25 Jahre

MajinKayII

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25 Jahre




Wir schreiben den 28. August 2026.
25 Jahre und einen Tag seit dem Start von DBZ im deutschen Fernsehen.

I. Am. Still. Here.
WTF happened?

Auf der einen Seite erscheint es mir wie ein verdammtes Wunder. Ich bin immer noch hier. Hier, im Another Dimension Board. Und das nach einem Vierteljahrhundert. In diesem Relikt des „alten“ Internets, diesem Precursor der sozialen Medien, welches wie keine andere Seite im WWW meine späten Teenagerjahre und frühen Zwanziger geprägt hat. Ein digitaler Zeitzeuge dessen, wie früher einmal soziale Online-Interaktion ausgesehen hat und ein stilles Denkmal über die Tatsache, wie weit wir uns davon mittlerweile entfernt haben.

Ich vermisse das „alte“ Internet, einfach, weil es die Imagination so viel deutlicher gefordert hat, als es heute noch Standard ist. Anfang der 00er war Bandbreite eine relativ begrenzte Sache und die gesamte Infrastruktur des Netzes noch nicht darauf ausgelegt, dass wir im persönlichen Bereich Gigabyte von Daten - hauptsächlich Medien - herumschicken. Das Format .mp3 war eine Revolution, weil es erstmals Audio in ein Komprimierung packen konnte, die sinnvoll über Dial-In oder ADSL geteilt werden konnte. Bilder im Format .jpg taten dasselbige für visuelle Medien, wenngleich die Live-Ansicht auf Seiten oftmals mit einem Schicht-für-Schicht Aufbau des Bildes und den damit verbundenen Wartezeiten kombiniert war. Für Videos brauchte es noch einige Jahre, bis Technik und Infrastruktur soweit waren, auch für bewegte Bilder passende Transportmedien bereitzustellen.

In der Zeit davor war das Internet in erster Linie das T von HTML - Text. Text, welcher von prägnanten Grafiken und/oder diversen knappen Audiospuren verfeinert wurde, aber in erster Linie mal Text. Diesen musste man Lesen und beim Lesen entstand dabei das Kopfkino, welches den Text in unsere Vorstellung übersetze. Anders ausgedrückt: meine Vorstellung über eine gewisse Seite im Netz konnte sich fundamental von eurer Vorstellung unterscheiden - je nachdem, was die eigene Imagination daraus machte. Ein kleines Beispiel?



Oh mein Gott, was habe ich diesen Blog, diese Geschichten über einen Amerikaner, der mit einem Austauschprogramm nach Japan gekommen ist, um dort Englisch an Mittelschulen zu unterrichten, geliebt. Der ganz normale Wahnsinn des Kulturschocks, erzählt aus erster Hand in reiner Textform. Im Originalen Blog gab es vielleicht alle paar Monate mal das eine oder andere Foto, um gewisse Dinge zu unterstreichen, aber unterm Strich kam diese Form des Entertainment vollkommen ohne visuelle Hilfsmittel aus. Wie auch:



Ich gebe zu, hier haben wir eine Seite, deren Humor in eine ziemliche Nische geht, die vermutlich noch kleiner ist als die des Englischlehrers in Japan. Es ist nerdy. Sehr nerdy. Aber es ist eine unglaubliche Momentaufnahme einer Zeit, in der IRC Communities noch eine sehr beständige Sache waren. Noch vor Plattformen wie Discord war das IRC Netzwerk schlichtweg die Technologie, damit viele unterschiedliche Personen gleichzeitig einen Chatroom hosten konnten. Es ist schwer zu sagen, wie viele Nächte ich mir um die Ohren geschlagen habe, weil die Gespräche so intensiv, so gut waren, dass ein Ausloggen einfach nicht möglich war. Diese Gespräche vermisse ich sehr und bash ist für mich selbst ein Denkmal an diese Zeit von vor zwei Jahrzehnten.

Doch ich denke, das beste Beispiel finden wir tatsächlich hier. In den Subforen Fanfictions aber auch RPGs findet man tausende Seiten Text von Usern, die die Kunst des Kopfkinos in vielen aktiven Jahren perfektioniert haben. Geschichten, die in Stunden unbezahlter Arbeit zu digitalem Papier gebracht wurden und nach wie vor GRATIS hier zu finden sind. Ohne Abo, ohne Paywall. Free - Forever. Oder zumindest, solange diese Hallen hier noch stehen werden. Eigentlich eine undenkbare Sache, wenn wir den aktuellen IST-Zustand des weltweiten Netzes betrachten wollen.

Alles ist anders geworden. Das Internet fühlt sich anders an.

Als ich vor 13 Jahren den ersten Post dieser Art hier ins Forum gestellt habe, hatte die Nostalgie ein warmes, schönes Gefühl in mir verbreitet. In gewisser Hinsicht tut sie das immer noch, doch eine weitere, viel kältere Schicht ist hinzugekommen, die mir in den letzen Jahren ein wenig wie ein Stein im Magen liegt und mich sehr nachdenklich stimmt. Manchmal sogar recht bitter.

Ich sehe meine ersten digitalen Gehversuche in der ersten Generation des Netzes beheimatet, welches sich etwa um die Jahrtausendwende herum praktisch vor meinen Augen zum Internet 2.0 weiterentwickelt hat. Aus lesen wurde plötzlich lesen und schreiben und das Wort Community wurde im Deutschen immer öfter hergenommen. Es war dieser, mittlerweile so surreal anmutende, Traum, irgendwann einmal in den Jahren zwischen 2002 und 2008, in denen das Internet echt cool war und die ersten Sozialen Medien aufgekommen sind, aber noch nicht den Prozess der Entshitification gestartet hatten. In der man noch in eine positive, optimistische Zukunft sehen wollte, in der das Internet die Menschheit einfach nur näher zusammenrücken lässt. Es war eine schöne Zeit - speziell in Retrospektive.

Aber ich will nicht die Stimmung vollkommen auf den Boden bringen. Ganz im Gegenteil sogar. Umso mieser die meisten Ecken im Netz werden und umso mehr die Wirtschaft darauf hinausläuft, einem die letzten paar Euro mit dem nächsten schwachsinnigen Abomodell aus der Tasche zu ziehen, desto glücklicher und dankbarer bin ich, dass es immer noch so Orte wie das Forum hier gibt. Ja, vielleicht hat es die besten Jahre mittlerweile schon hinter sich, aber seine einzig und alleinige Existenz in der aktuellen Form ist ein Beweis dafür, dass es dieses gute, dieses Community basierte Internet, immer noch gibt - irgendwo da draußen, vergraben unter Tonnen und Abertonnen von AI Slop.

Daher auch mein Aufruf an euch, die ihr diesen Beitrag lest - schreibt eine kleine Antwort und erzählt von euren Schätzen des „Alten Netzes“, die die Zeit überstanden haben. Mich würde das auf jeden Fall interessieren.





-Kay
 
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