Sanktuarium

Antheon

Cometh the Hour
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Es ist dunkel. Wie ein Schleier aus geronnener Schwärze hat sich der Schattenumhang der Nacht über die Welt gelegt und verzerrt ihr träumerisches Antlitz zu einer surrealen Silhouette ihrer selbst. Zwischen den Nähten der Finsternis leuchten die Sterne, funkelnde Diamanten auf schwarzem Samt. Der Mond in voller Pracht versucht tröstend Licht zu spenden, doch ist es fahl und ohne Leben. In der Ferne säuselt der Wind ein Requiem der Träume, ansonsten herrscht Stille. Ohrenbetäubende Stille. Noch immer ist die Luft im kleinen Zimmer am Rande der Stadt erfüllt vom vertrauten Duft einer angerauchten Zigarette, welcher der schale Geschmack der Einsamkeit anhaftet. Der blaue Dunst schlängelt sich zur vergilbten Zimmerdecke empor, deren blütenweiße Tage schon lange der Vergangenheit angehören. Ein Schreibtisch, auf dem sich ein Sammelsurium unvollständiger Geschichten und etlicher Zigarettenstummeln türmt, steht einem Gebirge gleich unerschütterlich inmitten des Raumes. In einer verlassenen Ecke versucht ein Heizungsradiator die Illusion zu erwecken, der leere Raum sei wärmer, herzlicher. Der Balkon, die letzte Zuflucht jener tristen Welt, bietet wenig Platz, doch es reicht dir, um dich an die kalte Brüstung zu lehnen und deinen Blick über den Horizont wandern zu lassen.

Ein weiteres Jahr ist vorbeigegangen, noch ehe es richtig begonnen hat. Es ist dir, als ob du das letzte Silvester erst vor ein paar Wochen im Beisein der Familie gefeiert hast, als ob du deiner Schwester erst letztens zu ihrer Verlobung gratuliert hast. Doch nun ist es wieder einmal soweit: Man verabschiedet sich vom alten Jahr und begrüßt das neue, was immer es auch bringen mag. Es werden wieder etliche Vorsätze gemacht, deren Licht und Bedeutung ebenso schnell verblassen wie die vielen Explosionen am nächtlichen Himmelszelt. Ein Grinsen bildet sich auf deinem Gesicht, denn dir wird einmal mehr klar, dass auch du einer von ihnen bist. Jemand, der fest daran glaubt, dass es im nächsten Jahr besser laufen wird, dass der Silberstreif am Horizont nun näher ist. Du wirst dir fest vornehmen, dass du endlich auf deine Gesundheit achtest, dass du deine Geschichten zu Ende schreiben und sie nach etlichen Jahren veröffentlichen wirst.

Geschichten.

In dem unaufhaltsamen, turbulenten Strom der Realität mit all seinen wirren Gezeiten sind sie das einzige Treibgut, an das du dich hast klammern können. Seit du zurückdenken kannst, sind sie stete Begleiter gewesen und du bist davon ausgegangen, dass sie dir auf ewig bleiben würden. Jahre sind vergangen und du blickst wehmütig zurück. Was hast du aus deinem Leben gemacht? Was hast du erreicht? Bist du glücklich? Wo siehst du dich in zehn Jahren? Fünf? Einem? So viele Fragen, die du nicht eindeutig beantworten kannst, vielleicht auch weil du dich vor jenen Antworten fürchtest. Stattdessen siehst du dich noch einmal durch die Hallen des ADB, jenes Sanktuarium deiner Träume schreiten, ein jeder Raum eine eigene Seite im Forum. Unzählige Geschichten mit etlichen Charakteren hast du hier erlebt. Viele Leute hast du getroffen, manche von ihnen sogar im wirklichen Leben. Zu den wenigsten hast du noch Kontakt, doch das Band, welches euch verbunden hat, spürst du noch immer. Und wieder lächelst du, denn wie so oft in den letzten Jahren verspürst du eine tiefe Nostalgie und betrittst die alten Gefilde von Neuem. Natürlich ist das Forum längst nicht mehr, was es einst einmal gewesen ist. Selbstverständlich ist kaum noch jemand hier. Doch die Geschichten existieren weiter, festgefroren in der Zeit harren sie der Dinge und warten darauf, noch einmal gelesen, ja, noch einmal gelebt zu werden.

Genauso wie es sich mit deinem Lebenswerk verhält. Es ist die Geschichte von einem jungen Mädchen namens Lyon, das den Jungen Connor kennenlernt. Du erzählst von Hexen, von Freundschaft und Verrat, doch allen Dingen voran erzählst du das, was du schon immer erzählt hast. Was du immer erzählen musst: eine Geschichte, die dich seit deinem achten Lebensjahr begleitet hat und weit mehr ist als die Summe ihrer Teile. Es ist deine Quintessenz, die Jahre hier in diesem Forum und die Gespräche mit so vielen kreativen und lebensfrohen Leuten. Sie alle haben Spuren in deinem Leben hinterlassen und leben in deinen Geschichten weiter. Ein Grund mehr sie zu erzählen.

Du schreibst für all jene, die von der ersten Stunde an dabei sind und auf eine Veröffentlichung warten wie Alex, Anna, Carl, Conner, Dianne, Elisa, Fanni, Florian, Gina, Jenny, Kim, Klaus, Michi, Nina, Paul, Paula, Sarah, Sascha und Tatjana.

Du schreibst aber auch für die Charaktere deiner Geschichten: Adam, Alan, Alexandra, Alexander, Alice, Alisdair, Allen, André, Angela, Audrey, Ben, Brandy, Cierra, Connor, Cyan, Eleonora, Elias, Faith, Fareed, Fate, Jaina, James, Janine, Jason, Joseph, Kei, Kevin, Kjell, Leon, Lia, Lily, Lucien, Mana, Marcus, Matthew, Murielle, Nathanael, Noir, Rachel, Reika, Samantha, Sara, Sarah, Seth, Shareef, Sharon, Sophia, Vincent, William, Zoe und so viele mehr.

Du drückst dich weg von der Balkonbrüstung und blickst noch einmal auf zum fahlen Mond. Die Nacht ist durchzogen vom Geräusch vorbeiziehender Wolken, getränkt in tiefdunkles Blau, welches sich in absoluter Schwärze verliert. Zwischen dem aufsteigenden Odem und den Vorsätzen zum neuen Jahr erfüllt dich die Gewissheit, dass dieses Jahr sehr vieles entscheiden wird: beruflich, gesundheitlich aber allen voran, auf das Schreiben bezogen. Manche mögen es ein Hobby nennen, andere eine Obsession. Du hingegen lächelst immerzu. Für dich ist es eine Schuldigkeit.

Als du in das Zimmer trittst und die Balkontür hinter dir schließt, denkst du an all die Menschen, die dich über viele Jahre begleitet und geformt haben, ehe du ein altes Gedicht aus dem Jahre 2007 aus dem Papierturm ziehst, mit welchem du diesen Gedankengang beenden möchtest.



säkular.

Du blickst zum Himmel hoch und siehst das Licht,
Und doch siehst Du darin den Schöpfer nicht –
Als würdest Du die Erde ohne Farben seh'n.

Als würdest Du in Dir die Liebe spür'n
Und gleich - sofort! – sie ad absurdum führ'n -
Als könntest Du sie wirklich nicht versteh'n.

So siehst Du auch nicht jene inn're Welt,
Die ihr Gebiet Dir vor die Augen stellt,
Um Dich zu mahnen, was vorhanden ist

- und was Du ihr noch schuldig bist.
 

Rela1309

Miss bloody Sunday
Du schaust empor zum Sternenmeer,

unwillkürlich fragst Du: "Wo kommt das her?"

Als würdest Du ein Fleckchen Farbe seh'n.



Tief in Dir hat es dich berührt,

als Du die Liebe des Schöpfers hast gespürt.

Auch wenn für manche nicht zu versteh'n.



Ein Blick in Deine inn're Welt

und Du siehst, was sie Dir noch erzählt.

Um Dich zu mahnen, zu erinnern, was wirklich zählt.



- um treu zu sein, dem, was Du Dir hast erwählt.



Nein, Antheon, Lyrik ist nicht meine Stärke. Es ist nur ein kleiner Dank für den nostalgischen Rückblick, den du uns hier geschenkt hast. Denn unaufhaltsam fristet der Stapel alter Geschichten sein Dasein in der finsteren kalten Ecke der Festplatte. Vergilben wird er nicht. Und gelöscht auch nicht. Nur um einen wieder und wieder einen kleinen Gedankenstoß zu geben, welche Projekte man im Sinn hatte und wo man etwas neues ausprobieren wollte.



Wenn ich diese Nacht zum Himmel schaue und frische Luft atme, die nicht von dem Rauch des Feuerwerks durchzogen ist, sehe ich ein Licht am Horizont und weiß, dass ich jede Minute hier genossen habe.



Danke
 
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