Echo der Vergangenheit

Dieses Thema im Forum "Legenden vergangener Tage" wurde erstellt von Lycan, 6. Januar 2020.

  1. Lycan

    Lycan Jedi-Knight

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    Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis...


    Star Wars

    Echo der Vergangenheit

    Es herrschen unsichere, trostlose Zeiten in
    der NEUEN REPUBLIK. Die Galaxis sah den Jedi-Orden
    zerbrechen, sah die Entstehung der Sith, den Aufstieg
    und Untergang von Imperien. Für tausende von Generationen
    herrschte Frieden in der Galaxis, immer wieder unterbrochen
    von kleineren Konflikten. Die Jedi-Ritter dienten dabei als Hüter von
    Recht und Ordnung, als Beschützer der Republik.
    Doch die Jedi-Ritter wurden verraten und ausgelöscht.

    Die Klonkriege kamen, die Republik wurde zum Galaktischen Imperium.
    Jedi-Ritter wurden gnadenlos gejagt und von DARTH VADER ermordet.
    Doch wo Unterdrückung, da auch Widerstand. Und schließlich
    fiel auch das Imperium, bei der Schlacht von Endor.
    Die Überreste kapitulierten, die Neue Republik wurde gegründet und
    die Kriegsmaschinerie des Imperiums wurde in die neue Regierung integriert.
    Ein Jahr ist vergangen, seit das IMPERIUM unterging. Es entstand die NEUE
    REPUBLIK. Doch es entstand kein neuer Jedi-Order.

    Angst und Vorbehalte der Bevölkerung und Senatoren hinderten
    LUKE SKYWALKER daran, die Jedi-Ritter neu aufzubauen. Als letzter Jedi
    kämpft er nun im Auftrag der Republik dort, wo er gebraucht wird, in der Hoffnung,
    die Galaxis von den guten Absichten der Jedi zu überzeugen. Viele, viele
    Jahre sind vergangen, seit SARANA, TURALYON und LIR zuletzt gesehen wurden.
    Da Lichtschwerter verboten sind und Machtanwender gefürchtet werden,
    verbringen die drei ein verborgenes Dasein am Rand der Galaxis. Weder sie, noch
    die Neue Republik oder Luke Skywalker ahnen, dass sich eine neue
    Bedrohung anbahnt, mächtig genug, die Galaxis abermals in Finsternis zu hüllen.



    Kapitel 1: Weckruf

    Alle Sterne brennen vereint. Dies war der Name der Hymne der Republik. Und zum ersten Mal seit Jahrzehnten stimmte es auch - größtenteils. Es gab keine Separatisten mehr, kein Imperium mehr. Ein Jahr war seit der Gründung der Neuen Republik vergangen. Ein Jahr des Friedens und des Wideraufbaus. Das Holonetz zeigte Paraden auf den Straßen von Coruscant, Naboo, Corellia und anderen Planeten. Die weißen Rüstungen der Sturmtruppen waren den Uniformen der Republik gewichen. Die Oberste Kanzlerin, Mon Mothma, hielt eine flammende Rede über Wohlstand und Einigkeit. Hinter ihr standen Prominente wie Leia Organa Solo, General Han Solo und Luke Skywalker.

    Verbittert schaltete Lir den Holobildschirm ab. Die Hymne der Republik mit ihren Trommeln und Trompeten verhallte als schwaches Echo im Inneren der alten Frachters, der dem ehemaligen Jedi als Unterschlupf diente. Es tat ihm weh, diese Bilder zu sehen. Es freute ihn und schmerzte gleichzeitig: Er, sein Bruder und seine Schwester waren noch junge Padawan-Schüler gewesen, als der Jedi-Orden fiel. Turalyon und er hatten mit der Dunklen Seite geliebäugelt, doch hatten beide auch das Lichtschwert für das Gute geschwungen. Am Ende war es egal gewesen. Es hatte kein Dankeschön gegeben. Sie alle waren Kanonenfutter in den Klonkriegen gewesen und hatten sich bedeckt gehalten, als das Imperium an die Macht gelangte. Nur vereinzelt waren sie aktiv gewesen, nie lang genug, um die Aufmerksamkeit lange auf sich zu ziehen. Niemand von ihnen wollte von Darth Vader gejagt werden, selbst, wenn sie es vielleicht geschafft hätten, ihn zu besiegen. Seinem Bruder Turalyon hätte Lir durchaus zugetraut, es mit Vader aufzunehmen. Lir seufzte und schüttelte den Kopf. Solche Überlegungen schmerzten. Es war eigentlich egal, oder? Das Imperium war besiegt worden. Eigentlich war doch alles in Ordnung, oder?

    Nein, musste Lir sich eingestehen, es war nicht alles in Ordnung. Sein Bruder und er hatten immer schon Probleme mit Autorität gehabt, hatten schon als junge Schüler Kritik am Jedi-Orden geübt. Sie hatten schon früh die Schwächen der Republik gesehen. Nun gab es die Neue Republik. Aber für Lir war die Zeit des Versteckens nicht vorbei. Für ihn hatte sich in den letzten Jahren nichts geändert. Es gab keine Märchenbuchende für ihn, in dem er - gemeinsam mit allen anderen Überlebenden - zum Jedi-Orden zurück kehrte. Niemand würde ihn auf Coruscant mit offenen Armen empfangen. Außer vielleicht Wachen, die ihn ins Gefängnis bringen würden. Nicht nur, weil er Dinge getan hatte, auf die er nicht stolz war. Sondern einfach nur deshalb, weil er ein Lichtschwert besaß und die Macht nutzen konnte.

    Vor dem Imperium waren die Jedi die Hüter der Republik gewesen. Sie waren verehrt worden. Doch der Ruf der Jedi-Ritter hatte gelitten. Geschickt wurden sie in eine negatives Licht gerückt, als Schoßhunde der Republik, als Kriegstreiber bezeichnet. Order 66 hatte die Republik gegen die Jedi aufgebracht. Man hatte sie alle des Hochverrats bezichtigt und das Imperium hatte sie zwanzig Jahre lang gnadenlos gejagt. Nun, wo das Imperium besiegt war, hätte man annehmen können, dass der Jedi-Orden neu aufgebaut werden sollte. Doch es kam nicht so.

    Lir starrte noch lange auf den Holobildschirm, selbst als dieser abgeschaltet war. Schließlich erhob er sich vom Sofa im Aufenthaltsraum seines Schiffes und steuerte die Einstiegsluke an, fuhr diese nach unten und trat ins Freie. 43 Jahre war er nun alt. Und tatsächlich hatte er die Hälfte seines Lebens nunmehr auf der Flucht verbracht, größtenteils im Verborgenen. Man hatte seinen Bruder Turalyon, seine Schwester Sarana und ihn auf dem gleichen Planeten gefunden. Deshalb nannten sie sich Geschwister. Sie hatten als Jünglinge zusammen trainiert und waren tatsächlich wie Familie gewesen. Es war die Rivalität zwischen Lir und Turalyon, die beide immer wieder über die Grenze zur Dunklen Seite lockte. Es war die Rivalität, die beide anspornte, besser zu werden. Früh sahen die beiden Brüder Kritik am Jedi-Orden. Niemand hatte auf sie gehört. Als die Klonkriege begannen, hatten Lir und Turalyon den Orden bereits verlassen. Dennoch hatten sie vereinzelt gekämpft, manchmal auf der gleichen Seite, manchmal auf der Seite, die ihnen richtig erschien. Unter der Herrschaft des Imperiums hatten sie sich nur selten gezeigt. Lir war auf seiner Suche nach Wissen auf dem Planeten Thule imperialen Inquisitoren begegnet. Er hatte eine ganze imperiale Garnison vernichten müssen, um seine Spuren zu verwischen. Seitdem hatte er sich stets im Äußeren Rand aufgehalten, fern vom Imperium. Er hatte Wissen gesammelt, so gut es eben ging. Überlebt, so gut es eben ging.

    Seine Schritte trugen ihn die Einstiegsrampe hinab, durch violettes Gras. Er ließ den Schatten seines Frachters hinter sich und blickte zum Horizont. Silberne Gischt glitzerte auf einem goldenen Meer, gleich einem Ozean aus Bier. Am dunkelroten Himmel hingen zwei orangene Sonnen, die langsam im Meer versanken. Der Planet Cirrus im Äußeren Rand war ruhig, fernab der Hyperraumstraßen und dem Einflussbereich der Neuen Republik. Seit nunmehr zwanzig Jahren verschrieb sich Lir der Suche nach Wissen. Seit zwanzig Jahren reiste er durch die Galaxis und suchte Orte der Jedi und der Sith, suchte Artefakte und uralte Schriften. System um System hakte er auf seiner Liste ab, Sektor um Sektor durchforstete er nach möglichen Anlaufpunkten. Mit Blick auf die Doppelsonnen von Cirrus entkam ihm ein gedehntes Seufzen. Es war vergebliche Mühe. Warum suchte er noch? Wofür? Für wen? Um die Galaxis zu durchsuchen reichte ein Menschenleben nicht aus. All sein Wissen würde mit ihm sterben. Und doch konnte er nicht anders. Wenn er Geld brauchte, arbeitete er oder stahl sich ein paar Credits, jedoch immer von Halunken und Verbrechern. Am Geld mangelte es nicht. Aber die Zeit würde ihm irgendwann ausgehen.

    Er hätte schon vor Jahren sesshaft werden können, eine Familie gründen können. Er hatte sich dagegen entschieden. Nein, wenn er ehrlich war, hatte er sich nicht einmal wirklich entschieden. Lir folgte dem Willen der Macht. Die Macht führte ihn und er folgte. Er war sich sicher, dass seine Reise, seine ewige Suche, nicht umsonst war. Es war an der Zeit, Cirrus zu verlassen. Es galt, weiter zu ziehen. Diesen Abend aber, den durfte er noch genießen. Er strich sich durch die ergrauenden, sandbraunen Haare und schloss die Einstiegsluke seines Frachters hinter sich, ehe sich von der Küste abwandte und in Richtung Stadt marschierte. Die Hauptstadt, Ciran, lag in der Nähe einer Bucht und war annähernd wie ein fünfzackiger Stern geformt. Lir zog es heute in ein kleines Diner am Stadtrand. Er wollte ein vernünftiges Abendessen genießen, eine willkommene Abwechslung zu den widerlichen Rationen seines Raumschiffes. Das Diner war verhältnismäßig klein, aber hell und sauber. Gegenüber dem Eingang befand sich ein langer Tresen mit einer Küche, die nach hinten hinaus ging. Gegenüber, entlang großer Fenster reihten sich Tisch und Bänke und Essnischen. Am Tresen saßen ein paar Arbeiter und genossen ihr Feierabendbier, an den Tischen saßen ein paar Familien. Lir wählte den letzten Tisch und setzte sich. Bei der hübschen, blonden Bedienung bestellte er sich ein ordentliches Steak mit belangloser Beilage. Er hatte seinen Teller kaum bekommen, da regte sich die Macht, stellte seine Nackenhaare auf. Draußen, auf dem Parkplatz, fuhren mehrere Speederbikes vor. Sie fuhren schnell, ihre Repusolaggregate wirbelten Staub auf. Drei Speederbikes, sechs Personen. Alle von ihnen vermummt, bewaffnet und aggressiv.

    Lir saß nur da und beobachtete sie, als sie zur Tür stürmten. Er wusste, wer sich im Diner befand. Zwei Köche im hinteren Teil, zwei Kellnerinnen, vier Arbeiter am Tresen, zwei Ehepaare mit Kindern. Lir seufzte und beeilte sich damit, sein Steak aufzuessen, als die Tür auch schon aufgestoßen wurde und die sechs Banditen in das Diner stürmten. "Das ist ein Überfall! Eure Wertsachen und eure Creditsticks her, na los!" Die Gruppe trennte sich: Zwei Kerle blieben am Tresen, hielten die Arbeiter und die Kellnerinnen in Schach, zwei bogen nach links zu den Essnischen und die restlichen zwei Banditen bogen in Lirs Richtung, marschierten die Tische entlang, mit erhobenen Blastern. Lir war sich bewusst, dass er in der engen Nische wenig Bewegungsspielraum hatte. "Mach deine Taschen leer und gib uns deinen Creditstick!" Einer der Kerle hielt Lir das Blastergewehr unter die Nase. Es wäre ein leichtes gewesen, die sechs Typen einfach auszuschalten. Aber er wollte kein Aufsehen erregen. Er legte seinen Creditstick auf den Tisch, mit langsamen Bewegungen. Um das Geld war es schade. Vielleicht sollte er diese Kerle verfolgen und es sich zurück holen. Später. "Was hast du sonst noch? Zeig mal. Was ist das da?" Lir trug eine schwarze Pilotenmontur, darüber einen braunen Staubmantel aus Bantha-Leder. Der Mantel war offen und in einer der Innentaschen war eine deutliche Ausbuchtung. Sein Lichtschwert.

    Lir durfte sein Lichtschwert nicht weg geben. Und auch nicht zeigen. Es war dumm gewesen, es mit zu nehmen. Er verband sich mit der Macht, sah die beiden Banditen vor sich an und tastete vorsichtig nach ihrem Verstand. "Ihr wollt nicht wissen, was ich da im Mantel habe. Ihr wollt umdrehen und gehen." Die beiden Banditen sahen einander an und drehten sich um. Erleichtert seufzte Lir, ehe die Macht abermals wie eine Alarmsirene klingelte: Auf der anderen Seite des Diners bedrohten zwei Banditen eine Familie. Sie richteten ihre Blastergewehre auf den Vater und die Mutter, während sich ein kleines Mädchen ängstlich auf den Schoß der Mutter schob. Die Banditen wollten die Halskette des Mädchens. Das Mädchen weinte, war panisch. Die Nerven der Banditen waren zum Zerreissen gespannt. Sie waren bereit, zu feuern. Zeigefinger krümmten sich am Abzug. Es wäre ein leichtes gewesen, das einfach zu ignorieren. Sie einfach machen zu lassen, entkommen zu lassen und in Ruhe abzuhauen. Doch das konnte Lir nicht. Obwohl er genau wusste, dass er ein Risiko einging. Die Macht befahl es ihm. Und er musste gehorchen.

    Er streckte die linke Hand aus. Die Zeigefinger an den Abzügen der Blastergewehre hielten inne und bogen sich dann mit einem Ruck nach außen, der Muskeln überdehnte und Knochen splittern ließ. Beide Banditen schrien überrascht und vor Schmerz auf, ließen ihre Gewehre fallen. Die übrigen sahen sich um, die beiden Banditen bei Lir drehten sich wieder zu ihm um. In einer raschen Bewegung erhob sich Lir von der Sitzbank, trat an beide heran und versetzte dem nahe stehenden Banditen mit dem Kopf einen Stoß ins Gesicht. Er legte sein Gewicht auf den hinteren Fuß, stieß sich ab und schnellte mit dem Kopf vor, schmetterte seine Stirn auf die Nase des Banditen. Die Stirn bildete einen perfekten Bogen und war noch dazu sehr stark, die Schädeldecke war an dieser Stelle äußerst dick. Der menschliche Kopf ist schwer, etliche Hals- und Rückenmuskeln halten ihn in der Balance. Es war, als bekäme man eine Abrissbirne ins Gesicht. Überraschend war es allemal. Die Leute erwarten immer, geboxt, erstochen oder erschossen zu werden. Ein Stoß mit dem Kopf kam meist unerwartet. Der Stoß hatte das Gesicht des Banditen plattgedrückt, die Nase zerquetscht und beide Wangenknochen gebrochen. Er sackte zu Boden und wimmerte. Der andere Kerl riss seinen Blaster herum und feuerte. Lir verband sich mit der Macht, ließ sich von ihr leiten und wirbelte herum. Eine gleißende, weiße Plasmasalva zischte haarscharf an seiner rechten Schulter vorbei, krachte funkenschlagend in Wand hinter ihm. Doch der Bandit feuerte weiter. Lir riss seine linke Hand herum und fing eine weitere Blastersalve auf, absorbierte das glühende Plasma mit der Handfläche, bevor es ihm ein Loch in die Brust brennen konnte. Seine Gedanken rasten, sein Herz schlug wie wild. Er war vermutlich fähig genug, die Kerle ohne großen Aufwand zu erledigen. Das eigentliche Problem war, dass er nicht mit ihnen alleine war. Unschuldige drohten, im Kreuzfeuer erwischt zu werden. Das durfte Lir nicht zulassen. Er krümmte die Finger und griff mit der Macht zu und würgte den Banditen vor sich, zertrümmte seinen Kehlkopf. Auch er sackte zu Boden. Mit einem Tritt gegen den Kopf des anderen Banditen nahm er auch diesen aus dem Spiel. Blieben nur die zwei mit ihren zertrümmerten Zeigefingern und die beiden Kerle am Tresen.

    Nun aber hatten die Banditen begriffen, dass hier etwas nicht stimmte und das Lir die Ursache für den vereitelten Überfall war. Die Macht war mit ihm, die Zeit floss langsam wie Sirup. Zeit, zu agieren. Zeit, nachzudenken. Die Kellnerinnen hatten sich hinter den Tresen geworfen. Die Familien an den Tischen duckten sich unter den Tisch. Die Arbeiter am Tresen waren in unmittelbarer Gefahr. Die Banditen im Hintergrund griffen bereits wieder nach ihren Gewehren, würden versuchen, die Waffen irgendwie mit dem Mittelfinger abzufeuern. Lir hatte etliche mögliche Optionen. Und so sehr er auch überlegte, die Sicherste Option war, sich nicht zurück zu halten. Den beiden Banditen im Hintergrund riss er mit der Macht die Blastergewehre aus den Händen, schleuderte sie gegen die Hinterköpfe der beiden Männer am Tresen, brachte sie dabei kurz aus dem Gleichgewicht und erkaufte Lir wertvolle Sekunden. Blitzschnell, von der Macht beschleunigt, stürmte er am Tresen entlang, auf die beiden Banditen zu. Einem riss er mit der Macht den Blaster aus den Händen, die Waffenhand des anderen schmetterte er mit einem Machtstoß gegen den Tresen. Schließlich rammte er dem Kerl die Faust in den Magen. Vielleicht konnte er diese Sache doch irgendwie halbwegs unspektakulär über die Bühne bringen und danach klammheimlich verschwinden. Zwei kräftige Hände legten sich von hinten um Lirs Hals, würgten ihn. Der Bandit, der eben noch den Schlag in den Magen kassiert hatte, holte aus, um sich zu revanchieren. Wenn er traf, so wusste Lir, war er ein toter Mann. Also lehnte er sich nach hinten und riss einen Fuß hoch, trat dem Kerl in den Unterleib. Lir krümmte die Schultern und spannte seinen Hals an, um dem Würgegriff stand zu halten. Er hob die Füße, stemmte sich gegen den anderen Kerl und stieß sich ab, stieß seinen Angreifer gegen einen der Tisch. Doch der Würgegriff wurde nicht schwächer.

    Lir begann, Sterne zu sehen und fast hätte er den Kontakt zur Macht verloren. Mit beiden Händen griff er nach den Handgelenken seines Angreifers und ließ die Macht durch sich fließen. Er verstärkte seine Muskeln und zerquetschte die Handgelenke des Banditen, ließ die Knochen splittern. Schreiend vor Schmerz ließ er von ihm ab und Lir schnappte gierig nach Luft, drehte sich um, um den Kerl mit einem Faustschlag gegen die Schläfe nieder zu schlagen. Dann aber wurde er selber gerammt und flog gegen einen der Tische. Einer der Banditen hatte ihn angegriffen und legte nun einen Arm um seinen Hals, um ihn in den Schwitzkasten zu nehmen. Die anderen beiden Banditen rückten nach. Der Kerl, der den Tritt in die Eier kassiert hatte, hob seinen Blaster auf. Der andere boxte Lir mit seiner gesunden Hand in den Bauch. Lir sackte beinah in sich zusammen und tastete nach seinem Lichtschwert. Doch der Bandit kam ihm zuvor, griff in die Manteltasche und holte die zylinderartige Waffe heraus. "Was ist das denn?" Er betrachtete die Waffe neugierig und diesen Moment nutzte Lir, um nach der Macht zu greifen und sein Lichtschwert zu aktivieren. Die blau leuchtende Klinge erwachte mit einem Zischen und bohrte sich durch die Stirn des Banditen. Lir rief die Waffe mit der Macht in seine Hand, drehte den Griff in der Hand und rammte sie hinter sich, in die Seite seines Angreifers. Der letzte Bandit richtete den Blaster auf Lirs Stirn und dieser hob die linke Hand, wobei der Bandit den Boden unter den Füßen verlor und mit einem Krachen vier Meter hoch, an die Decke krachte und ohnmächtig zu Boden ging. Hastig deaktivierte Lir sein Lichtschwert und sah sich um. Die Arbeiter und Familien starrten ihn an, ebenso die Kellnerinnen, die hinter dem Tresen in Deckung gegangen waren. "Tut mir leid, die Sauerei" kommentierte Lir und verzog das Gesicht, ehe er zum Ausgang eilte und ins Freie stürmte. Während des Handgemenges hatten die Köche bereits die lokalen Sicherheitskräfte gerufen. Viel Zeit blieb Lir also nicht. Er griff nach der Macht, ignorierte die Schmerzen in seiner Brust und rannte in Richtung Stadtrand. Er musste sein Schiff erreichen und von dieser Welt verschwinden.

    Er war schnell. Nicht schneller als die Gleiter der Sicherheitskräfte. Aber es wurde langsam dunkel, die violetten Wiesen außerhalb der Stadt glichen einer dunklen Decke, die ihm Deckung bot. Doch es dauerte nicht lange und Lir hörte die Triebwerke der Gleiter. Es war egal, dass er nur geholfen hatte. Er hatte die Macht benutzt und war dabei gesehen worden. Es war töricht gewesen, in die Stadt zu gehen. "Stehen bleiben!" forderte die von einem Lautsprecher verstärkte Stimme eines der Sicherheitsbeamten hinter ihm. Lir nutzte die Macht und wirbelte mit einem Machtstoß auf dem Boden eine Staubwolke auf, um sich selber zusätzliche Deckung zu geben. Blaue Energieblitze zischten an ihm vorbei. Wenigsten waren ihre Blaster auf Betäubung gestellt! Lir rannte im Zickzack, erreichte seinen Frachter gerade rechtzeitig, als vier Gleiter ihre Kreise enger zogen. Ein Betäubungsstrahl krachte in seinen Rücken und nur dank der Macht konnte er die Energie absorbieren, anstatt zu Boden zu gehen. Benommen senkte er die Einstiegsrampe und eilte ins Innere. Noch während sich die Rampe wieder hob, stürmte Lir ins Cockpit und machte den Frachter startbereit, fuhr die Triebwerke hoch. Immer mehr Gleiter näherten sich aus Richtung Stadt. Nun feuerten die Sicherheitskräfte auf die Triebwerke, doch Lir hob vom Boden ab und hob die Nase des Frachters gen Himmel. In dem Augenblick erzitterte das Schiff, die Lichter im Cockpit flackerten. Die Anzeigen verrieten ihm, dass der Antrieb beschädigt worden war. Vielleicht eine Granate oder ein schwerer Blaster. Lir gab Schub auf die Triebwerke und schoss dem Abendhimmel entgegen, bis das dunkle Rot endlich der Finsternis des Alls wich. Weit würde er nicht kommen, mit beschädigten Maschinen.

    Groß war die Auswahl nicht: Das Dalron-System war spärlich besiedelt, vor Jahren vom Imperium verwüstet worden. Das Uba-System war die Heimat der maskierten Ubese, ein Ödland, aber halbwegs besiedelt. Dort würde er zwar Ersatzteile bekommen, lief aber auch Gefahr, entdeckt zu werden. Lir entschied sich für Troska, einen Waldplaneten, der einst einen Außenposten des Imperiums beherbergte. Mit etwas Glück würde er dort Zuflucht finden. Doch vermutlich würde man ihn verfolgen und suchen. Als die Sterne des Alls sich in die Länge zogen und der Frachter in den Hyperraum sprang, seufzte Lir. Das war ziemlich dumm von ihm gewesen. Lange würde der Flug nicht dauern. Es würde vermutlich auch nicht lange dauern, bis man ihn suchen würde. Obwohl Cirrus nicht zur Republik gehörte, war er gesehen worden. Möglicherweise gab es sogar Holo-Aufnahmen vom Diner. Natürlich würde die Republik versuchen, ihn zu finden. Was nun? Lir atmete tief durch und versank in einer Heiltrance. Er würde sich darüber Gedanken machen, wenn er Troska erreicht hatte.
     
  2. vegetto17

    vegetto17 Schinderdschungel Gärtner

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    Der Alarm schrillte los. Turalyon riss die Augen auf. Ungläubig starrte er auf die Abtaster. Tatsächlich!
    Ein Schiff kam im Sektor an. Nach dem Fall des Imperiums hatte er sich einen Söldner angeschlossen die im Dantus-Sektor immer wieder einmal für Ruhe sorgen sollten. Seine alte Z-95 hat er mit einem neuen Sendersignal ausstatten lassen.
    Er erkannte aber die Signatur des Frachters welcher gerade aus dem Hyperraum gefallen war. Mit einem Tastendruck aktivierte er den Stimmenmodifikator.
    Er öffnete eine Frequenz und begann den Frachter zu kontaktieren.
    "Unbekannter Frachter. Sie befinden sich in einem gesperrten Bereich. Deaktivieren Sie sofort Ihre Triebwerke und bereiten Sie sich darauf vor geentert zu werden!"
    Dann schaltete er sein Kom ab.
    Er musste breit anfangen zu grinsen. Sicher würde sein Bruder nicht direkt auf die Warnung eingehen, dafür kannte er ihn einfach zu gut. Er unterdrückte seiner Aura zur macht und begann sie zu verändern. Für die meisten Machtnutzer wäre er vielleicht ein machtsensitiver Mensch, das war aber schon alles. Jetzt fuhr er die Schilde hoch und aktivierte die Waffensysteme.
    Leicht, ohne Eile, näherte er sich dem Frachter.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Januar 2020
  3. Sarana

    Sarana ..~Hold me~..

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    Langsam öffnete Sarana ihre Augen, als die sich die Machtsignatur ihres Bruders Lir in unmittelbarer Nähe befand. Und sie lächelte nur schmal, als sie spürte wie Turalyon die seinige veränderte. Ob ihm eigentlich bewusst war, dass sie sich selbst nur einen kleinen Steinwurf von ihm entfernt auf Troska befand? Nun, vermutlich nicht, immerhin verstand sie es sich mittlerweile gut darin ihre Aura der Macht zu unterdrücken.
    Langsam wieder gen Boden schwebend, löste sie den Schneidersitz und landete elegant auf ihren Füßen, ehe sich ihr Blick gen Himmel richtete. Seit gut einem halben Jahr lebte sie hier auf diesem Planeten, versteckte sich vor diversen Söldnern, die es auf ihren hübschen kleinen Kopf abgesehen hatten. Und das alles nur weil sie einen klitzekleinen Aufstand auf Canto Bight angezettelt hatte, aber hey. Sie hielt nun einmal nicht sonderlich viel vom Glücksspiel. Und da sie ihre Macht sowie ihr Lichtschwert benutzt hatte, machte es wahrscheinlich nicht besser. Dabei war sie auf ihrem Streifzug durch die Galaxie nur rein zufällig dort gelandet, weil sie Ersatzteile für ihr Raumschiff benötigt hatte. Und irgendwie kam dann eines zum anderen.
    Auf diesem Planeten hatte sie sich unterhalb eines Gebirges in einer Hölle ein kleines zuhause eingerichtet, wo sie die wenigen Schriften studierte, die sie über ihre Spezies und ihre zerstörte Heimat finden konnte. Ihr Raumschiff hatte sie unter einem Tarnschirm in einer anderen von ihr erschaffenen größeren Hölle geparkt.
    Ein leiser Seufzer perlte über ihre Lippen. Ihre neusten schriftlichen Errungenschaften brachten momentan auch nicht viel Licht ins Dunkle und so wirklich wusste sie nicht, ob sie sich ihren Brüdern eigentlich zeigen sollte. So viel Zeit war vergangen. Alle beide müssten nun ihrem Alter entsprechend aussehen, doch sie selbst... Sie wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte, wann immer sie in den Spiegel sah, so zog sie es vor sich meist zu verhüllen. Nicht zu altern fiel irgendwann auf und so könnte sie nie lange an einem Ort verweilen. Nun gut, sie könnte sich irgendwann als Tochter ausgeben, aber das wäre auf Dauer ein wenig mühselig. Zumindest hatte sie die Zeit in gewisser Weise auf ihrer Seite. So konnte sie mehr alte Schriften studieren und versuchen mehr über sich und ihre Herkunft herauszufinden. Doch alles zu seiner Zeit. A) wusste sie nicht ob sie wirklich unsterblich war oder eben halt nur nicht alterte und das war etwas was nun wirklich nicht herausfinden wollte und b) gab es noch das Söldner-Problem, was sie irgendwann mal aus der Welt schaffen musste. Und c) wollte sie ihre Brüder da nun wirklich nicht mit reinziehen. Vermutlich hatten sie selbst genug eigene Probleme am Hals, seit sie quasi illegal waren. Und das nur weil sie eben Jedis waren. Zumindest sie. Bei ihren Brüdern war das immer so eine Sache. Sie hatte sich nie von der dunklen Seite verführen lassen. Aber gut. Zunächst einmal behielt sie die Machtsignaturen ihrer beiden Brüder im Auge. Auch wenn sie nicht blutsverwandt waren, es waren ihre Brüder. Ihre Familie. Und sie sorgte sich um sie. Lir schien es nicht ganz so gut zu gehen, aber er war stark. Das würde schon heilen.
     
  4. Lycan

    Lycan Jedi-Knight

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    Der beschädigte, alte Frachter war kaum aus dem Hyperraum gestürzt, da wurde er auch schon angefunkt: "Unbekannter Frachter. Sie befinden sich in einem gesperrten Bereich. Deaktivieren Sie sofort Ihre Triebwerke und bereiten Sie sich darauf vor geentert zu werden!"

    Lir runzelte die Stirn. Das war unerwartet. Und bedauerlich. Der Zusammenbruch des Imperiums hatte zu einem Machtvakuum geführt, welches nicht nur von der Neuen Republik gefüllt worden war. Natürlich waren unzählige alte Außenposten nun im Besitz von Schmugglern und Piraten. Lir überprüfte die Sensoren und musste auflachen: Eine Z-95. Amüsiert aktivierte er die Kom-Verbindung:

    "Die Mühle ist doch nur Schrott. So eine habe ich seit bestimmt zehn Jahren nicht mehr gesehen." Er blickte aus dem Cockpit, konnte aber nur den Waldplaneten Troska vor sich sehen. Der Jäger musste sich bereits hinter ihn gesetzt haben. Allerdings würde er mit seinem beschädigten Schiff nicht weit kommen, geschweige denn, einen Raumkampf gewinnen. Der Pilot der Z-95 musste dies auch wissen. Lir wägte seine Optionen ab. Nur zwei fielen ihm ein.

    "Also, Kumpel... Wenn deine Z-95 nicht gerade ein halbes Dutzend schwer-bewaffneter Jawas auf dem Pilotensitz hocken hat, würde ich von einem Entermanöver abraten. Aber mein Schiff ist beschädigt. Ich habe wenig Auswahl. Mir ist klar, dass ich dir nicht davon fliegen kann. Mir ist auch klar, dass du vermutlich nicht aus Spaß hier herum fliegst. Also entweder kommst du an Bord oder ich folge dir runter zum Planeten?"

    Lir fixierte die Planetenoberfläche. Vermutlich hatte die Z-95 eine Basis da unten. Oder ein Mutterschiff, dass die Sensoren noch nicht bemerkt hatten. Aber ein Haufen Piraten konnte unter Umständen gefährlich werden. Vom Regen in die Traufe, also. Wenn die Republik ihn hierher verfolgte, könnte es noch einmal spannend werden. Doch eine letzte Möglichkeit hatte er noch, solange man ihm sein Raumschiff nicht abnahm. Er blickte hinab auf die grünen Weiten von Troska, ehe er seine Triebwerke drosselte.
     
  5. vegetto17

    vegetto17 Schinderdschungel Gärtner

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    Er lachte lauthals auf. Ganz sachte steuerte er sein schwarzes Schiff hinter den Frachter und aktivierte wieder die geänderte Verbindung.
    "Sie macht von außen nicht viel her, hat aber echt was los Junge!"

    Kurz atmete er tief durch und beschleunigte. Mit einer raschen Bewegung drehte sich die Z-95 und er schoß so dicht über dem Cockpit des Transporters vorbei, dass er die Kanzel hätte berühren können.

    Jetzt deaktivierte er den Stimmenmodifikator und sein Bruder konnte sein triumphales Gelächter hören.

    "Wer sagt denn das ich nicht soviele Ewoks bei mir habe?"

    Ohne die Verbindung zu beenden drosselte er die Geschwindigkeit.

    "Du solltest mir zum Planeten folgen. In letzter Zeit war es hier sehr ungemütlich."