18 Jahre

Dieses Thema im Forum "Soap RPG" wurde erstellt von MajinKay, 22. Juli 2019.

  1. MajinKay

    MajinKay Revelation 6:4

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    Da ich auch nach guten drei Jahren immer noch nicht in anderen Unterforen problemlos posten kann, wird es wieder hier reingestreut.


    18 Jahre

    Die Erinnerungen sind mittlerweile schon ein wenig ausgewaschen, aber vor meinem inneren Auge sehe ich mich noch sehr deutlich in dem Spielzeuggeschäft in Leoben stehen und mit großen Augen auf die eigentlich recht dezent gehaltene Verpackung des Geräts zeigen. Als es mir der Verkäufer in die Hände drückte, hielt ich es wohl die ganze Zeit lang fest – die ganze Autofahrt lang nach Hause, bis ich es dort endlich offiziell auspacken durfte. Mit leicht schwitzenden Fingern und einer Euphorie, wie sie nur Kinder so rein spüren können, legte ich vorsichtig die Batterien ein, steckte die Diskette (oder vielmehr: Kassette) von „Mr. Chin’s Gourmet Paradise“ in den dafür vorgesehen Slot und schaltete mit einer kleinen Fingerbewegung zum ersten Mal meinen Game Boy ein. Es war Ende des Jahres 1990 und ich war 6 Jahre alt.

    Mein Game Boy begleitete mich viele Jahre lang im alltäglichen Leben; auf Reisen, Ausflügen und gen Ende hin – dank Pokémon Version Rot/Blau in Kombination mit dem CrossLink™ Kabel – auch in die Schule. Er war meine Eintrittskarte in eine Welt gewesen, die mich nie wieder loslassen würde. Eine Welt, die meine Eltern nur begrenzt bis gar nicht verstehen konnten. Wie denn auch? Videospiele waren in ihrer Jugend praktisch nicht existent und so konnten sie der Faszination einer interaktiven Zeitbeschäftigung mit einer Maschine nur bedingt Verständnis entgegenbringen. Sie versuchten es natürlich, versuchten sich selbst an Spielen wie Tetris oder Super Mario Golf. Aber der Funke wollte nicht so recht überspringen. Nicht so sehr wie bei mir.

    Die virtuellen Welten wurden ein Teil meines Lebens. Erst mit Nintendos Handheld, vier Jahre später mit dem Super Nintendo Entertainment System. Wie viele Nachmittage und Abende habe ich im Kreise meiner damaligen Freunde die bunten Welten von Mario und Co erforscht? Wie oft waren Freude und Leid so dicht nebeneinander, wenn im letzten Moment ein unerwarteter Uppercut bei Mortal Kombat den Sieg doch noch kippte? Wie groß war der Streit, wenn man mit einem „unfairen“ Manöver den zweiten Spieler in Mario Kart vom Kurs abbrachte? Wie viele Erinnerungen an meine Kindheit sind wirklich mit Videospielen verbunden?

    Bevor jetzt noch der Trugschluss aufkommt, ich hätte meine gesamte Kindheit vor einem Bildschirm verbracht – keine Sorge. Meine Eltern waren stets bedacht darauf gewesen, dass ich genauso in der realen Welt, in der Natur, meine Abenteuer erleben konnte. Diese Balance kam erst später ins Wanken. Mit 12 bekam ich meinen ersten, eigenen Computer und mit 14 oder 15 zog auch das Internet in unser Haus. Es war auch der Zeitraum, in der sich mein Videospielgenuss auf den PC verlagerte und ich damit auch immer mehr Zeit verbrachte. Mit meinen Eltern hatte ich einen klaren Deal: solange meine Noten nicht darunter leiden würden, waren sie nicht so streng mit der zeitlichen Limitation meines Medienkonsums. Respektive betrachtet war der Deal recht einseitig, denn ich war richtig gut in der Schule und die Videospiele änderten nicht viel daran. Also zockte ich weiter. Ich schlug mir die Abende mit Titeln wie Fallout, Deus Ex und Starcraft um die Ohren. Rollenspiele mochte ich schon immer am Liebsten und viele der alten Klassiker wie Baldurs Gate, Planescape: Torment oder Diablo hatten ihr fixes Zuhause auf meiner Festplatte. Es war auch diese Leidenschaft zu Videospielen, die mich immer mehr in die Technik hineinbrachte. Mit 15 herum baute ich meinen ersten eigenen PC. Modden war nie wirklich mein Ding, das Zusammenbauen und regelmäßige Upgraden aber sehr wohl. Ich schraubte einige Jahre immer und immer wieder an meiner Hardware, um ja up-2-date sein zu können. Für die neuesten Games, für die kommenden LAN-Parties.

    Letztere waren auch fixer Bestandteil meines sozialen Umfelds. Eigentlich alle meiner damaligen Freunde waren Zocker. Und wir spielten regelmäßig auf größeren Veranstaltungen oder in den kleineren Kreisen bei privaten LAN-Treffen. Wie auch am 11. September 2001. Wir lieferten uns bei mir Zuhause gerade ein 2vs2 Starcraft-Match, mein Teamkollege baute fleißig an seinen Protoss-Upgrades, während ich mit meinen Zerg-Rushes unsere beiden Kontrahenten beschäftigt hielt. Die Nachricht „Atomrakete gestartet“ machte uns ein wenig nervös und ließ mich wie wild die Overlords ausschwärmen, um den verdammten Ghost zu finden, als meine Mutter ins Zimmer kommt und uns erklärt, dass Amerika gerade angegriffen wird.

    An dem Tag spielten wir nicht mehr weiter.

    Vielleicht ein Jahr später, etwa zu der Zeit, als ich nach Graz zum Studium ging, entdeckten mein bester Freund und ich einen Spieleautomaten für uns, der in dem Lokal stand, wo wir uns regelmäßig zum Billardspielen trafen. Soul Calibur II schluckte in den kommenden Monaten sehr viel Kleingeld von uns, so viel, dass ich nach ca. einem halben Jahr mir ein besonderes Weihnachtsgeschenk machte und mir eine Play Station 2 in der Limited Silver Edition zulegte. Inklusive Soul Caibur 2, natürlich. Vielleicht war es wirklich dieses Spiel gewesen, vielleicht war es auch nur von mir ein Versuch, unsere Freundschaft ein wenig stärker aufrecht zu erhalten, nachdem ich mittlerweile nur noch an den Wochenenden in der alten Heimat war, aber mit dieser Konsole verbinde ich sehr viele Stunden, die ich zusammen mit meinem besten Kumpel verbracht habe. Erst nach ein paar Jahren – als die Besuche an den Wochenenden schon wesentlich rarer geworden waren als wie noch im ersten Jahr – siedelte die PS2 zu mir nach Graz. Um dort im Studentenwohnheim die Soul Calibur Sessions abzuhalten. Mittlerweile allerdings schon im dritten Teil der Serie.

    Meine PS3 kam ein paar Monate vor meinem Umzug in meine erste eigene Wohnung im Jahre 2009. Zu diesem Zeitpunkt waren es Titel wie GTA4 oder Army of Two, die mir die Abende versüßten, aber schon lange nicht mehr in der Intensität, wie es noch ein paar Jahre zuvor der Fall war. Mein PC gab schon länger nichts mehr in Richtung Zocken her und war für meine Uni-Arbeiten abgestellt, die Konsole hingegen dezidiert für meine Bespaßung gedacht. Nicht nur mit Videospielen, auch die Funktion als Media Player wurde von mir immer deutlicher genutzt, speziell in Richtung Blu-ray hin. Games waren zwar immer noch ein gut genutztes Medium, aber schon lange nicht mehr die Nummer Eins. Kinofilme und das Schreiben von Geschichten waren mittlerweile wesentlich präsenter geworden und nahmen ebenso einen guten Teil meiner Freizeit ein. Fallout 3 und später Fallout New Vegas, wie auch Skyrim eroberten diesen Marktanteil kurzfristig wieder zurück, aber das reale Leben mit all seinen Facetten lies sich nicht aufhalten. Meine Spielzeit wurde weniger und weniger.

    Als ich mir Ende Mai 2017 schließlich die PS4 Slim zulegte, wusste ich, dass sie primär nicht mehr meiner Spiellust dienlich war. Zwar feierte mein Zockerdasein mit Fallout 4 und Persona 5 kurzfristig wieder ein Comeback, aber summa Summarum ist die Konsole mittlerweile mehr als Player für Netflix und Amazon Prime im Einsatz.

    Und das ist auch verdammt gut so.

    Denn kein Videospiel der Welt kann mit dem Lachen meiner Tochter mithalten, dass sie mir nach einem langen Arbeitstag schenkt, wenn ich nach Hause komme und sie aus ihrem Spielebogen hochhebe.

    Ja, ich bin mittlerweile Vater geworden. Vielleicht auch ein kleines bisschen erwachsen. Das Spielen hat nicht mehr den gleichen Stellenwert für mich als wie noch vor ein paar Jahren, dennoch ist und bleibt es ein fundamentaler Bestandteil meiner Vergangenheit und damit auch ziemlich der Person, die ich bin. Diese Tatsache ist mir erst wieder vor ein paar Tagen vor Augen geführt worden, als ich mich eine gute Viertelstunde mit einer Kollegin in der Arbeit verplaudert habe und wir von unserem eigentlichen Gesprächsthema recht schnell in der Welt von Baldurs Gate inklusive Mods und offizielle Erweiterungen gelandet sind. Es war ein erfrischender Abstecher in die Vergangenheit, aber auch eine verdammt gute Erinnerung daran, wie viele Stunden damals in dieses Hobby geflossen sind. Stunden, die ich mittlerweile nicht mehr habe – weil ich meine Zeit anders nutze als noch anno 2005 oder 2010. Könnte ich mir dennoch die Zeit freischaufeln, in der Woche ein paar Stunden vor der Playse oder dem PC zu hocken? Vermutlich, aber nur indem ich Zeit anderswo reinhole. Doch wo? Ich hab keinesfalls Interesse daran, Zeit von meiner Familie zu klauen. Und so wird es eben schwierig.

    Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich mich in den letzten Monaten sehr intensiv mit dem Gedanken der Produktivität und der Optimierung meiner persönlichen Prozesse beschäftige. Klingt sehr trocken und business-like? Ist es vermutlich auch irgendwo. Aber in Ermangelung besserer Ideen bin ich eben nach wie vor an diesem Lösungsweg angekommen und sehe mir gerade an, wie weit er mich bringt. Die Motivation dahinter ist relativ einfach – in den letzten Jahren habe ich Stück für Stück Teile meiner Vergangenheit und meiner Hobbies aufgegeben. Teils aus mangelnden Interesse, teils aus mangelnder Zeit, teils aus mangelnden externen Ressourcen. Jedes Mal, wenn ich ein weiteres Hobby ad Acta gelegt habe, war ich mit dem größten Teil meiner Person zufrieden mit der Entscheidung, da ich ja irgendwo einen Nutzen daraus gezogen habe. Ich hatte andere Prioritäten, die es zu verfolgen gab. Und dennoch blieb stets eine leise Stimme, die mir von diesem Schritt abriet, da ich mit diesen Dingen auch einen Teil meiner Selbst aufgab. Diese leisen Stimmen wurden im Laufe der Jahre zu einem fulminanten Chor, den ich mittlerweile nicht mehr ausblenden kann. Und mittlerweile bin ich auch an einem Punkt in meiner persönlichen Entwicklung angekommen, an dem ich ihn auch gar nicht mehr ausblenden will.

    Meine Hobbies der Vergangenheit – Das Zocken, das Schreiben, American Football, Billard, Manga und Anime – haben stets für eine gewisse Ausgeglichenheit gesorgt, die ich mittlerweile schmerzlich vermisse. Daher versuche ich sie auch wieder ein wenig mehr in meinen Alltag zu bringen, was aber sehr einfach gesagt ist, verglichen mit der tatsächlichen Umsetzung. Also versuche ich, meinen Tag effizienter zu gestalten – in der Hoffnung, damit auch wieder etwas mehr Zeit für die Dinge freizuschaufeln, die wichtig für mein seelisches Wohlbefinden sind.

    Ob es rein bei der Hoffnung bleibt, oder sie tatsächlich Früchte wirft, wird die Zukunft weisen. Die kommenden Monate und Jahre.

    Und plötzlich sind wir wieder bei der temporalen Komponente angekommen.

    Wer hier im ADB in den letzten Jahren noch einigermaßen die Threads mitverfolgt hat, kann sich vielleicht auch an meine vorangegangenen Beiträge mit den Titeln „12 Jahre“, „15 Jahre“ und „16 ½ Jahre“ erinnern. Größtenteils könnte man sie als Gedankenströme beschreiben, die mit dem Versuch zusammenhängen, einen sehr privaten Einblick in meine nostalgischen Momente zu geben und damit auch irgendwo meinen persönlichen Prozess des Erwachsenwerdens zu protokollieren. Getrimmt von Hollywood und der Macht einer Trilogie war für mich nach dem dritten Eintrag in dieser Serie irgendwie das Ziel erreicht und ich wollte die Idee dieser Erzählungen, dieser Monologe auch irgendwo gut sein lassen. Doch jetzt, knapp 18 Monate später, fühle ich regelrecht den Drang danach, ein weiteres Kapitel nachzulegen.

    Dieses Mal werde ich aber keinen kryptischen Kommentar loslassen, von wegen, dass es das letzte Mal sein könnte, oder von wegen, dass die Nostalgie für mich eine URL hat – ihr kennt diese Sätze bereits und sie noch einmal zu wiederholen wäre abgedroschen. Also lassen wir die Floskeln und reden wir doch mal einen Moment über die Fakten.

    Es ist 2019 und wir sind noch immer hier. Wir. Sind. Noch. Immer. Hier. Eine Handvoll User, vielleicht zwei Dutzend, findet sich zumindest alle paar Monate hier immer noch ein. Manche posten, etwas mehr lurken herum, lesen passiv mit. Warum eigentlich? Seit sechs Jahren stelle ich mir diese Frage immer und immer wieder. Warum immer noch? Was genau hält mich hier? Dieser Magnetismus, von dem ich schon so oft gesprochen habe, auf welchen Bedürfnissen begründet sich dieser? Und wie können diese nach so langer Zeit immer noch stark genug sein, dass sie mich regelmäßig in ein Relikt der Vergangenheit zurückführen, welches eher einer digitalen Gedenkstätte gleicht als einem tatsächlichen Medium des sozialen Austausches? Seit sechs Jahren suche ich nach einer vernünftigen Erklärung für mein Verhalten in dieser Thematik und seit sechs Jahren komme ich nicht wirklich auf einen grünen Zweig. Vielleicht ist es nichts weiter als die Unfähigkeit mit der eigenen Vergangenheit abschließen zu können. Das Trauma eines Highschool Quarterbacks, der im richtigen Leben nie mehr an die glorreiche Zeit von damals anschließen konnte. Vielleicht ist es auch der unglaubliche Drang, sich nach wie vor auf seine Art und Weise auszudrücken, gekoppelt mit dem Unwillen, dies auf neuen Portalen, in anderen Medien zu tun. Vielleicht ist es aber auch bloß das pure, sture Abstreiten und Verleugnen der Realität. Es ist doch gar noch nicht so schlimm. Es gibt doch noch immer Leser und wenn man sich bemüht, melden sich diese auch. Vielleicht ist es nichts davon, vielleicht alles. Vielleicht ist es mein persönliches Problem, vielleicht ein kollektives der noch Anwesenden. Vielleicht.

    Fakt ist auch, das Leben ist kein Videospiel. Man kann nicht einfach ein Save Game von vor Jahren laden und an dem gleichen Stand weitermachen, an dem man damals alles unterbrochen hat. Das ist einfach nicht möglich. Und vermutlich auch nicht wirklich notwendig. Denn auch ohne Auto-Save-Funktion haben wir jederzeit die Möglichkeit, die losen Fäden der Vergangenheit aufzunehmen und sie zu einem Ende zu bringen. Zumindest, so lange sie noch vorhanden sind. Bei manchen Fäden hat uns das Schicksal vielleicht diese Möglichkeit genommen, aber wenn wir absolut ehrlich zu uns sind, sind das weit weniger, als wir es vielleicht wahrhaben wollen.

    nanowrimo.org

    Mein Nickname dort ist (wie auch schon in den letzten 7 Jahren) ChiefKay.

    Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, ob es dieses Jahr nicht auch wieder nur ein schrecklich missratener Versuch wird, der im absoluten Chaos endet, aber nach zwei Jahren Absenz habe ich vor, es wieder einmal darauf ankommen zu lassen. Weil ich es meinem alten Ich, meinen alten Idealen und Wünschen schuldig bin. Und irgendwie auch, weil ich es euch schuldig bin – so komisch sich das auch anhören mag. Und so wage ich es erneut. Werfe nach einer so langen Pause erneut eine Münze in den dafür vorgesehen Schlitz und warte auf den Startbildschirm.

    Ready Player One.

    Wie sieht es mit euch aus?


    -Kay, 22. Juli 2019
     
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  2. vegetto17

    vegetto17 Schinderdschungel Gärtner

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    Majin ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber ich denke du liegst mit deinen Vermutungen falsch wieso einige noch hier sind. Persönlich hatte ich mit diesem Teil meiner Vergangenheit schon abgeschlossen und ich bin eigentlich nur wieder hier rein gestolpert weil ich hier ein paar sehr gute Menschen kennen gelernt habe. Und meine Hoffnung war einfach hier wieder in Kontakt treten zu können. Sind wir mal ehrlich, wenn wir ein paar Bier zuviel getrunken haben kriegen wir alle etwas nostalgisches, und erinnern uns gerne an alte Freunde und lustige Zeiten. Wieso also nicht für ein paar Minuten den ernst des Lerbens abschütteln und mit alten Freunden wieder Spaß haben.
     
  3. Son_Goku_SSJ3

    Son_Goku_SSJ3 Black Metal Bitch Lover

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    Wieder mal ein qualitativ hochwertiger und lesenswerter Beitrag, Kay. Fast schon der einzige Grund, hier überhaupt noch reinzuschauen. Kaum zu glauben, dass der „16 ½ Jahre“-Thread schon wieder so lange her ist...

    Oha. Nicht weit von mir entfernt. Die nächstgrößere Stadt von meinem Kuhdorf aus.

    Dort arbeite ich jetzt :D

    Dass du aber das Thema "Videospiele" ansprichst, hätte ich nicht erwartet. Ich glaube, darüber kann fast jeder hier ein, zwei Anekdoten erzählen.
    Als ich meinen ersten Game Boy bekommen habe, war ich noch so klein, dass ich mich an eine Zeit ohne dieses Monstrum mit Grünstich-Bildschirm gar nicht mehr erinnern kann. Meine Mama war immer ganz vernarrt in Tetris, weshalb es deshalb elterlicherseits wohl nie eine Abneigung gegenüber Videospiele gab. Besonders fasziniert war ich immer von den "X Spiele in einem", also "99 in 1", 299 in 1" und "349 in 1" (oder was auch immer). In Wirklichkeit waren das aber immer nur dieselben ca. 10 Spiele mit anderen Namen :D
    Ein paar meiner Favoriten: Mario Land, The Amazing Spider-Man, Teenage Mutant Ninja Turtles II: Back from the Sewers, Nemesis, Solar Striker, Mortal Kombat, Super Star Wars: Return of the Jedi, Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, Batman: Return of the Joker.

    Als ich dann in der Pubertät war und mir ein Freund die gelbe Edition von Pokémon ausborgte, fing für mich quasi der zweite Frühling meiner Game-Boy-Phase an. Ich hatte zuvor nie ein Spiel, das so lange geht und dessen Fortschritt man speichern muss, weshalb ich etliche Male von vorne angefangen habe und immer ganz verzweifelt war, weil ich es schon wieder nicht geschafft habe, viel weiter zu kommen :D Ich habe mich nämlich nicht getraut, den Speicherplatz meines Freundes zu überschreiben, aber als ich ihn darauf angesprochen habe, hat er gesagt, dass das OK ist. Dann ging das Spiel erst so richtig los :D Es folgten die goldene Edition inklusive eines Game Boy Color, den ich mir extra gewünscht habe, damit ich meine Pokémon mittels Link-Kabel von einem Game Boy auf den anderen transferieren kann, ohne gewusst zu haben, dass der alte Game Boy mit dem Game Boy Color nicht kompatibel ist :embarasselaugh
    Viel mehr habe ich mich mit Handhelds nicht mehr beschäftigt, bis ich mir vor ca. 3 oder 4 Jahren einen Nintendo 3DS XL gekauft habe, weil ich wieder Lust auf Pokémon bekommen habe. Es folgten Y, Mond und Alpha Saphir. Da ich auch ein kleines Faible für Super Mario habe, mussten aus dieser Franchise auch Spiele her. Und natürlich Dragon Ball :D

    Als Kind hatte ich noch einen NES, den mir allerdings mein Cousin ausgeborgt hatte. Super Mario 1-3 liegen mir auch heute noch so sehr am Herzen, dass ich sie Jahre später noch einmal mittels Emulator am PC gespielt habe, weil ich die Konsole meinem Cousin leider wieder zurückgeben musste. Knight Rider lag mir nie besonders. Rennspiele sind wohl nicht so mein Ding. Außer Mario Kart :D Besonders interessant fand ich Willow. Mein erstes RPG. Habe ich das Spiel anfangs eher links liegen lassen und meistens zu den lustigen Jump 'n' Run Games mit dem kleinen Klempner gegriffen, wurde mir der Reiz dieses Genres erst im Laufe der Jahre klar. Das Spiel hatte etwas Düsteres und war ziemlich creepy. Die Musik war in den ungefährlichen Städten ziemlich ruhig und folkig, wurde aber mit jedem weiteren Schritt Richtung Wald oder Berg immer schauriger. Wenn dann wie aus dem Nichts Skelette oder andere Monster auftauchten, würde ich das heute mit typischen Jump-Scares aus Horrorfilmen vergleichen.

    Besonders in Erinnerung geblieben, sind mir die unzähligen Spielstunden, die ich mit meinem anderen Cousin und dessen Nintendo 64 verbracht habe. Fußball, James Bond: GoldenEye und Mario Kart 64 standen fast immer auf dem Programm. Mein Cousin wollte öfter an die frische Luft und Sport machen. Ich hingegen zocken. Heute ist es eher umgekehrt :D

    Ansonsten war ich nie der wirkliche Gamer. Ein paar Spiele hatte ich auf dem PC. Enter the Matrix, Spider-Man: The Movie Game, Serious Sam: The 2nd Encounter, Age of Empires, Worms Armageddon, Fifa 2000 und drei Yu-Gi-Oh!-Spiele wurden von mir so oft durchgezockt, dass ich schon fast jeden Pixel auswendig konnte. Als in der Schule der "World of Warcraft"-Hype losging, wollte ich mich nie daran beteiligen. Ich hatte keinen Bock, monatlich so viel Geld auszugeben. Da war ich damals doch zu knauserig und unsicher dafür. Auch fiel mir die Sucht, die dieses Spiel bei meinen Schulkollegen auslöste, negativ auf. Aber was habe ich schon das Recht, Kritik zu üben? Bin ich doch zu dieser Zeit selbst ADB-süchtig gewesen >_>"

    Apropos Sucht. Als ich mein erstes Smartphone bekommen habe, wollte ich auch ein paar Spiele aus dem Play Store probieren. Die meisten haben mir auch gefallen. Das Problem war nur, dass ich ein unverbesserlicher Komplettist bin. Ich war erst zufrieden, wenn ich jedes Level geschafft, jede Münze gesammelt, jedes Geheimnis gelüftet habe, was mir ein wenig den Spaß an der ganzen Sache genommen hat. Fazit: Keine Smartphone-Spiele mehr.

    Heute spielen Games in meinem Leben eigentlich kaum eine Rolle. Diese können zwar Spaß machen, aber sie geben mir nicht das Gefühl, etwas Konstruktives mit meiner Zeit anzufangen, was mir von Jahr zu Jahr immer wichtiger geworden ist. Was mich mit Videospielen trotzdem noch verbindet? Vielleicht der Youtube-Channel "Cinemassacre" von James "Angry Video Game Nerd" Rolfe. Der wohl sympathischste Youtuber, den ich kenne. „He’s Gonna Take You Back to the Past.“ Ich bin halt doch ein Nostalgiker. Darum bin ich wohl noch immer hier im ADB.
     
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  4. MajinKay

    MajinKay Revelation 6:4

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    Das vielleicht war hier der springende Punkt.

    Vielen Dank für das Lob. Ich für meinen Teil tu mir auch recht schwer mit der Tatsache, dass schon wieder soviel Zeit vergangen ist.


    Hm. Definition von Ironie: Zwei der letzten aktiven User kommen nach fast zwei Dekaden drauf, dass sie vermutlich Nachbarn sind. Das ist... großartig. Bin übrigens auch nicht aus Leoben Stadt, sondern ursprünglich aus der netten Marktgemeinde mit dem Autobahnknoten.


    Da werden recht viele Erinnerungen wach bei den von dir aufgezählten Titeln... Die Mario Land Serie hatte mich fest im Bann, genauso wie auch die Turtles - es waren eben die frühen Neunziger. Darkwing Duck hab ich auch noch wunderbar in Erinnerung.

    Bei mir blieb der originale Gameboy lange Zeit mein einziger Handheld, ehe ich vor... oh... das dürften jetzt auch fast wieder 10 Jahre sein... einen DS zugelegt habe. Hauptsächlich wegen den alten Super Nintendo RPGs, die nie so recht den Weg nach Europa geschafft haben und die ich früher wie ein Besessener mittels ROMs gespielt habe. Breath of Fire 2, Final Fantasy 3,4 und 5. und Chrono Trigger. Der DS hatte da,als noch den extra - Slot für die Game Boy Advanced Datenträger, was ja super war.

    RPGs waren bei mir auch später erst groß im Kommen und nicht wirklich was aktives in meiner ersten Konsolenzeit. Das kam erst später mit dem PC. Damals war der soziale Aspekt vom Videospielen noch viel größer. Ich bin mit meinen Freunden im Freien herumgetollt, ehe wir uns zum zocken wieder reinbegeben haben... Das Shiftete mit den Jahren aber merklich. Erst in Richtung mehr Videospielen und später in Richtung mehr Solo spielen.

    Zu WoW kann ich sagen: Ja, ich war im Beta-Test. Ja, ich hatte den Account vor 15 Jahren übernommen und nach dem offiziellen Release auch ein paar Monate aktiv gespielt. Nein, der Funke ist bei mir nicht übergesprungen und Ja, die ADB Sucht war viel ausgeprägter.

    James Rolfe war für mich der Einstieg in die Welt der Online-Critics, die ich lange Zeit sehr stark verfolgt habe. Doug (ThatGuyWithTheGlasses), Noah (TheSpoonyExperiment), Lewis (AtopThe4thWall) waren eine Zeit lang wohl wirklich sowas wie meine geheimen Helden. Doch mit dem mehr-oder-minder Untergang von Channel Awesome, Spoonys mentalen Problemen und dem generellen Älterwerden sind sie auch mittlerweile mehr Erinnerungen an eine lang vergangene Zeit Die aber sehr schön war. Doug und Noah habe ich sogar seinerzeit live in Wien gesehen im Rahmen der Aninite, wo sie als Stargäste aufgetreten sind... Was im übrigen auch schon wieder knapp 10 Jahre her ist...