Mopzi
traumfänger
Die Idee zu dieser Geschichte kam mir durch ein Lied von ASP - Die kleine Ballade des schwarzen Schmetterlings.
Ich hab sie vor langer Zeit mal angefangen und mit diesem Lied weiter geschrieben und etwas verändert. Sie ist lange nicht perfekt, aber vielleicht gefällt sie ja trotzdem dem einen oder anderen. ^^
Sie ist übrigens etwas länger geworden, daher poste ich sie in zwei, notfalls drei Teilen.
Sie war es. Sie sollte es einfach sein. Warum? Nun, sie war hübsch, beliebt und dazu auch noch intelligent. Ja, ich weiß, das ist sehr oberflächlich betrachtet, aber was soll’s’ schon?
Sie war ein Mädchen meiner Stufe und hieß Maydlin. Sie hatte wunderschöne lange, schwarze Haare und dunkle Augen.
Ich hatte leider nur Musik und Geschichte mit ihr, aber das sollte mich nicht daran hindern, sie in den Pausen zu beobachten, so wie in dieser jetzt gerade auch.
„Schaust schon wieder nach deiner Perle?“, neckte mich ein Freund. Sein Name war Nelson. Ein typischer Footballspieler: Muskulöser Körper, braune, kurze Haare, blaue Augen und ein Lächeln wie sonst keiner. Mich wunderte es schon, dass ihm nicht die Mädchen reihenweise zu Füßen lagen. Ich jedenfalls war neidisch.
„Dich soll’s nicht stören.“, konterte ich und sank wieder auf der Bank zurück. Entspannt legte ich die Arme auf die Lehne.
Meine Kumpels und ich hockten jede Pause hier und schauten uns die Mädchen in ihren kurzen Minis an. Jede Pause dasselbe ‚Hey, Schnegge siehst du heut wieder geil aus.’ oder ‚Hey, Puppe, wie wär’s mit uns?’. Langsam gingen uns die Sprüche aus, oder eher gesagt, meinen Kumpels. Ich hatte da sowieso noch nie richtig mitgemacht.
Ich war froh, wenn die Mädchen mich auch nur mal eines Blickes würdigten. So toll wie meine Kumpels sah ich längst nicht aus. Meine braunen Haare wuschelten verwirrt auf meinem Kopf rum, meine Ohren waren zu klein und meine Augen sahen aus wie Glupschaugen und dann hatten sie auch noch so ein ekelhaftes Grün.
Ich würde nie an Maydlin rankommen.
„Hey, meine Süße!“, rief Marrey, der dritte im Bunde. Er winkte Dian zu. Sie war eine von diesen klischeeblonden Tussis. Megatitten aber nichts im Hirn. Na ja, sie war eine Freundin von uns.
„Hey, ihr drei Hübschen.“, rief sie freundlich und gab jeden einen Bussi. So war sie halt, unsere Dian. „Was haltet ihr von meinem neuen Kleid?“, frage sie aufgeregt und drehte sich im Kreis, damit wir sie von allen Seiten begutachten konnten.
„Geil! Sieht echt sexy aus an dir.“, lechzte Marrey und wäre sie am liebsten angesprungen, obwohl er es wahrscheinlich erst gesehen hatte, das sie etwas neues anhat, als sie es sagte.
Ehrlich gesagt wäre es mir auch nicht aufgefallen. Dian hat so viele Kleider und Röcke und Blusen und Hosen. Ein blaues Kleid mehr oder weniger in ihrem Schrank fällt wohl kaum auf. Vielleicht kommt sie ja demnächst an und zeigt uns ihren neuen BHs. Obwohl, lieber nicht, sonst haben wir Marrey nachher hier noch liegen.
Marrey würde man so was ehrlich gesagt eigentlich gar nicht zutrauen, das er auf so was Blondes steht. Er hat schwarze, lange Haare und ist sowieso eigentlich eher, wie sagt er, Gothic. Seltsam das alles. Nicht, das er Gothic ist, sondern das andere halt …
Da war sie wieder. Maydlin lief mit ihren Freundinnen an uns vorbei in Richtung Schulgebäude. Die Glocken hatten längst für Pausenende geläutet. Wie benommen stand ich auf und folgte den Mädchen. Die andern drei folgten mir, so wie ich es im Augenwinkel wahrnehmen konnte.
Geschichte. Vor mir saß sie. Diejenige, die ich haben wollte. Die, für die ich sterben würde. Die Prinzessin meiner Träume – wohl wahr … In meinen Träumen stand sie immer an meiner Seite und …
„Nun, Lian? Wie ist die Antwort?“ Unweigerlich musste ich feststellen, dass ich mit meinen Gedanken abgelenkt war. Also, wie war die Antwort? Mist. Mal wieder nicht aufgepasst. Nur wegen ihr, weil sie so schön und …
„Lian?“, fragte meine Lehrerin erneut.
Verdattert und peinlich gerührt schaute ich um mich um Hilfe zu erbeten.
„1945.“, flüsterte die helfende Stimme neben mir.
„1945.“, sagte ich laut und bestimmt, mir dessen sicher zu sein.
„Nein, das denke ich nicht. Der 30jährige Krieg war um einiges länger und auch viel früher.“ Mist. Natürlich musste ich jetzt das Gelächter der Klasser ertragen.
Erbost schaute ich meinen Nachbarn an. Es war Tarzan. ( Na ja, er wurde auf jedenfall so genannt. ) Gehässig schaute er auf mich herab wie auf ein Stück Scheiße, das auf seinem eingeschlagenen Weg lag.
Am liebsten würde ich mich verkriechen. Irgendwo hin, wo es dunkel und still ist und niemand lacht und man seine Ruhe hat.
Pah.
„Na? Musste Klein-Lian wieder auf meine geile Braut schielen?“, rief Tarzan laut. Hörte sich an wie ein Gorilla. Pah. Idiot.
Nichtsantwortend einfach stur an ihm vorbeigegangen. Und was war? Immer dasselbe. Er hat mir Beinchen gestellt. Das ich aber auch immer wieder drauf reinfalle. Ich Idiot.
Schnell suchte ich meine Sachen zusammen, die überall verstreut auf dem Boden lagen.
„Ei ei ei. Ein Herzchen. Nein wie süüüß!“, rief der König des Dschungels und zeigte es seinen Tieren. „M+L! Wie romantisch!“, brüllte er weiter.
Sollte er doch. Sollte er doch all seine lieben kleine Tierchen um sich versammeln und nachher dem Dummen eins auszuwischen. Wie jedes Mal: Die Masse wird vom König durchwühlt und eine Reihe Schimpf- und Schandwörter prasselt auf mich nieder. Immer dieselbe Leiher.
„Finde ich noch einmal so etwas in deinen Unterlagen, dann kannst du was erleben. Hast du mich verstandne, Freundchen?“, flüsterte er mir ins Ohr.
Uuh, nicht die alte Leiher? Schade, hatte mich schon gefreut. Nun gut, jetzt also eine Drohung.
„Wie willst du mich hindern?“, fragte ich trocken zurück.
Eine Hand klammerte sich um meinen Hals und drückte mich gegen die Spinds.
„Ich mache keine Scherze!“, rief der König und seine Tiere bejubelten ihn.
Schwer keuchend wurde ich dann zu Boden gelassen. Luft. Ich japste und Tränen stiegen mir in die Augen. Na toll. Hatte ich mich nicht schon genug blamiert? Musste ich jetzt auch noch heulen?
Und das alles vor den Augen meiner Angebeteten. Ich seufzte.
„Jetzt heult er auch noch!“, rief Tarzan und beömmelte sich fast vor lachen. Tse, Blödmann. Das ich die Tränen aber auch nicht unterdrücken konnte.
„Das reicht aber jetzt!“, rief Nelson.
Hurra, meine Rettung kam. Nur ein bisschen spät, wie ich fand.
Tarzan plus Bande verschwanden.
„Alles ok?“, fragte mich Nelson. Genervt setzte ich mich auf.
„Ugah-ugah!“, sagte ich laut in Tarzans Richtung. Zum Glück hörte er mich nicht mehr.
Fertig. Fertig mit mir und der Welt. Warum konnte nicht einmal nichts passieren, was für mich peinlich, schmerzvoll oder sonst wie endete.
„Noch ist alles dran.“, meinte ich nur und stand auf.
Zu Hause kam meine Mutter mir auch nicht gerade freundlich entgegen.
„Mach mal dein Zimmer sauber und bei Gelegenheit kannst du auch noch mal die Garage aufräumen.“ Ja, guten Tag Mutter, mein Tag war sehr schön.
Wenn ich jetzt könnte, würde ich platzen. Na ja, aber wie ich meine Mutter kenne, würde sie alles erdenkliche Versuchen, mich wieder zu beleben. Schließlich würde sie niemals die ganze Sauerei wegmachen.
Tu dies tu das. Mensch, ich hab auch noch was anderes zu tun als hinter Paps herzuräumen. Ach was, ‚Paps’, alter Sack passt wohl besser. Bier saufend vor der Flimmerkiste und immer nach Pizza schreiend.
Tür zu tauche ich ein in eine neue Welt – meine Welt! Endlich daheim.
Der Rechner läuft noch, genau wie ich ihn heute Morgen zurückgelassen hatte. Gut.
Meine Computerspiele waren schon längst alle veraltet, aber woher sollte ich das Geld für neue nehmen? Trotzdem spielte ich sie immer noch ganz gerne.
Natürlich kostete mich das dann den ganzen Tag und ich schaute erst abends wieder auf die Uhr um zu merken, das schon längst nach Mitternacht war. Zum wiederholten Mal an diesem Tag seufzte ich.
Mühselig schleppte ich mich ins Bett und schlief prompt ein.
In der Nacht quälten mich mehrere unruhigen Gedanken, denn ich wachte des Öfteren auf. Und mehrmals hatte ich vage Erinnerungen an einen Knäuel. Einem Knäuel aus Fell, der sich rhythmisch mit meinem Atem bewegte.
Ich schaute auf die Uhr: 3:16.
Erneut versuchte ich einzuschlafen, aber meine Gedanken rasten und gaben mir einfach keine Ruhe. Immer wieder hatte ich Bilder von diesem Fellknäuel vor Augen. Was oder wer war das? Und warum zum Donnerwetter noch mal kam er in meinen Träumen vor?
Ich bin’s doch nur.
In meinem Kopf war eine Stimme. Merkwürdig klang sie. Plötzliche Bilder tauchten wieder vor mir auf. Es war der Knäuel. Langsam nahm er Form an und ein Kopf erhob sich.
Wie im Traum stand ich plötzlich vor diesem Ding. Seine schwarzen Augen schauten treu zu mir hinüber. Füße schien das Ding keine zu haben. Nur eine Art Schlangenkörper mit langem hundeartigem Fell. Sein Kopf erinnerte da schon eher an einen Wolf, mit den langen Spitzen Eckzähnen.
Ängstlich und auch ein wenig nervös schaute ich das Tier ( nun ja, es hatte allen Anschein, doch eins zu sein, nur welches? ) an und dann den Raum in dem wir uns befanden. Zu meinem Schreck, standen wir wohl in einer Art ‚Nichts’. Es war dunkel, ja eigentlich total schwarz; über, neben und unter uns. Woher das Licht kam, welches uns beide erhellte war mir schleierhaft, und das einzige, was ich wusste war, das ich hier ganz schnell wieder wegwollte.
Das Tier rollte mit seinen pechschwarzen Augen, und das einzige, woran ich dies erkennen konnte, waren die Lichtstrahlen, die sich kurze Zeit anders brachen.
Schließlich entrollte sich das Tier vor mir und schlängelte durch das Dunkel, über und unter mir hinweg.
Als ich nach unten schaute, wurde mir schwindelig. Wie im Weltraum kam ich mit vor. Schwerelos. Einfach losgelöst vom Boden. Vorsichtig setzte ich einen Schritt nach vorne. Nichts tat sich. Ich war wie gefesselt.
Nein. Dies ist meine Welt. Du kannst dich nicht bewegen.
„In deiner Welt? Was hat das zu bedeuten? Und wer oder was bist du eigentlich?“, fragte ich leise und wäre am liebsten umgekippt, wenn dies gegangen wäre, als sein Kopf plötzlich meine Schulter streifte.
Nennen wir es doch deine Welt. Ich habe sie mir nur geborgt.
„Wie?“ Ich verstand gar nichts mehr. Seine Welt, meine Welt. Wieso sprach dieses Vieh überhaupt?
Wieder schlängelte es sich mit seinem eigenartigem Körper dicht vor mir her. Vorsichtig berührte ich es. Sein seidenglattes Fell glitt mühelos durch meine Finger.
„Wer bist du?“
Dein Freund.
Erschrocken richtete ich mich auf. Zu meiner Überraschung lag ich in meinem Bett. Brav zugedeckt. Mein Wecker klingelte. Durch die Rollladen kamen die ersten Sonnenstrahlen.
Zweifelnd dachte ich an meinen letzten Traum, der doch sehr eigenartig war. Dieses schlängelnde Tier wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Schläfrig schaute ich auf meinen Schreibtisch, der von dem wenigen Licht erhellt wurde.
Nur mühsam konnte ich einen Schrei unterdrücken. Mir wurde schwindelig und auch leicht übel. Blut konnte ich nicht sehen, und genau das war dort. Ein Messer, blutüberströmt, lag auf meinem Schreibtisch.
Wie war es dorthin gekommen? Wer hat es dorthin gelegt? Und vor allem, wessen Blut ist das?
In einem Anflug von Panik riss ich mir die Sachen vom Leib um doch erleichtert feststellen zu können, dass es nicht von mir stammte. Doch als ich die Bettdecke beiseite räumte, legte ich mehrere Blutflecken frei.
Also doch ich? Ich fühlte mit den Händen darüber uns sah, das sie vom Blut verklebt waren.
Was war hier los? Wieso war Blut an meinen Händen? Und an dem Messer …
„LIAN! KOMM SOFORT RUNTER!“, brüllte meine Mutter von unten. Schnell nahm ich das Messer und packte es in eine Schublade. Notdürftig versuchte ich mit einem feuchten Tuch das Blut von meinen Händen zu bekommen.
„Was?“, fragte ich laut, als ich die Treppe nach unten lief. Ach ja, hatte ja gestern nicht die Garage aufgeräumt. Und Paps hatte ich auch vergessen zu wecken und ins Bett zu schicken.
„Die Garage räum ich nachher noch auf. Hab es gestern nicht mehr geschafft.“, versuchte ich meine Mutter zu beruhigen. Doch als ich die Küche betrat, wusste ich, warum sie mich gerufen hatte.
Die Küche war voll gespritzt mit Blut. Die Decke, die Schränke, der Boden, die Wände. Einfach alles.
Ich schaute meine Mutter an. In ihren Augen stand das Grauen. Noch nie hatte ich sie so furchtsam gesehen und so dermaßen am Zittern. Doch den Grund sah ich schon kurz darauf.
Hinter dem Küchentisch lag ein Oberkörper. Mir wurde schlecht. Speiübel. Ein Torso. Ohne Kopf. Eine riesige Blutlache. Wo war der Rest? Ich wollte es nicht wissen. Schnell rannte ich nach draußen und entleerte mich in einem Busch. Scheiße, was für ein Morgen.
„Ich … ich muss die Polizei rufen.“, stotterte meine Mutter. Ja genau: Hey, ich hab hier n Oberkörper in meiner Küche liegen. Könn’se den vielleicht mal abholen?
Bei dem Gedanken kam gleich die nächste Ladung und wieder reiherte ich alles voll.
Wo war Paps eigentlich? ( Ha, schon komisch, das ich genau an ihn denken muss, wenn ich kotze … )
Nervös wählte meine Mutter die Nummer der Bullen. Ich währenddessen machte einen großen Bogen um die Küche und ging wieder nach oben. Schnell wollte ich meine Sachen nehmen und zur Schule gehen, doch da musste ich wieder an das Messer denken. Die Polizei würde mich doch glatt als Täter darstellen, wenn die das finden würden.
Also packte ich es ein und nahm es mit. Wohin sonst damit? Als ich es gerade in Tücher einwickelte, bemerkte es, das es eins unserer Messer war. Es war das große Küchenmesser, welches meine Mutter oft nahm, um Braten klein zu schneiden, oder so.
Hilfe, meine Mutter wird das irgendwann merken … und dann komm ich. Die Polizei wird zur Schule kommen und mich ausfragen. Himmel!
Egal. Jetzt muss es erstmal weg. Und die Blutflecken? Nun, die auch. Schon wieder diese Übelkeit und dieses Kribbeln. Will nicht.
Nervös und anscheinend leichenblass betrat ich das Schulgelände und kam zu meinen Freunden. Still und andächtig saßen sie da, schauten nicht mal auf, als ich grüßte. Nur ein kleines ‚Hi’ würgten sie hervor. Was war los? Wer hatte nun die halbe Leiche in der Küche? Die oder ich?
„Du glaubst gar nicht, was heute morgen bei uns in der Küche lag …“, flüsterte Nelson gequält. Er schluckte ein paar Mal.
„Was denn?“, fragte ich ihn und wurde neugierig.
„Ein … ein Arm. Einfach nur ein Arm.“, sagte er und würgte ein paar Mal. „Marrey, erzähls’ ihm.“, forderte er den armen Kerl auf, der keuchend auf der Bank saß, seine Hände über den Kopf und auf den Boden schauend.
„Ein … BEIN!“ Ok. Da hätten wir also die eine Hälfte von dem Körper.
„Das Beste kommt aber noch!“, flüsterte Marrey. „Maydlin … bei ihr … sie, sie … sie fand einen Kopf – Tarzans Kopf! Er war eingehüllt … wie ein Kokon.“
Mir wurde mal wieder speiübel und ich musste zum dritten Mal an diesem Morgen meinen leeren Magen entleeren in einem Gebüsch.
Ein Schauer lief mir über den Rücken. Abartig.
Der Unterricht an diesem Morgen fand kaum statt, da überall bedrückte Stimmung herrschte. Auch ich konnte mich nicht recht konzentrieren, denn ich musste immer wieder an all das Blut und diese halbe Leiche in der Küche denken und immer wieder hoffte ich, dass die Polizei alles beiseite geschafft hatte, ehe ich nach Hause kam.
Ich bin dein Freund.
Schon wieder diese Stimme aus meinem Traum. Lass mich in Ruhe!
Ein leerer Blick in den Spiegel. Halb kaputt und verschmiert. Die Putzfrau hat vor langem gekündigt und seitdem kam noch keine Neue. Die Toiletten sehen wirklich versifft aus.
Seufzend schließe ich die Tür zum Klo ab und klapp den Deckel hoch.
Ich bin immer bei dir.
„Waah, lass mich. Ich will jetzt nur mal in Ruhe scheiße, ok? Also, kusch, kusch!“ Langsam nervte das echt. Warum höre ich das überhaupt. Sollte ich deswegen mal zum Psychiater gehen oder so? Ich mein, normal ist das ja nicht. Ob schon mal jemand von seinem Traum verfolgt wurde und Stimmen hörte?
„Seit wann führst du Selbstgespräche auf dem Klo?“, neckte mich auf einmal jemand – Nelson. Wer sonst?
„Nein.“, bemerkte ich dazu nur. Leicht säuerlich versuchte ich solange sitzen zu bleiben, bis er wieder verschwunden war.
Schwindelgefühle benebelten meinen Verstand. Ich merkte, wie ich zur Seite kippte und es nicht verhindern konnte. Dann war alles dunkel um mich rum.
So ähnlich wie in dem Traum.
Ich hab sie vor langer Zeit mal angefangen und mit diesem Lied weiter geschrieben und etwas verändert. Sie ist lange nicht perfekt, aber vielleicht gefällt sie ja trotzdem dem einen oder anderen. ^^
Sie ist übrigens etwas länger geworden, daher poste ich sie in zwei, notfalls drei Teilen.
Das Tier in dir
Sie war es. Sie sollte es einfach sein. Warum? Nun, sie war hübsch, beliebt und dazu auch noch intelligent. Ja, ich weiß, das ist sehr oberflächlich betrachtet, aber was soll’s’ schon?
Sie war ein Mädchen meiner Stufe und hieß Maydlin. Sie hatte wunderschöne lange, schwarze Haare und dunkle Augen.
Ich hatte leider nur Musik und Geschichte mit ihr, aber das sollte mich nicht daran hindern, sie in den Pausen zu beobachten, so wie in dieser jetzt gerade auch.
„Schaust schon wieder nach deiner Perle?“, neckte mich ein Freund. Sein Name war Nelson. Ein typischer Footballspieler: Muskulöser Körper, braune, kurze Haare, blaue Augen und ein Lächeln wie sonst keiner. Mich wunderte es schon, dass ihm nicht die Mädchen reihenweise zu Füßen lagen. Ich jedenfalls war neidisch.
„Dich soll’s nicht stören.“, konterte ich und sank wieder auf der Bank zurück. Entspannt legte ich die Arme auf die Lehne.
Meine Kumpels und ich hockten jede Pause hier und schauten uns die Mädchen in ihren kurzen Minis an. Jede Pause dasselbe ‚Hey, Schnegge siehst du heut wieder geil aus.’ oder ‚Hey, Puppe, wie wär’s mit uns?’. Langsam gingen uns die Sprüche aus, oder eher gesagt, meinen Kumpels. Ich hatte da sowieso noch nie richtig mitgemacht.
Ich war froh, wenn die Mädchen mich auch nur mal eines Blickes würdigten. So toll wie meine Kumpels sah ich längst nicht aus. Meine braunen Haare wuschelten verwirrt auf meinem Kopf rum, meine Ohren waren zu klein und meine Augen sahen aus wie Glupschaugen und dann hatten sie auch noch so ein ekelhaftes Grün.
Ich würde nie an Maydlin rankommen.
„Hey, meine Süße!“, rief Marrey, der dritte im Bunde. Er winkte Dian zu. Sie war eine von diesen klischeeblonden Tussis. Megatitten aber nichts im Hirn. Na ja, sie war eine Freundin von uns.
„Hey, ihr drei Hübschen.“, rief sie freundlich und gab jeden einen Bussi. So war sie halt, unsere Dian. „Was haltet ihr von meinem neuen Kleid?“, frage sie aufgeregt und drehte sich im Kreis, damit wir sie von allen Seiten begutachten konnten.
„Geil! Sieht echt sexy aus an dir.“, lechzte Marrey und wäre sie am liebsten angesprungen, obwohl er es wahrscheinlich erst gesehen hatte, das sie etwas neues anhat, als sie es sagte.
Ehrlich gesagt wäre es mir auch nicht aufgefallen. Dian hat so viele Kleider und Röcke und Blusen und Hosen. Ein blaues Kleid mehr oder weniger in ihrem Schrank fällt wohl kaum auf. Vielleicht kommt sie ja demnächst an und zeigt uns ihren neuen BHs. Obwohl, lieber nicht, sonst haben wir Marrey nachher hier noch liegen.
Marrey würde man so was ehrlich gesagt eigentlich gar nicht zutrauen, das er auf so was Blondes steht. Er hat schwarze, lange Haare und ist sowieso eigentlich eher, wie sagt er, Gothic. Seltsam das alles. Nicht, das er Gothic ist, sondern das andere halt …
Da war sie wieder. Maydlin lief mit ihren Freundinnen an uns vorbei in Richtung Schulgebäude. Die Glocken hatten längst für Pausenende geläutet. Wie benommen stand ich auf und folgte den Mädchen. Die andern drei folgten mir, so wie ich es im Augenwinkel wahrnehmen konnte.
Geschichte. Vor mir saß sie. Diejenige, die ich haben wollte. Die, für die ich sterben würde. Die Prinzessin meiner Träume – wohl wahr … In meinen Träumen stand sie immer an meiner Seite und …
„Nun, Lian? Wie ist die Antwort?“ Unweigerlich musste ich feststellen, dass ich mit meinen Gedanken abgelenkt war. Also, wie war die Antwort? Mist. Mal wieder nicht aufgepasst. Nur wegen ihr, weil sie so schön und …
„Lian?“, fragte meine Lehrerin erneut.
Verdattert und peinlich gerührt schaute ich um mich um Hilfe zu erbeten.
„1945.“, flüsterte die helfende Stimme neben mir.
„1945.“, sagte ich laut und bestimmt, mir dessen sicher zu sein.
„Nein, das denke ich nicht. Der 30jährige Krieg war um einiges länger und auch viel früher.“ Mist. Natürlich musste ich jetzt das Gelächter der Klasser ertragen.
Erbost schaute ich meinen Nachbarn an. Es war Tarzan. ( Na ja, er wurde auf jedenfall so genannt. ) Gehässig schaute er auf mich herab wie auf ein Stück Scheiße, das auf seinem eingeschlagenen Weg lag.
Am liebsten würde ich mich verkriechen. Irgendwo hin, wo es dunkel und still ist und niemand lacht und man seine Ruhe hat.
Pah.
„Na? Musste Klein-Lian wieder auf meine geile Braut schielen?“, rief Tarzan laut. Hörte sich an wie ein Gorilla. Pah. Idiot.
Nichtsantwortend einfach stur an ihm vorbeigegangen. Und was war? Immer dasselbe. Er hat mir Beinchen gestellt. Das ich aber auch immer wieder drauf reinfalle. Ich Idiot.
Schnell suchte ich meine Sachen zusammen, die überall verstreut auf dem Boden lagen.
„Ei ei ei. Ein Herzchen. Nein wie süüüß!“, rief der König des Dschungels und zeigte es seinen Tieren. „M+L! Wie romantisch!“, brüllte er weiter.
Sollte er doch. Sollte er doch all seine lieben kleine Tierchen um sich versammeln und nachher dem Dummen eins auszuwischen. Wie jedes Mal: Die Masse wird vom König durchwühlt und eine Reihe Schimpf- und Schandwörter prasselt auf mich nieder. Immer dieselbe Leiher.
„Finde ich noch einmal so etwas in deinen Unterlagen, dann kannst du was erleben. Hast du mich verstandne, Freundchen?“, flüsterte er mir ins Ohr.
Uuh, nicht die alte Leiher? Schade, hatte mich schon gefreut. Nun gut, jetzt also eine Drohung.
„Wie willst du mich hindern?“, fragte ich trocken zurück.
Eine Hand klammerte sich um meinen Hals und drückte mich gegen die Spinds.
„Ich mache keine Scherze!“, rief der König und seine Tiere bejubelten ihn.
Schwer keuchend wurde ich dann zu Boden gelassen. Luft. Ich japste und Tränen stiegen mir in die Augen. Na toll. Hatte ich mich nicht schon genug blamiert? Musste ich jetzt auch noch heulen?
Und das alles vor den Augen meiner Angebeteten. Ich seufzte.
„Jetzt heult er auch noch!“, rief Tarzan und beömmelte sich fast vor lachen. Tse, Blödmann. Das ich die Tränen aber auch nicht unterdrücken konnte.
„Das reicht aber jetzt!“, rief Nelson.
Hurra, meine Rettung kam. Nur ein bisschen spät, wie ich fand.
Tarzan plus Bande verschwanden.
„Alles ok?“, fragte mich Nelson. Genervt setzte ich mich auf.
„Ugah-ugah!“, sagte ich laut in Tarzans Richtung. Zum Glück hörte er mich nicht mehr.
Fertig. Fertig mit mir und der Welt. Warum konnte nicht einmal nichts passieren, was für mich peinlich, schmerzvoll oder sonst wie endete.
„Noch ist alles dran.“, meinte ich nur und stand auf.
Zu Hause kam meine Mutter mir auch nicht gerade freundlich entgegen.
„Mach mal dein Zimmer sauber und bei Gelegenheit kannst du auch noch mal die Garage aufräumen.“ Ja, guten Tag Mutter, mein Tag war sehr schön.
Wenn ich jetzt könnte, würde ich platzen. Na ja, aber wie ich meine Mutter kenne, würde sie alles erdenkliche Versuchen, mich wieder zu beleben. Schließlich würde sie niemals die ganze Sauerei wegmachen.
Tu dies tu das. Mensch, ich hab auch noch was anderes zu tun als hinter Paps herzuräumen. Ach was, ‚Paps’, alter Sack passt wohl besser. Bier saufend vor der Flimmerkiste und immer nach Pizza schreiend.
Tür zu tauche ich ein in eine neue Welt – meine Welt! Endlich daheim.
Der Rechner läuft noch, genau wie ich ihn heute Morgen zurückgelassen hatte. Gut.
Meine Computerspiele waren schon längst alle veraltet, aber woher sollte ich das Geld für neue nehmen? Trotzdem spielte ich sie immer noch ganz gerne.
Natürlich kostete mich das dann den ganzen Tag und ich schaute erst abends wieder auf die Uhr um zu merken, das schon längst nach Mitternacht war. Zum wiederholten Mal an diesem Tag seufzte ich.
Mühselig schleppte ich mich ins Bett und schlief prompt ein.
In der Nacht quälten mich mehrere unruhigen Gedanken, denn ich wachte des Öfteren auf. Und mehrmals hatte ich vage Erinnerungen an einen Knäuel. Einem Knäuel aus Fell, der sich rhythmisch mit meinem Atem bewegte.
Ich schaute auf die Uhr: 3:16.
Erneut versuchte ich einzuschlafen, aber meine Gedanken rasten und gaben mir einfach keine Ruhe. Immer wieder hatte ich Bilder von diesem Fellknäuel vor Augen. Was oder wer war das? Und warum zum Donnerwetter noch mal kam er in meinen Träumen vor?
Ich bin’s doch nur.
In meinem Kopf war eine Stimme. Merkwürdig klang sie. Plötzliche Bilder tauchten wieder vor mir auf. Es war der Knäuel. Langsam nahm er Form an und ein Kopf erhob sich.
Wie im Traum stand ich plötzlich vor diesem Ding. Seine schwarzen Augen schauten treu zu mir hinüber. Füße schien das Ding keine zu haben. Nur eine Art Schlangenkörper mit langem hundeartigem Fell. Sein Kopf erinnerte da schon eher an einen Wolf, mit den langen Spitzen Eckzähnen.
Ängstlich und auch ein wenig nervös schaute ich das Tier ( nun ja, es hatte allen Anschein, doch eins zu sein, nur welches? ) an und dann den Raum in dem wir uns befanden. Zu meinem Schreck, standen wir wohl in einer Art ‚Nichts’. Es war dunkel, ja eigentlich total schwarz; über, neben und unter uns. Woher das Licht kam, welches uns beide erhellte war mir schleierhaft, und das einzige, was ich wusste war, das ich hier ganz schnell wieder wegwollte.
Das Tier rollte mit seinen pechschwarzen Augen, und das einzige, woran ich dies erkennen konnte, waren die Lichtstrahlen, die sich kurze Zeit anders brachen.
Schließlich entrollte sich das Tier vor mir und schlängelte durch das Dunkel, über und unter mir hinweg.
Als ich nach unten schaute, wurde mir schwindelig. Wie im Weltraum kam ich mit vor. Schwerelos. Einfach losgelöst vom Boden. Vorsichtig setzte ich einen Schritt nach vorne. Nichts tat sich. Ich war wie gefesselt.
Nein. Dies ist meine Welt. Du kannst dich nicht bewegen.
„In deiner Welt? Was hat das zu bedeuten? Und wer oder was bist du eigentlich?“, fragte ich leise und wäre am liebsten umgekippt, wenn dies gegangen wäre, als sein Kopf plötzlich meine Schulter streifte.
Nennen wir es doch deine Welt. Ich habe sie mir nur geborgt.
„Wie?“ Ich verstand gar nichts mehr. Seine Welt, meine Welt. Wieso sprach dieses Vieh überhaupt?
Wieder schlängelte es sich mit seinem eigenartigem Körper dicht vor mir her. Vorsichtig berührte ich es. Sein seidenglattes Fell glitt mühelos durch meine Finger.
„Wer bist du?“
Dein Freund.
Erschrocken richtete ich mich auf. Zu meiner Überraschung lag ich in meinem Bett. Brav zugedeckt. Mein Wecker klingelte. Durch die Rollladen kamen die ersten Sonnenstrahlen.
Zweifelnd dachte ich an meinen letzten Traum, der doch sehr eigenartig war. Dieses schlängelnde Tier wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Schläfrig schaute ich auf meinen Schreibtisch, der von dem wenigen Licht erhellt wurde.
Nur mühsam konnte ich einen Schrei unterdrücken. Mir wurde schwindelig und auch leicht übel. Blut konnte ich nicht sehen, und genau das war dort. Ein Messer, blutüberströmt, lag auf meinem Schreibtisch.
Wie war es dorthin gekommen? Wer hat es dorthin gelegt? Und vor allem, wessen Blut ist das?
In einem Anflug von Panik riss ich mir die Sachen vom Leib um doch erleichtert feststellen zu können, dass es nicht von mir stammte. Doch als ich die Bettdecke beiseite räumte, legte ich mehrere Blutflecken frei.
Also doch ich? Ich fühlte mit den Händen darüber uns sah, das sie vom Blut verklebt waren.
Was war hier los? Wieso war Blut an meinen Händen? Und an dem Messer …
„LIAN! KOMM SOFORT RUNTER!“, brüllte meine Mutter von unten. Schnell nahm ich das Messer und packte es in eine Schublade. Notdürftig versuchte ich mit einem feuchten Tuch das Blut von meinen Händen zu bekommen.
„Was?“, fragte ich laut, als ich die Treppe nach unten lief. Ach ja, hatte ja gestern nicht die Garage aufgeräumt. Und Paps hatte ich auch vergessen zu wecken und ins Bett zu schicken.
„Die Garage räum ich nachher noch auf. Hab es gestern nicht mehr geschafft.“, versuchte ich meine Mutter zu beruhigen. Doch als ich die Küche betrat, wusste ich, warum sie mich gerufen hatte.
Die Küche war voll gespritzt mit Blut. Die Decke, die Schränke, der Boden, die Wände. Einfach alles.
Ich schaute meine Mutter an. In ihren Augen stand das Grauen. Noch nie hatte ich sie so furchtsam gesehen und so dermaßen am Zittern. Doch den Grund sah ich schon kurz darauf.
Hinter dem Küchentisch lag ein Oberkörper. Mir wurde schlecht. Speiübel. Ein Torso. Ohne Kopf. Eine riesige Blutlache. Wo war der Rest? Ich wollte es nicht wissen. Schnell rannte ich nach draußen und entleerte mich in einem Busch. Scheiße, was für ein Morgen.
„Ich … ich muss die Polizei rufen.“, stotterte meine Mutter. Ja genau: Hey, ich hab hier n Oberkörper in meiner Küche liegen. Könn’se den vielleicht mal abholen?
Bei dem Gedanken kam gleich die nächste Ladung und wieder reiherte ich alles voll.
Wo war Paps eigentlich? ( Ha, schon komisch, das ich genau an ihn denken muss, wenn ich kotze … )
Nervös wählte meine Mutter die Nummer der Bullen. Ich währenddessen machte einen großen Bogen um die Küche und ging wieder nach oben. Schnell wollte ich meine Sachen nehmen und zur Schule gehen, doch da musste ich wieder an das Messer denken. Die Polizei würde mich doch glatt als Täter darstellen, wenn die das finden würden.
Also packte ich es ein und nahm es mit. Wohin sonst damit? Als ich es gerade in Tücher einwickelte, bemerkte es, das es eins unserer Messer war. Es war das große Küchenmesser, welches meine Mutter oft nahm, um Braten klein zu schneiden, oder so.
Hilfe, meine Mutter wird das irgendwann merken … und dann komm ich. Die Polizei wird zur Schule kommen und mich ausfragen. Himmel!
Egal. Jetzt muss es erstmal weg. Und die Blutflecken? Nun, die auch. Schon wieder diese Übelkeit und dieses Kribbeln. Will nicht.
Nervös und anscheinend leichenblass betrat ich das Schulgelände und kam zu meinen Freunden. Still und andächtig saßen sie da, schauten nicht mal auf, als ich grüßte. Nur ein kleines ‚Hi’ würgten sie hervor. Was war los? Wer hatte nun die halbe Leiche in der Küche? Die oder ich?
„Du glaubst gar nicht, was heute morgen bei uns in der Küche lag …“, flüsterte Nelson gequält. Er schluckte ein paar Mal.
„Was denn?“, fragte ich ihn und wurde neugierig.
„Ein … ein Arm. Einfach nur ein Arm.“, sagte er und würgte ein paar Mal. „Marrey, erzähls’ ihm.“, forderte er den armen Kerl auf, der keuchend auf der Bank saß, seine Hände über den Kopf und auf den Boden schauend.
„Ein … BEIN!“ Ok. Da hätten wir also die eine Hälfte von dem Körper.
„Das Beste kommt aber noch!“, flüsterte Marrey. „Maydlin … bei ihr … sie, sie … sie fand einen Kopf – Tarzans Kopf! Er war eingehüllt … wie ein Kokon.“
Mir wurde mal wieder speiübel und ich musste zum dritten Mal an diesem Morgen meinen leeren Magen entleeren in einem Gebüsch.
Ein Schauer lief mir über den Rücken. Abartig.
Der Unterricht an diesem Morgen fand kaum statt, da überall bedrückte Stimmung herrschte. Auch ich konnte mich nicht recht konzentrieren, denn ich musste immer wieder an all das Blut und diese halbe Leiche in der Küche denken und immer wieder hoffte ich, dass die Polizei alles beiseite geschafft hatte, ehe ich nach Hause kam.
Ich bin dein Freund.
Schon wieder diese Stimme aus meinem Traum. Lass mich in Ruhe!
Ein leerer Blick in den Spiegel. Halb kaputt und verschmiert. Die Putzfrau hat vor langem gekündigt und seitdem kam noch keine Neue. Die Toiletten sehen wirklich versifft aus.
Seufzend schließe ich die Tür zum Klo ab und klapp den Deckel hoch.
Ich bin immer bei dir.
„Waah, lass mich. Ich will jetzt nur mal in Ruhe scheiße, ok? Also, kusch, kusch!“ Langsam nervte das echt. Warum höre ich das überhaupt. Sollte ich deswegen mal zum Psychiater gehen oder so? Ich mein, normal ist das ja nicht. Ob schon mal jemand von seinem Traum verfolgt wurde und Stimmen hörte?
„Seit wann führst du Selbstgespräche auf dem Klo?“, neckte mich auf einmal jemand – Nelson. Wer sonst?
„Nein.“, bemerkte ich dazu nur. Leicht säuerlich versuchte ich solange sitzen zu bleiben, bis er wieder verschwunden war.
Schwindelgefühle benebelten meinen Verstand. Ich merkte, wie ich zur Seite kippte und es nicht verhindern konnte. Dann war alles dunkel um mich rum.
So ähnlich wie in dem Traum.
