krachend ließ er die Türe hinter sich ins Schloss fallen und weckte so seinen Diener, welcher den Auftrag hatte, während der Abwesenheit seines Herren an der Tür zu wachen. Erschrocken fuhr er hoch und blickte Cadamus panisch an. "Herr,..." Doch der Geschäftsmann würdigte ihn keines Blickes und ging die schwere Eichentreppe hinauf, um sein Schlafgemach aufzusuchen. Er war zu müde, um sich noch mit unfähigen Leibeigenen herumzuschlagen. Morgen würde er ihn bestrafen und seinen Besitz als Anzahlung für seine Schulden an sich nehmen, nur für den Fall, dass er diese schon wieder vergessen hatte. Cadamus` Gedanken waren jedoch schon längst wieder zu dem bevorstehenden Abschluss seines makaberen Geschäftes gewandert, als er die Tür zu seinem Gemach öffnete. Verwundert blieb er in der Türe stehen, als er sah, dass das Fenster weit offen stand und die flatternden Vorhänge tanzende Schatten in den dunklen Raum malten. Zögerlich machte er einen Schritt in das Zimmer hinein und sah sich argwöhnisch um. Plötzlich kam aus dem Schatten neben ihm eine Hand und presste sich auf seinen Mund. Er wurde an die Wand gedrückt und sah, wie die andere Hand des Angreifers sich auf die Türklinke legte und sie beinahe lautlos schloss. Die Tatsache, dass er aufgrund der Dunkelheit in seinem Raum kaum etwas von der Gestalt seines Feindes, geschweige denn dessen Gesicht sah, erfüllte ihn mit einer derart grenzenlosen Angst, dass er drohte, die Besinnung zu verlieren. Noch immer war die eine Hand, welche dem Schatten selbst zu gehören schien, auf seinen Mund gepresst und drückte ihn gleichzeitig erbarmungslos gegen die Wand. In der anderen, kaum einen Augenblick nachdem diese die Tür geschlossen hatte, blitzte nun eine Klinge auf, die sie Cadamus` an den Hals legte. Mit aufgerissenen Augen stierte er in die Finsternis, während die ruhig und präzise geführte Klinge im die Kehle aufschlitzte.
Der Marsch durch die Wälder
Anlässlich der jüngsten Ork-Aufstände ließ König Terenas einen Großteil der Streitkräfte Lordaerons auf die zahlreichen Städte, Dörfer und Siedlungen des Landes verteilen. Nach den Ausbrüchen der Orks aus den Internierungslagern im ganzen Land ließen sich die Ork-Clans wieder in der freien Wildnis nieder, wie ihre Natur es ihnen vorschrieb. Die neu gewonnene Kraft und Freiheit dieser Kreaturen schürte ihren alten Hass auf die Menschheit, der während all der Jahrzehnte der Gefangenschaft in ihnen glomm wie die Glut in der Asche eines zerstörten Volkes. Plötzlich bildeten sich überall Brennpunkte und die Allianz, deren verschiedene Völker ihre Differenzen nur aufgrund der drohenden Vernichtung durch die Orks ruhen ließen, hatte sich nach der Niederwerfung dieses Feindes wieder zunehmend zerstritten. Deshalb reagierte sie zu träge auf das Erwachen dieser alten Gefahr und ließ ihr genug Zeit, um einiges ihrer alten Stärke wiederzuerlangen. Doch durch Terenas` eiligen und weisen Entschluss konnten bereits viele Ork-Angriffe auf menschliche Siedlungen abgewehrt werden. Dennoch war allen klar, dass die kommenden Generationen den ältesten Krieg dieses Landes wohl noch bis ins nächste Zeitalter tragen würden.
Die Wegstrecke zwischen Brill und Strahnbrad betrug einen raschen Tagesritt, doch das Heer, welches nun auf jenem Weg marschierte, würde Strahnbrad erst am Morgen des nächsten Tages erreichen. Zwei Tage zuvor traf in Brill ein Bote aus Strahnbrad ein, der meldete, dass seine Stadt möglicherweise verraten wurde und ein Angriff der Blackrock-Orks, des gefürchtetsten Ork-Clans dieser Region, höchswahrscheinlich unmittelbar bevorstand. Casius, der Hauptmann der in Brill stationierten Truppen, mobilisierte alle Männer, die zu Brills notdürftigster Verteidigung nicht benötigt wurden, und machte sich auf, sie zu Strahnbrads Unterstützung ins Feld zu führen. Das Kommando über die in Brill verbliebenen Truppen überließ er dem Bürgermeister, welcher ihm nach herrschendem Kriegsrecht unterstand. Die Sonne berüherte bereits die fernen westlichen Berggipfel, als einer der Späher, die regelmäßig vorrausgeschickt wurden, um den Weg auszukundschaften, zurückkehrte. Da Strahnbrad für einen Reiter nicht mehr weit entfernt lag, hatte dieser den Auftrag, bereits in Erfahrung zu bringen, wie es um das Ziel ihres Marsches stand. Hauptmann Casius, der auf seinem Pferd an der Spitze des Zuges schritt, beunruhigte der ungewöhnlich schnelle Galopp, mit welchem der Späher auf sie zugestürmt kam. "Strahnbrad brennt!", hörte er ihn mit aufgelöster Stimme schreien, nachdem der Reiter in Rufweite gekommen war. "Die Orks sind gekommen, die Stadt brennt bereits!" Die Rufe des Spähers brachen wie eine Welle des Entsetzens durch die Reihen der Soldaten und lösten überall fassungsloses Stimmengewirr aus. Casius, den diese Nachricht vollkommen überrascht hatte, brauchte dennoch nicht lange, um sich zu einer Entscheidung durchzuringen. "Alle Reiter folgen mir! Strahnbrad braucht jetzt unsere Unterstützung! Der Rest folgt unter Captain Darius` Kommando!" Mit diesen Worten sprengte er davon, gefolgt von zweihundertfünfzig Rittern. Die zurückgebliebenen rund dreihundert Fußsoldaten waren vorerst zum Stehen gekommen. Darius, der nun an der Spitze seines eigenen Zuges stand, drehte sich zu seinen Männern um und rief: "Ihr habt den Hauptmann gehört, Männer, die geplante Rast ist abgesagt! Ab jetzt wird richtig marschiert!". Die Männer schlugen ihre Schwerter gegen die Schilde und gaben einen kollektiven Laut der Zustimmung und des Kampfeswillens von sich, bevor sich der Zug erneut in Bewegung setzte und ihrem neuen Anführer in die Schlacht folgte. "Na großartig!", knurrte Darott, ein großgewachsener, breitschultriger Krieger mit einem kahlgeschorenem Schädel und einer riesigen, doppelschneidigen Streitaxt, welche er auf dem Rücken trug. "Hoffentlich lässt der Hauptmann uns ein paar Grünhäute übrig, wär doch jammerschade den ganzen Weg umsonst marschiert zu sein!" Darott zählte zu den besten Männern des Captains und zugleich auch zu seinen engsten Freunden. "Nur keine Sorge,", entgegnete Darius ernst, "Unsere Reiter werden vielleicht diesen Angriff abwehren können, aber diesen Clan werden sie sicherlich nicht zerschlagen. Wir werden alle noch zum Schlag kommen." "Also irgendwie ist mir diese ganze Sache ein Rätsel.", brummte Darott nach einer kurzen Pause weiter, "Erst will dieser schmierige Verräter, wie hieß er doch gleich? Cadamus?" Darius nickte. "Also erst will dieser gierige Geldsack seine Stadt an die Blackrock-Orks verkaufen, indem er ihnen Unterlagen mit Angaben über Truppenstärke der Stadt und den Schwachpunkten ihrer Verteidigung zukommen lassen will und plötzlich wird er eines Morgens mit aufgeschlitzter Kehle in seinem Zimmer gefunden. Noch in der Nacht seines Todes taucht dann sein Schreiben an die Orks auf dem Nachttisch des Bürgermeisters auf. Niemand will etwas gehört oder gesehen haben." Darott schüttelte ratlos den Kopf. "Was haltet ihr eigentlich von diesen... Gerüchten?" Der Captain hatte den Blick auf die Wälder gerichtet, während er Darott zuhörte. Nun sah er ihn an und verzog halb belustigt, halb verächtlich einen Mundwinkel. "Die Gerüchte... . Nach jedem seltsamen Mord oder Diebstahl hört man Gerüchte über die Schwarze Hand. Ich hatte gemeint ihr wäret zu alt, um an diesen KInderschreck zu glauben, mein lieber Darott. Dieser Cadamus war sowohl bei seiner Dienerschaft als auch in der ganzen Stadt geradezu verhasst. wahrscheinlich hat ihn einer seiner Diener getötet und wird nun von allen, die über den Tod dieses Mannes erfreut sind, gedeckt." "Könnt ihr mir dann auch sagen, wie das Schreiben auf den Nachttisch des Bürgermeisters gekommen ist, während er daneben in seinem Bett lag, welches in einem hervorragend bewachtem Schlafgemach steht?" Erwiderte Darott ein wenig gekränkt. "Auch der Bürgermeister dürfte über Cadamus` Tod nicht sehr bestürzt gewesen sein. Dieser Geschäftsmann bekam zuviel Einfluss in der Stadt und machte keinen Hehl aus seiner Machtgier. Ich denke er gewährt demjenigen, der Cadamus getötet, das Schreiben entdeckt und ihm gebracht hat lediglich Anonymität und hat sich deshalb diese verrückte Geschichte einfallen lassen." Noch bevor Darott darüber nachdenken konnte, weshalb ihm nicht eine solch simple Antwort in den Sinn gekommen war, fügte Darius, welcher den Blick wieder auf den Waldrand richtete, in einem Ton, der unmissverständlich den Abschluss dieses Themas besiegelte, hinzu: "Es gibt keine Schwarze Hand." An der Spitze des Zuges liefen sie zu dritt, wobei neben Darius und Darott noch Kain marschierte. Er war der einzige Elf in diesem Heer. Als Anwärter auf den Rang eines Hochelfenpriesters in Quel-Thalas wurde er aus dem Zirkel verstoßen, da trotz seines ruhigen und besonnenen Charakters zu viele zerstörerische Energien in seine Zauber einflossen, weshalb er in den Augen seiner Meister als Kleriker ungeeignet war. Kain ahnte, dass seine Lehrmeister damals Angst vor ihm hatten, doch er nahm es ihnen nicht übel. Er spürte damals schon, dass sein Weg ihn auf die Schlachtfelder der Orkkriege führen würde. Bei den Ausbrüchen der Orks aus den Internierungslagern kämpfte er Seite an Seite mit Darius und seinen Männern, der ihn aufgrund seiner Fähigkeiten mit Vergnügen in sein Kommando aufnahm. Darius führte selten Heere in die Schlacht, was allerdings nicht an mangelhaften Führungsqualitäten lag, sondern an der Tatsache, dass er der perfekte Mann für Kommandomissionen und Geheimoperationen war. Kain hatte sich bereits bei ihrer ersten Begegnung das Vertrauen des Captains verdient und war nun Mitglied einer Elitetruppe, welche bei jenen, die Kenntnis über ihre Missionen hatten, sehr hohes Ansehen genoss.
Die Nacht war bereits hereingebrochen und obwohl der Himmel klar und der Mond voll waren, ragten die dichten Wälder wie schwarze Wände seitlich der Wege empor. Kain, der sich schon lange nicht mehr an den Gesprächen seiner Kameraden beteiligt hatte, sondern konzentriert und besorgt durch die für Menschenaugen undurchdringliche Dunkelheit der Wälder spähte, blieb plötzlich stehen und packte seinen Captain an der Schulter. Darius hielt augenblicklich inne und sah den Elfen sichtlich besorgt und fragend an. Darius verstand jeden seiner Männer auf Anhieb und er wusste, dass Kain, der schweigsam, ernst und ein wenig einzelgängerisch war, sich nicht grundlos so verhalten würde. "Wir werden beobachtet.", beantwortete Kain die Frage, die nicht gestellt werden musste, "Wir sind hier nicht sicher!" Ohne das geringste Zögern wandte Darius sich seinen Männern zu und schrie seine Befehle: "Der Feind lauert in den Schatten! Alle Mann halt! Sichert den Zug nach den Flanken! Bogenschützen in die Mitte des Weges! Achtet auf jedes Geräusch aus diesen Wäldern!" Kain hatte sich nicht geirrt und die Orks, die in den Wäldern auf die Menschen lauerten, hatten bemerkt, dass sie entdeckt worden waren. Ohrenbetäubende Kriegshörner gefolgt von einem tiefen, rohen Grölen aus unzähligen Orkkehlen vertrieben die unheimliche, nächtliche Stille der Wälder. Die ersten Grünhäute, welche sich aus den Schatten der Wälder heraus auf das Heer der Menschen stürzten, empfing ein Pfeilhagel, der die erste Reihe der Angreifer zu Boden warf. Doch die Orks stürmten von beiden Seiten des Weges heran und noch ehe die Bogenschützen einen zweiten Pfeil an die Sehne legen konnten, brachen die ersten Bestien durch den Wall der Schwertkämpfer. Darius konnte in der Finsternis nicht ausmachen, wie breit die Angriffslinie der Feinde war, doch er und eine Hand voll seiner Männer waren durch durch die Angreifer vom Rest der Truppe abgeschnitten worden. "Darott, Kain!", schrie er über den Lärm des Kampfes hinweg, "Folgt mir in die Wälder, wir müssen versuchen zum Rest des Trupps durchzukommen!" Darott, der gerade seine Streitaxt aus der Brust eines Orks riss, nickte seinem Captain zu und folgte ihm zum Waldrand, wo sie sich zusammen mit Kain in die Büsche schlugen. Der Kampf hatte sich bereits in die Wälder ausgeweitet und überall um sie herum hörten sie die Geräusche der nächtlichen Schlacht. Plötzlich tauchten fünf der Angreifer aus der Dunkelheit auf und stoppten ihren Weg durch den Wald. Darius und Darott stellten sich ihnen entgegen, während Kain hinter ihnen einen elfischen Kampfzauber vorbereitete. Die Axt des ersten Orks schlug mit einem gewaltigen Krachen auf Darotts, während die des Zweiten Gegners auf Darius` Schild aufschlug, der unter der Wucht des Hiebes in die Knie ging. Doch er reagierte schnell und stieß dem Ork sein Schwert in den Bauch, bevor dieser erneut ausholen konnte. Auch Darott hatte seinen Feind bereits niedergestreckt, als Kain brutal aus seiner Konzentration gerissen wurde. Beinahe hätte die Axt eines hinterhältigen Orks ihn zerschmettert, wäre der agile Elf nicht in letzter Sekunde dem tödlichen Hieb ausgewichen. Darott eilte sofort zu Kains Unterstützung, während Darius die Orks vor ihnen in Schach hielt. Ihnen wurde klar, dass sie bei ihrem Sprint durch den Wald mitten in das Heer der Orks geraten sein mussten, der die Menschen wahrscheinlich in alle Richtungen im Wald verstreut hatte. Darius hatte die Zahl ihrer Angreifer unterschätzt und nun kämpfte er dafür, dass seine Männer seinen Irrtum nicht mit dem Leben bezahlten. Er kämpfte mit solcher Verbissenheit, dass er nicht bemerkte, dass Kain und Darott, welche hinter ihm gegen die feindliche Übermacht ankämpften, für ihn schon in der Dunkelheit verschwunden waren. Erschöpft stieß er seine Klinge in die Brust eines Orks, den er gerade zu Boden geworfen hatte und sah sich keuchend um. Die Laute der Schlacht drangen noch immer von allen Seiten an sein Ohr, doch sie wirkten fern und gedämpft. Um sich herum sah er nichts als dunkle Bäume, deren dichtes Blätterdach vom Mondlicht nur an wenigen Stellen durchdrungen wurde. Ein plötzliches Geräusch in seinem Rücken ließ ihn herumfahren und seinen Schild hochreißen, gerade noch rechtzeitig, um die Schulter eines Orks aufzufangen, der sich mit all seinem beachtlichen Gewicht auf den Menschen stürzte. Der Ork, welcher beabsichtigt hatte, Darius zu Boden zu werfen, stieß ein überraschtes Grunzen aus, als er Seite an Seite mit seinem menschlichen Gegner den Waldboden hinabkullerte, der an jener Stelle steil abfiel. Darius erholte sich fast zu spät von den betäubenden Schmerzen der Attacke und des darauf folgenden Sturzes, um zu merken, dass er seinen Schild verloren hatte und riss stattdessen sein Schwert hoch, als der Ork, welcher sich bereits wieder auf die Knie aufgerichtet hatte, seine Axt auf den Captain niedergehen ließ. Der gewaltige Schlag, den Darius gerade noch von sich ablenken konnte, riss ihm das Schwert aus der Hand und warf den Menschen erneut zu Boden. Gedämpft glaubte Darius das Rascheln seines Schwertes in der Dunkelheit der nahestehenden Sträucher zu vernehmen und bemühte sich, auf die Knie zu kommen. Jeden Augenblick den er darauf verwandt sich hochzustämmen, rechnete er damit, den entgültigen Schlag seines Gegners im Genick zu spüren. Als er es geschafft hatte, sich soweit aufzurichten, dass er emporblicken konnte, sah er den Ork nun in voller Größe vor sich aufragen, die gewaltige Axt hoch über die grünen, muskelbepackten Schultern erhoben. Mit einem Blick verbitterter Resignation sah er seinem Bezwinger in die Augen, in denen nun ein triumphaler Hass aufblitzte, während aus dem riesigen Maul ein ohrenbetäubender Siegesschrei drang. Das Brüllen zog sich in die Länge und wurde immer schriller, bis Darius, der einen Ork nie zuvor hatte so schreien hören, überrascht feststellen musste, dass es sich offenbar um einen Laut überwältigenden Schmerzes handelte, welchen der Ork in einem plötzlichen, kurzen Todeskampf ausstieß, bevor er der Länge nach neben Darius niederging. Erstaunt sah der Captain auf seinen Feind hinab und machte am Genick des Orks schließlich die tödliche Wunde aus. Sie musste offenbar sehr tief sein, um einen Ork auf Anhieb töten zu können, doch war sie so dünn und dermaßen präzise geführt, dass kaum Blut aus ihr drang und Darius sie in der Dunkelheit fast übersehen hätte. Nun hob der Captain, welcher sich noch immer am Boden kniend auf seine linke Hand stützte, da in seinem Schwertarm seit dem letzten Hieb des Orks ein stechender Schmerz pochte, den Blick zu jener Stelle, an der sein Gegner gestanden hatte. Seine Augen weiteten sich vor Überraschung, als er seinen Retter ins Auge fasste. Er hatte einen verirrten Soldaten der Allianz erwartet, doch die Gestalt, welche über ihm stand und mit ausdruckslosen, direkt kalten Augen, welche im Mondlicht eisgrau funkelten, auf ihn hinabsah, schien weder eine Rüstung noch eine Uniform zu tragen. Seine ganze Statur wurde von einem langen, dunklen Umhang verhüllt, welcher bis auf den Boden reichte und dessen hoher, durchgehender Kragen sein Gesicht bis knapp unter die Nase verbarg, wenn er, so wie jetzt, den Kopf gesenkt hielt. Die Waffe, die Darius das Leben gerettet hatte, war schon längst wieder unter dem Umhang verschwunden, der mit der Gestalt dieses Kriegers auch dessen Seele zu verhüllen schien. Darius fragte sich, ob es an der Dunkelheit oder seiner unvorteilhaften Position lag, dass diese Person für ihn eine so ruhige, finstere Würde ausstrahlte, gemischt mit einem Hauch der Unbesiegbarkeit. Erst auf den zweiten Blick bemerkte der Captain, dass diese Gestalt, welche nicht mehr als ein Schatten zu sein schien, wenn sie es wollte, weder besonders groß noch kräftig gebaut war. Er blickte in das Gesicht eines Jungen, welcher, wenn überhaupt, gerade erst das Mannesalter erreicht haben konnte. Das Haar trug er, wie die meisten Krieger Lordaerons, etwa schulterlang. Er vermutete wohl, dass es blond sein musste, doch im seichten Mondlicht schimmerte es in derselben matt silbrigen Farbe wie die Augen, die Darius wohl am meisten beeindruckten. Trotz des geringen Alters strahlten sie nichts von Jugendlichkeit aus und hatten wohl schon viel Tod und Leid mit angesehen. Es waren Augen, die sich keinen Illusionen hingaben und die jeden Schleier der Lüge und der Täuschung durchdringen zu können schienen. Augen, in denen sich stets nur die Wahrheit wiederspiegelte. Nur wenige Sekunden, welche Darius wie eine Ewigkeit vorkamen, verharrten die ungleichen Menschen reglos, dann wandte ihm die düstere Gestalt den Rücken zu, trat aus dem dünnen Strahl des Mondlichtes, in welchem sie gestanden hatte, und war bald darauf kaum hörbar mit den Schatten des Waldes verschmolzen. Erst jetzt bermerkte der Captain, dass er den Atem angehalten hatte und ihn ließ ihn in einem leisen Keuchen ausströmen. Die dumpfen Schmerzen, welche seinen gesamten Körper durchfahren hatten, waren verklungen, nur gegen den pochenden Schmerz in seinem Schwertarm und seine Erschöpfung musste er noch ankämpfen, als Darius sich aufrichtete und den Hang hinauftastete.
Es war schon beinahe Mittag, als die letzten verstreuten Soldaten, die diese Schlacht überlebt hatten, zum Weg zurückfanden. Sie hatten die Orks besiegt, aber fast die Hälfte der Männer war in dieser Nacht gefallen. Darius hatte diesen Morgen nicht viel gesprochen und ließ sich von Kain den gebrochenen Arm versorgen. Dieser hatte ihm berichtet, dass er und Darott auf der Suche nach ihrem Captain im Wald den Hauptteil der Fußtruppen ausgemacht haben, welcher sich erfolgreich gegen die grünhäutigen Angreifer verteidigt hatte. Mit Darotts Führung und Kains magischer Unterstützung war es ihnen schließlich gelungen, die meisten der verstreuten Soldaten wieder zu vereinen und die Feinde tief in die Wälder zurückzujagen. "Ich hätte euch in diese Schlacht führen müssen!", knurrte der Captain bitter. Kains meist ernstes Gesicht verzog sich zu einem milden Lächeln. "Mit einem gebrochenem Schwertarm wäret ihr uns nicht von Nutzen gewesen, aber wollt ihr mir nicht sagen wo ihr gesteckt habt, während wir euch suchten?" Darius blickte zu Kain auf, dann in die Wälder, welche nun grün und hell unter der mattgelben Vormittagssonne lagen. "Ich... ich bin gestürzt... von dem was danach geschah bin ich mir nicht sicher, ob ich es nicht während einer Ohnmacht geträumt habe..." Darott, der Darius vor lauter Wiedersehensfreude seine Pranke auf die Schulter schlug, fragte mit einem Grinsen: "Sagt bloß, ihr seit auch diesem Schattenkrieger in den Wäldern begegnet? Ihr solltet euch mal unter euren Männern umhören, viele von ihnen erzählen von einem jungen Kämpfer in schwarzem Umhang, der aus den Schatten kam, einige Orks tötete, und dann wieder verschwand. Mhhhhhhh...", Darott brummte nachdenklich,"Ob das nur einer war? vielleicht hätten wir diese Schlacht ohne ihn gar verloren..." "Tja,", gab Darius unwillig und ein wenig beschämt zu, "mir hat er jedenfalls das Leben gerettet. Wie steht es mit den Verwundeten?" Darotts Blick trübte sich. "Nicht viele, Orks machen keine halben Sachen." "Es sind dreiundzwanzig, die nicht mehr gehen können,", verdeutlichte Kain finster, "und bei fünf von ihnen wird sich daran auch nichts mehr ändern." Darius nickte, erhob sich und ging in die Mitte des verbliebenen Heeres, um seine Befehle zu geben. "Wir brauchen dreiundzwanzig Tragen, holt Holz aus dem Wald, beeilt euch! Danach wird weitermarschiert. Mit den Toten werden wir uns nicht belasten." Obwohl die meisten Soldaten bei dem letzten Satz des Captains merklich zusammenzuckten, machten sie sich gehorsam an die Arbeit und bereits eine Stunde später konnte der Marsch weitergehen.
Die Schwarze Hand
der Schatten, der die Schatten bekämpft
die Klinge, die nur im Mondlicht funkelt
die schwarze Hand des Ritterordens
die finstere Sühne der Sünden
von schwarzen Händen geführt
Gerechtigkeit an den Sündern
und die dunkle Wahrheit tritt aus der Dunkelheit
Die Nacht war längst über die Stadt Strahnbrad hereingebrochen und die tiefschwarzen Wolken, die nun die Sterne verschlungen hatten, ließen nur hier und da einen matten Strahl des silbrigen Mondlichtes zur Erde hinab.
Ärgerlich stapfte Cadamus durch die spärlich beleuchteten Straßen. Er hatte wieder einmal Streit mit einem seiner Schuldner gehabt, welcher bis in die Nacht hinein angedauert hatte. Cadamus hatte seinen Gesprächspartner bis aufs Blut gereizt und wurde gerade eben durch Androhung von Waffengewalt aus dessen Haus geworfen. Unter der Zusicherung, dass sein Schuldner diese Worte noch bereuen werde, hatte er die Segel gestrichen und war nun auf dem Weg nach Hause. Sehr wenige Menschen waren nun noch auf den Straßen, doch jene, denen er begenete, begrüßten ihn mit finsteren Blicken voller Argwohn und Neid oder einem gewaltsam abgezwungenen, höflichen Kopfnicken. Cadamus war einer der reichsten Männer Strahnbrads und gewiss auch der unbeliebteste. Er war vollkomen tatenlos zu seinem Vermögen gekommen, indem er es von seinem Vater geerbt hatte, doch war er so geizig, als hätte er sich jede einzelne Goldmünze hart erkämpfen müssen. Jene, die gezwungen waren, bei ihm einen Kredit aufzunehmen, machte er geschickt von sich abhängig und nicht wenige von ihnen endeten als seine Leibeigenen, die er häufig wie Sklaven behandelte. Doch jeden hasserfüllten Blick, der ihm auf seinen Wegen zugeworfen wurde, erwiderte er mit einem fast schon seligen Lächeln, das einem sonderbar erschienen wäre, wusste man nicht, dass es einzig und allein dem Gedanken an die Vernichtung dieser Menschen und seinen Profit dabei entsprang. Morgen würde er das Schreiben an die Blackrock-Orks absetzen und das Schicksal seiner Mtibürger besiegeln. Aber irgendwann wären sie in den neu entfachten Orkkriegen mit Sicherheit ohnehin ums Leben gekommen, meinte er, wieso sollte er sich also nicht durch eine Abmachung mit ihren Feinden an ihrem Tode bereichern? Der Krieg konnte für einen cleveren Geschäftsmann eine profitable Geldquelle sein. Bei diesen Gedanken verzogen sich seine Mundwinkel zu einem selbstzufriedenen Schmunzeln, als er seine schwere Wohnungstür öffnete. Krachend ließ er die Türe hinter sich ins Schloss fallen und weckte so seinen Diener, welcher den Auftrag hatte, während der Abwesenheit seines Herren an der Tür zu wachen. Erschrocken fuhr er hoch und blickte Cadamus panisch an. "Herr,..." Doch der Geschäftsmann würdigte ihn keines Blickes und ging die schwere Eichentreppe hinauf, um sein Schlafgemach aufzusuchen. Er war zu müde, um sich noch mit unfähigen Leibeigenen herumzuschlagen. Morgen würde er ihn bestrafen und seinen Besitz als Anzahlung für seine Schulden an sich nehmen, nur für den Fall, dass er diese schon wieder vergessen hatte. Cadamus` Gedanken waren jedoch schon längst wieder zu dem bevorstehenden Abschluss seines makaberen Geschäftes gewandert, als er die Tür zu seinem Gemach öffnete. Verwundert blieb er in der Türe stehen, als er sah, dass das Fenster weit offen stand und die flatternden Vorhänge tanzende Schatten in den dunklen Raum malten. Zögerlich machte er einen Schritt in das Zimmer hinein und sah sich argwöhnisch um. Plötzlich kam aus dem Schatten neben ihm eine Hand und presste sich auf seinen Mund. Er wurde an die Wand gedrückt und sah, wie die andere Hand des Angreifers sich auf die Türklinke legte und sie beinahe lautlos schloss. Die Tatsache, dass er aufgrund der Dunkelheit in seinem Raum kaum etwas von der Gestalt seines Feindes, geschweige denn dessen Gesicht sah, erfüllte ihn mit einer derart grenzenlosen Angst, dass er drohte, die Besinnung zu verlieren. Noch immer war die eine Hand, welche dem Schatten selbst zu gehören schien, auf seinen Mund gepresst und drückte ihn gleichzeitig erbarmungslos gegen die Wand. In der anderen, kaum einen Augenblick nachdem diese die Tür geschlossen hatte, blitzte nun eine Klinge auf, die sie Cadamus` an den Hals legte. Mit aufgerissenen Augen stierte er in die Finsternis, während die ruhig und präzise geführte Klinge im die Kehle aufschlitzte.
Der Marsch durch die Wälder
Anlässlich der jüngsten Ork-Aufstände ließ König Terenas einen Großteil der Streitkräfte Lordaerons auf die zahlreichen Städte, Dörfer und Siedlungen des Landes verteilen. Nach den Ausbrüchen der Orks aus den Internierungslagern im ganzen Land ließen sich die Ork-Clans wieder in der freien Wildnis nieder, wie ihre Natur es ihnen vorschrieb. Die neu gewonnene Kraft und Freiheit dieser Kreaturen schürte ihren alten Hass auf die Menschheit, der während all der Jahrzehnte der Gefangenschaft in ihnen glomm wie die Glut in der Asche eines zerstörten Volkes. Plötzlich bildeten sich überall Brennpunkte und die Allianz, deren verschiedene Völker ihre Differenzen nur aufgrund der drohenden Vernichtung durch die Orks ruhen ließen, hatte sich nach der Niederwerfung dieses Feindes wieder zunehmend zerstritten. Deshalb reagierte sie zu träge auf das Erwachen dieser alten Gefahr und ließ ihr genug Zeit, um einiges ihrer alten Stärke wiederzuerlangen. Doch durch Terenas` eiligen und weisen Entschluss konnten bereits viele Ork-Angriffe auf menschliche Siedlungen abgewehrt werden. Dennoch war allen klar, dass die kommenden Generationen den ältesten Krieg dieses Landes wohl noch bis ins nächste Zeitalter tragen würden.
Die Wegstrecke zwischen Brill und Strahnbrad betrug einen raschen Tagesritt, doch das Heer, welches nun auf jenem Weg marschierte, würde Strahnbrad erst am Morgen des nächsten Tages erreichen. Zwei Tage zuvor traf in Brill ein Bote aus Strahnbrad ein, der meldete, dass seine Stadt möglicherweise verraten wurde und ein Angriff der Blackrock-Orks, des gefürchtetsten Ork-Clans dieser Region, höchswahrscheinlich unmittelbar bevorstand. Casius, der Hauptmann der in Brill stationierten Truppen, mobilisierte alle Männer, die zu Brills notdürftigster Verteidigung nicht benötigt wurden, und machte sich auf, sie zu Strahnbrads Unterstützung ins Feld zu führen. Das Kommando über die in Brill verbliebenen Truppen überließ er dem Bürgermeister, welcher ihm nach herrschendem Kriegsrecht unterstand. Die Sonne berüherte bereits die fernen westlichen Berggipfel, als einer der Späher, die regelmäßig vorrausgeschickt wurden, um den Weg auszukundschaften, zurückkehrte. Da Strahnbrad für einen Reiter nicht mehr weit entfernt lag, hatte dieser den Auftrag, bereits in Erfahrung zu bringen, wie es um das Ziel ihres Marsches stand. Hauptmann Casius, der auf seinem Pferd an der Spitze des Zuges schritt, beunruhigte der ungewöhnlich schnelle Galopp, mit welchem der Späher auf sie zugestürmt kam. "Strahnbrad brennt!", hörte er ihn mit aufgelöster Stimme schreien, nachdem der Reiter in Rufweite gekommen war. "Die Orks sind gekommen, die Stadt brennt bereits!" Die Rufe des Spähers brachen wie eine Welle des Entsetzens durch die Reihen der Soldaten und lösten überall fassungsloses Stimmengewirr aus. Casius, den diese Nachricht vollkommen überrascht hatte, brauchte dennoch nicht lange, um sich zu einer Entscheidung durchzuringen. "Alle Reiter folgen mir! Strahnbrad braucht jetzt unsere Unterstützung! Der Rest folgt unter Captain Darius` Kommando!" Mit diesen Worten sprengte er davon, gefolgt von zweihundertfünfzig Rittern. Die zurückgebliebenen rund dreihundert Fußsoldaten waren vorerst zum Stehen gekommen. Darius, der nun an der Spitze seines eigenen Zuges stand, drehte sich zu seinen Männern um und rief: "Ihr habt den Hauptmann gehört, Männer, die geplante Rast ist abgesagt! Ab jetzt wird richtig marschiert!". Die Männer schlugen ihre Schwerter gegen die Schilde und gaben einen kollektiven Laut der Zustimmung und des Kampfeswillens von sich, bevor sich der Zug erneut in Bewegung setzte und ihrem neuen Anführer in die Schlacht folgte. "Na großartig!", knurrte Darott, ein großgewachsener, breitschultriger Krieger mit einem kahlgeschorenem Schädel und einer riesigen, doppelschneidigen Streitaxt, welche er auf dem Rücken trug. "Hoffentlich lässt der Hauptmann uns ein paar Grünhäute übrig, wär doch jammerschade den ganzen Weg umsonst marschiert zu sein!" Darott zählte zu den besten Männern des Captains und zugleich auch zu seinen engsten Freunden. "Nur keine Sorge,", entgegnete Darius ernst, "Unsere Reiter werden vielleicht diesen Angriff abwehren können, aber diesen Clan werden sie sicherlich nicht zerschlagen. Wir werden alle noch zum Schlag kommen." "Also irgendwie ist mir diese ganze Sache ein Rätsel.", brummte Darott nach einer kurzen Pause weiter, "Erst will dieser schmierige Verräter, wie hieß er doch gleich? Cadamus?" Darius nickte. "Also erst will dieser gierige Geldsack seine Stadt an die Blackrock-Orks verkaufen, indem er ihnen Unterlagen mit Angaben über Truppenstärke der Stadt und den Schwachpunkten ihrer Verteidigung zukommen lassen will und plötzlich wird er eines Morgens mit aufgeschlitzter Kehle in seinem Zimmer gefunden. Noch in der Nacht seines Todes taucht dann sein Schreiben an die Orks auf dem Nachttisch des Bürgermeisters auf. Niemand will etwas gehört oder gesehen haben." Darott schüttelte ratlos den Kopf. "Was haltet ihr eigentlich von diesen... Gerüchten?" Der Captain hatte den Blick auf die Wälder gerichtet, während er Darott zuhörte. Nun sah er ihn an und verzog halb belustigt, halb verächtlich einen Mundwinkel. "Die Gerüchte... . Nach jedem seltsamen Mord oder Diebstahl hört man Gerüchte über die Schwarze Hand. Ich hatte gemeint ihr wäret zu alt, um an diesen KInderschreck zu glauben, mein lieber Darott. Dieser Cadamus war sowohl bei seiner Dienerschaft als auch in der ganzen Stadt geradezu verhasst. wahrscheinlich hat ihn einer seiner Diener getötet und wird nun von allen, die über den Tod dieses Mannes erfreut sind, gedeckt." "Könnt ihr mir dann auch sagen, wie das Schreiben auf den Nachttisch des Bürgermeisters gekommen ist, während er daneben in seinem Bett lag, welches in einem hervorragend bewachtem Schlafgemach steht?" Erwiderte Darott ein wenig gekränkt. "Auch der Bürgermeister dürfte über Cadamus` Tod nicht sehr bestürzt gewesen sein. Dieser Geschäftsmann bekam zuviel Einfluss in der Stadt und machte keinen Hehl aus seiner Machtgier. Ich denke er gewährt demjenigen, der Cadamus getötet, das Schreiben entdeckt und ihm gebracht hat lediglich Anonymität und hat sich deshalb diese verrückte Geschichte einfallen lassen." Noch bevor Darott darüber nachdenken konnte, weshalb ihm nicht eine solch simple Antwort in den Sinn gekommen war, fügte Darius, welcher den Blick wieder auf den Waldrand richtete, in einem Ton, der unmissverständlich den Abschluss dieses Themas besiegelte, hinzu: "Es gibt keine Schwarze Hand." An der Spitze des Zuges liefen sie zu dritt, wobei neben Darius und Darott noch Kain marschierte. Er war der einzige Elf in diesem Heer. Als Anwärter auf den Rang eines Hochelfenpriesters in Quel-Thalas wurde er aus dem Zirkel verstoßen, da trotz seines ruhigen und besonnenen Charakters zu viele zerstörerische Energien in seine Zauber einflossen, weshalb er in den Augen seiner Meister als Kleriker ungeeignet war. Kain ahnte, dass seine Lehrmeister damals Angst vor ihm hatten, doch er nahm es ihnen nicht übel. Er spürte damals schon, dass sein Weg ihn auf die Schlachtfelder der Orkkriege führen würde. Bei den Ausbrüchen der Orks aus den Internierungslagern kämpfte er Seite an Seite mit Darius und seinen Männern, der ihn aufgrund seiner Fähigkeiten mit Vergnügen in sein Kommando aufnahm. Darius führte selten Heere in die Schlacht, was allerdings nicht an mangelhaften Führungsqualitäten lag, sondern an der Tatsache, dass er der perfekte Mann für Kommandomissionen und Geheimoperationen war. Kain hatte sich bereits bei ihrer ersten Begegnung das Vertrauen des Captains verdient und war nun Mitglied einer Elitetruppe, welche bei jenen, die Kenntnis über ihre Missionen hatten, sehr hohes Ansehen genoss.
Die Nacht war bereits hereingebrochen und obwohl der Himmel klar und der Mond voll waren, ragten die dichten Wälder wie schwarze Wände seitlich der Wege empor. Kain, der sich schon lange nicht mehr an den Gesprächen seiner Kameraden beteiligt hatte, sondern konzentriert und besorgt durch die für Menschenaugen undurchdringliche Dunkelheit der Wälder spähte, blieb plötzlich stehen und packte seinen Captain an der Schulter. Darius hielt augenblicklich inne und sah den Elfen sichtlich besorgt und fragend an. Darius verstand jeden seiner Männer auf Anhieb und er wusste, dass Kain, der schweigsam, ernst und ein wenig einzelgängerisch war, sich nicht grundlos so verhalten würde. "Wir werden beobachtet.", beantwortete Kain die Frage, die nicht gestellt werden musste, "Wir sind hier nicht sicher!" Ohne das geringste Zögern wandte Darius sich seinen Männern zu und schrie seine Befehle: "Der Feind lauert in den Schatten! Alle Mann halt! Sichert den Zug nach den Flanken! Bogenschützen in die Mitte des Weges! Achtet auf jedes Geräusch aus diesen Wäldern!" Kain hatte sich nicht geirrt und die Orks, die in den Wäldern auf die Menschen lauerten, hatten bemerkt, dass sie entdeckt worden waren. Ohrenbetäubende Kriegshörner gefolgt von einem tiefen, rohen Grölen aus unzähligen Orkkehlen vertrieben die unheimliche, nächtliche Stille der Wälder. Die ersten Grünhäute, welche sich aus den Schatten der Wälder heraus auf das Heer der Menschen stürzten, empfing ein Pfeilhagel, der die erste Reihe der Angreifer zu Boden warf. Doch die Orks stürmten von beiden Seiten des Weges heran und noch ehe die Bogenschützen einen zweiten Pfeil an die Sehne legen konnten, brachen die ersten Bestien durch den Wall der Schwertkämpfer. Darius konnte in der Finsternis nicht ausmachen, wie breit die Angriffslinie der Feinde war, doch er und eine Hand voll seiner Männer waren durch durch die Angreifer vom Rest der Truppe abgeschnitten worden. "Darott, Kain!", schrie er über den Lärm des Kampfes hinweg, "Folgt mir in die Wälder, wir müssen versuchen zum Rest des Trupps durchzukommen!" Darott, der gerade seine Streitaxt aus der Brust eines Orks riss, nickte seinem Captain zu und folgte ihm zum Waldrand, wo sie sich zusammen mit Kain in die Büsche schlugen. Der Kampf hatte sich bereits in die Wälder ausgeweitet und überall um sie herum hörten sie die Geräusche der nächtlichen Schlacht. Plötzlich tauchten fünf der Angreifer aus der Dunkelheit auf und stoppten ihren Weg durch den Wald. Darius und Darott stellten sich ihnen entgegen, während Kain hinter ihnen einen elfischen Kampfzauber vorbereitete. Die Axt des ersten Orks schlug mit einem gewaltigen Krachen auf Darotts, während die des Zweiten Gegners auf Darius` Schild aufschlug, der unter der Wucht des Hiebes in die Knie ging. Doch er reagierte schnell und stieß dem Ork sein Schwert in den Bauch, bevor dieser erneut ausholen konnte. Auch Darott hatte seinen Feind bereits niedergestreckt, als Kain brutal aus seiner Konzentration gerissen wurde. Beinahe hätte die Axt eines hinterhältigen Orks ihn zerschmettert, wäre der agile Elf nicht in letzter Sekunde dem tödlichen Hieb ausgewichen. Darott eilte sofort zu Kains Unterstützung, während Darius die Orks vor ihnen in Schach hielt. Ihnen wurde klar, dass sie bei ihrem Sprint durch den Wald mitten in das Heer der Orks geraten sein mussten, der die Menschen wahrscheinlich in alle Richtungen im Wald verstreut hatte. Darius hatte die Zahl ihrer Angreifer unterschätzt und nun kämpfte er dafür, dass seine Männer seinen Irrtum nicht mit dem Leben bezahlten. Er kämpfte mit solcher Verbissenheit, dass er nicht bemerkte, dass Kain und Darott, welche hinter ihm gegen die feindliche Übermacht ankämpften, für ihn schon in der Dunkelheit verschwunden waren. Erschöpft stieß er seine Klinge in die Brust eines Orks, den er gerade zu Boden geworfen hatte und sah sich keuchend um. Die Laute der Schlacht drangen noch immer von allen Seiten an sein Ohr, doch sie wirkten fern und gedämpft. Um sich herum sah er nichts als dunkle Bäume, deren dichtes Blätterdach vom Mondlicht nur an wenigen Stellen durchdrungen wurde. Ein plötzliches Geräusch in seinem Rücken ließ ihn herumfahren und seinen Schild hochreißen, gerade noch rechtzeitig, um die Schulter eines Orks aufzufangen, der sich mit all seinem beachtlichen Gewicht auf den Menschen stürzte. Der Ork, welcher beabsichtigt hatte, Darius zu Boden zu werfen, stieß ein überraschtes Grunzen aus, als er Seite an Seite mit seinem menschlichen Gegner den Waldboden hinabkullerte, der an jener Stelle steil abfiel. Darius erholte sich fast zu spät von den betäubenden Schmerzen der Attacke und des darauf folgenden Sturzes, um zu merken, dass er seinen Schild verloren hatte und riss stattdessen sein Schwert hoch, als der Ork, welcher sich bereits wieder auf die Knie aufgerichtet hatte, seine Axt auf den Captain niedergehen ließ. Der gewaltige Schlag, den Darius gerade noch von sich ablenken konnte, riss ihm das Schwert aus der Hand und warf den Menschen erneut zu Boden. Gedämpft glaubte Darius das Rascheln seines Schwertes in der Dunkelheit der nahestehenden Sträucher zu vernehmen und bemühte sich, auf die Knie zu kommen. Jeden Augenblick den er darauf verwandt sich hochzustämmen, rechnete er damit, den entgültigen Schlag seines Gegners im Genick zu spüren. Als er es geschafft hatte, sich soweit aufzurichten, dass er emporblicken konnte, sah er den Ork nun in voller Größe vor sich aufragen, die gewaltige Axt hoch über die grünen, muskelbepackten Schultern erhoben. Mit einem Blick verbitterter Resignation sah er seinem Bezwinger in die Augen, in denen nun ein triumphaler Hass aufblitzte, während aus dem riesigen Maul ein ohrenbetäubender Siegesschrei drang. Das Brüllen zog sich in die Länge und wurde immer schriller, bis Darius, der einen Ork nie zuvor hatte so schreien hören, überrascht feststellen musste, dass es sich offenbar um einen Laut überwältigenden Schmerzes handelte, welchen der Ork in einem plötzlichen, kurzen Todeskampf ausstieß, bevor er der Länge nach neben Darius niederging. Erstaunt sah der Captain auf seinen Feind hinab und machte am Genick des Orks schließlich die tödliche Wunde aus. Sie musste offenbar sehr tief sein, um einen Ork auf Anhieb töten zu können, doch war sie so dünn und dermaßen präzise geführt, dass kaum Blut aus ihr drang und Darius sie in der Dunkelheit fast übersehen hätte. Nun hob der Captain, welcher sich noch immer am Boden kniend auf seine linke Hand stützte, da in seinem Schwertarm seit dem letzten Hieb des Orks ein stechender Schmerz pochte, den Blick zu jener Stelle, an der sein Gegner gestanden hatte. Seine Augen weiteten sich vor Überraschung, als er seinen Retter ins Auge fasste. Er hatte einen verirrten Soldaten der Allianz erwartet, doch die Gestalt, welche über ihm stand und mit ausdruckslosen, direkt kalten Augen, welche im Mondlicht eisgrau funkelten, auf ihn hinabsah, schien weder eine Rüstung noch eine Uniform zu tragen. Seine ganze Statur wurde von einem langen, dunklen Umhang verhüllt, welcher bis auf den Boden reichte und dessen hoher, durchgehender Kragen sein Gesicht bis knapp unter die Nase verbarg, wenn er, so wie jetzt, den Kopf gesenkt hielt. Die Waffe, die Darius das Leben gerettet hatte, war schon längst wieder unter dem Umhang verschwunden, der mit der Gestalt dieses Kriegers auch dessen Seele zu verhüllen schien. Darius fragte sich, ob es an der Dunkelheit oder seiner unvorteilhaften Position lag, dass diese Person für ihn eine so ruhige, finstere Würde ausstrahlte, gemischt mit einem Hauch der Unbesiegbarkeit. Erst auf den zweiten Blick bemerkte der Captain, dass diese Gestalt, welche nicht mehr als ein Schatten zu sein schien, wenn sie es wollte, weder besonders groß noch kräftig gebaut war. Er blickte in das Gesicht eines Jungen, welcher, wenn überhaupt, gerade erst das Mannesalter erreicht haben konnte. Das Haar trug er, wie die meisten Krieger Lordaerons, etwa schulterlang. Er vermutete wohl, dass es blond sein musste, doch im seichten Mondlicht schimmerte es in derselben matt silbrigen Farbe wie die Augen, die Darius wohl am meisten beeindruckten. Trotz des geringen Alters strahlten sie nichts von Jugendlichkeit aus und hatten wohl schon viel Tod und Leid mit angesehen. Es waren Augen, die sich keinen Illusionen hingaben und die jeden Schleier der Lüge und der Täuschung durchdringen zu können schienen. Augen, in denen sich stets nur die Wahrheit wiederspiegelte. Nur wenige Sekunden, welche Darius wie eine Ewigkeit vorkamen, verharrten die ungleichen Menschen reglos, dann wandte ihm die düstere Gestalt den Rücken zu, trat aus dem dünnen Strahl des Mondlichtes, in welchem sie gestanden hatte, und war bald darauf kaum hörbar mit den Schatten des Waldes verschmolzen. Erst jetzt bermerkte der Captain, dass er den Atem angehalten hatte und ihn ließ ihn in einem leisen Keuchen ausströmen. Die dumpfen Schmerzen, welche seinen gesamten Körper durchfahren hatten, waren verklungen, nur gegen den pochenden Schmerz in seinem Schwertarm und seine Erschöpfung musste er noch ankämpfen, als Darius sich aufrichtete und den Hang hinauftastete.
Es war schon beinahe Mittag, als die letzten verstreuten Soldaten, die diese Schlacht überlebt hatten, zum Weg zurückfanden. Sie hatten die Orks besiegt, aber fast die Hälfte der Männer war in dieser Nacht gefallen. Darius hatte diesen Morgen nicht viel gesprochen und ließ sich von Kain den gebrochenen Arm versorgen. Dieser hatte ihm berichtet, dass er und Darott auf der Suche nach ihrem Captain im Wald den Hauptteil der Fußtruppen ausgemacht haben, welcher sich erfolgreich gegen die grünhäutigen Angreifer verteidigt hatte. Mit Darotts Führung und Kains magischer Unterstützung war es ihnen schließlich gelungen, die meisten der verstreuten Soldaten wieder zu vereinen und die Feinde tief in die Wälder zurückzujagen. "Ich hätte euch in diese Schlacht führen müssen!", knurrte der Captain bitter. Kains meist ernstes Gesicht verzog sich zu einem milden Lächeln. "Mit einem gebrochenem Schwertarm wäret ihr uns nicht von Nutzen gewesen, aber wollt ihr mir nicht sagen wo ihr gesteckt habt, während wir euch suchten?" Darius blickte zu Kain auf, dann in die Wälder, welche nun grün und hell unter der mattgelben Vormittagssonne lagen. "Ich... ich bin gestürzt... von dem was danach geschah bin ich mir nicht sicher, ob ich es nicht während einer Ohnmacht geträumt habe..." Darott, der Darius vor lauter Wiedersehensfreude seine Pranke auf die Schulter schlug, fragte mit einem Grinsen: "Sagt bloß, ihr seit auch diesem Schattenkrieger in den Wäldern begegnet? Ihr solltet euch mal unter euren Männern umhören, viele von ihnen erzählen von einem jungen Kämpfer in schwarzem Umhang, der aus den Schatten kam, einige Orks tötete, und dann wieder verschwand. Mhhhhhhh...", Darott brummte nachdenklich,"Ob das nur einer war? vielleicht hätten wir diese Schlacht ohne ihn gar verloren..." "Tja,", gab Darius unwillig und ein wenig beschämt zu, "mir hat er jedenfalls das Leben gerettet. Wie steht es mit den Verwundeten?" Darotts Blick trübte sich. "Nicht viele, Orks machen keine halben Sachen." "Es sind dreiundzwanzig, die nicht mehr gehen können,", verdeutlichte Kain finster, "und bei fünf von ihnen wird sich daran auch nichts mehr ändern." Darius nickte, erhob sich und ging in die Mitte des verbliebenen Heeres, um seine Befehle zu geben. "Wir brauchen dreiundzwanzig Tragen, holt Holz aus dem Wald, beeilt euch! Danach wird weitermarschiert. Mit den Toten werden wir uns nicht belasten." Obwohl die meisten Soldaten bei dem letzten Satz des Captains merklich zusammenzuckten, machten sie sich gehorsam an die Arbeit und bereits eine Stunde später konnte der Marsch weitergehen.
naja, ich hoff ma auf ein lebenszeichen - hoffentlich hattest du auch tolle ferien